Gzuz & Bonez MC „High & Hungrig 2“

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„Wie läuft bei dir? Bei mir läuft grad super“ – und damit hat Gzuz gar nicht so unrecht. Lässt man die beiden vergangenen Jahre Revue passieren, wird schnell klar, dass es für die 187 Strassenbande nur einen Weg gibt und der führt steil nach oben. Die Konstellation der Hamburger Crew scheint hierbei fast egal: Sowohl „Obststand“ von LX & Maxwell als auch „Ebbe & Flut“ von Gzuz schlugen ein wie eine Bombe und weckten den Hunger der immer größer werdenden Fanbase. Hunger auf die „High & Hungrig“-Forsetzung, eine Platte von Gzuz und Bonez MC, die 2014 erschien.
Fast auf den Tag genau zwei Jahre nach diesem Release steht der heiß ersehnte Nachfolger nun endlich in den Läden.

Geliefert wird im Prinzip ziemlich exakt das, wofür die Jungs stehen: Qualitativer Straßenrap, dem es weder an Authentizität, noch an technischen Fähigkeiten oder ausgereiften Produktionen fehlt. Für letztere zeigt sich wie immer Hausproduzent Jambeatz verantwortlich, der sein Handwerk versteht und den Jungs die Beats quasi auf den Leib schneidert.
Böse Zungen behaupten, dass die Themenwahl immer dieselbe bleibt und folglich langweilt – das ist aber völliger Quatsch. Immerhin erwartet niemand, dass die Bande das Rad neu erfindet – sie sollen lediglich seine Felgen zum Glänzen bringen. Jedenfalls wird hier lyrisch wieder das eine oder andere Mal gegen das BtMG verstoßen („Wolke 7“) und Frauenherzen gebrochen („Blättchen & Ganja“). Obwohl eigentlich „Alles okay“ ist, lässt sich Gzuz auf eben diesem Song ein wenig von Feature-Gast Kontra K beeinflussen und lässt einen flüchtigen Blick hinter die Fassade zu: „Ich würd’ gern wissen, wie weit es noch geht/ doch hab Angst, dass ich die 30 nicht seh’“). Ein Anflug von Melancholie kommt ebenso bei der ersten Singleauskopplung „Optimal“ auf – hier liefert nämlich der momentan inhaftierte LX seinen einzigen Part ab.

Im Großen und Ganzen ist „High & Hungrig 2“ ein Vorzeigebeispiel für deutschen Straßenrap. Besonders im Vergleich mit dem Vorgänger wird die extreme Entwicklung von beiden Protagonisten deutlich.
Die Produktion wirkt runder, der Rap pointierter und besonders Bonez MC besticht durch Flow-Variation, mit der er sich auch mal mühelos vom Rap entfernen und an der Schwelle zu Reggae bewegen kann.
Um es mit Worten von Bonez zu sagen:„Dikka, früher in der Schule war ich immer nur der Klassenclown/ heute bin ich selber Lehrer und die anderen passen auf“ („Oh Weia“) – hoffen wir, dass er damit Recht hat – denn lernen kann man von den Jungs tatsächlich einiges.

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Ist mittlerweile seit 3 Jahren bei BACKSPIN und hat die Leitung der Online-Redaktion inne. All ihre Fans sind maskuline Jungs, jaja.

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