Ahzumjot – „Minus“

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Zu den Rahmenbedingungen: 2011 kam „Monty“ und gab den Startschuss zu Ahzumjots Rapkarriere. Von den Parts über das Artwork bis hin zur liebevollen Verpackung in pinkem Geschenkpapier war alles selfmade. Schnell wurde „Monty“ zum Insidertipp und Ahzumjot zu einem der gefragtesten Newcomer. Die Vorfreude auf das Debütalbum war also dementsprechend groß. Im Spätsommer 2014 war es dann soweit. Erst der Wechsel unter die Fittiche des Majors und dann „Nix mehr egal“ – der heiß ersehnte erste Langspieler des Wahl-Berliners. Er verpuffte. Platz #32 in den Charts, keine besondere mediale Präsenz. Das „Abenteuer Major“ ist in Ahzumjots Fall gescheitert. Nun, knapp ein Jahr nach „Nix mehr egal“, steht „Minus“ im Plattenregal. Eine EP – ohne Major im Rücken – an der Ahzumjot nur zusammen mit seinem Haus-Produzenten Levon Supreme gearbeitet hat. „Tag Zwei“, der erste Song der EP. Ein angenehm treibender Beat, auf dem Alan den Neuanfang einläutet. Ihm scheint seine kleine Niederlage mit „Nix mehr egal“ bewusst zu sein und leitet den ersten Part mit diesen Worten ein:

„Stehst du an dem Anfang. Ist auch gut, ’nen Satz zurück zu machen.

Wenn es nicht geklappt hat. Heut‘ ist Tag Zwei – heut‘ ist Tag Zwei.“

 Die Tracks „Minus“ und „Schwörs dir“ sind beides sehr reduzierte Stücke, die Ahzumjot deutlich besser stehen als einige der bombastischen Kompositionen, wie sie auf „Nix mehr egal“ zu finden waren. Dieses Minimalistische setzt sich auf „Platz / Angst“ fort. Für mich der stärkste Song der EP. Ahzumjot schafft es, eine wahnsinnig pointierte Szene-Betrachtung abzuliefern, die dazu noch cool klingt.

„Jetzt ist der Club leider randvoll mit Hype /

Denn dieser Club ist der ganz neue Scheiß.“

Auf Track Nummero sechs bleibt der Wahl-Berliner lieber „Allein in [s]einer Welt“. Ironischerweise ist auf „Allein“ der einzige Feature-Part zu finden. Dissythekid unterstützt und teilt AJs Einstellung bezüglich des Alleinseins:

„Bevor ich der Menge folg‘, bleib‘ ich lieber der Steppenwolf“.

Mit „Montag“ findet die EP ein sehr melancholisches Ende. Ahzumjot stellt viele Fragen. Hinterfragt sich selber. Es geht um Egoismus, die Beziehung zu seiner Mutter und Größenwahn.

Alles, was ich damals hier verloren hab‘ /

Ich fange nochmal an, uh, heut‘ ist Montag.“

 Auf „Minus“ hat Ahzumjot sehr viele richtige Entscheidungen getroffen und eine sehr gute EP abgeliefert. Die Trennung vom Major, back zur DIY-Attitüde, eine andere Sicht auf die Dinge und vor allem auf sich selber. All das sind Veränderungen, die man „Minus“ anmerkt. Es ist alles deutlich stimmiger, als es noch auf dem wahnsinnig groß gedachten „Nix mehr egal“ der Fall war. Die reduzierten Beats, ein sauber flowender Ahzumjot und das völlig unterschätzte Format der EP machen „Minus“ zu einem sehr guten Stück Musik und nebenbei bemerkt zu Ahzumjots bis dato bester Veröffentlichung.

 

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Calvin ist seit 2015 teil des Teams, schafft mehr als 20 Klimmzüge am Stück und verzweifelt jedes Wochenende aufs Neue an seinen Handball-Teamkollegen. Wenn er nicht im Dauerlauf das Treppenviertel auf und ab rattert, schreibt er leidenschaftlich gerne Reviews.

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