ACHTVIER

Rest in Peace, Tupac!

Am 13. September 1996, heute vor 20 Jahren starb 2Pac, nachdem er sechs Tage vorher auf den Straßen von Las Vegas angeschossen wurde. Wohl kein anderer Rapper hat Posthum eine so große Präsenz wie der New Yorker. Bis heute gilt er als Inbegriff und Synonym der amerikanischen und vor allem kalifornischen Hip-Hop-Kultur. Reflektierte Texte über das Leben eines heimatlosen schwarzen Jugendlichen finden über Shakur Gehör bei der amerikanischen Bevölkerung. 

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Was machte Lesane Parish Crooks, so sein bürgerlicher Name, so besonders? Seine Musik und Sichtweise auf die Gesellschaft, die ihn umgab? Geboren und aufgewachsen in Brooklyn, New York, zog seine Mutter mit ihm im Teenageralter und seiner Halbschwester nach Baltimore, um zwei Jahre später wegen besseren Chancen auf dem dortigem Arbeitsmarkt nach Kalifornien zu ziehen. Sein bewegtes Leben zwischen Gangs? Angefangen bei seiner Mutter, die Mitglied der Black Panther, einer afroamerikanischen Protestbewegung, war, oder seinem Bodyguard Suge Knight, einem wichtigen Mitglied der kalifornischen Bloods. Das Attentat auf ihn, das mit tödlichen Folgen endete und bis heute nicht aufgeklärt werden konnte? Mehrere Dokumentation, Bücher und noch mehr Internetseiten befassen sich mit seinen letzten Tagen. Selbst sein eigener Bodyguard und Labelboss Knight ist der Meinung, 2Pac lebe. Sein unvorstellbarer Erfolg, als kommerziell wichtigster Künstler seines Labels Death Row Records? Wahrscheinlich eine nicht rekonstruierbare Verbindung all dieser Faktoren. Auch als absoluter nicht Rap-Hörer kann man die Hook von „Changes“ mitsummen: Der Song, der es in die offizielle MySpace-Playlist des Vatikans schaffte. Außerdem kennst du auch mehr als eine Verschwörungstheorie um seinen Tod und du hast auch mindestens einen Freund, der bis heute jedes neue Release oder jeden Rapper mit 2Pac vergleicht.

Es ist mehr als ein spannendes Gedankenspiel darüber nachzudenken, was dieser junge und doch so erfahren wirkende Mann bis heute noch geschafft hätte, wäre er nicht mit gerade einmal 25 Jahren gestorben. Bereits 1992 kritisierte Makaveli den Neokapitalimus und seine Folgen, unter anderem an dem aktuell wie nie zu vor polarisierenden Donald Trump. Stünde im kommenden November eine 2Pac-Partei zwischen Trump und Hillary Clinton auf dem Wahlschein? Zum Wahlprogramm gehört eine hohe Reichensteuer, ein vom Einkommen der Eltern unabhängiges, aber vor allem die Kreativität förderndes Bildungssystem und die Gleichberechtigung aller Bürger.

Wie hätte sich seine seine Filmkarriere weiterentwickelt? Gäbe es neben Ice Cube einen weiteren Rapper von der Straße, der in Oscar nominierten Filmen mitspielt? Seine Filme Anfang der 1990er Jahre stießen auf gute Resonanz. 2Pac wurde zum Tausendsassa der damaligen Hip-Hop-Szene: Neben seiner Musik gab er authentische Interviews und fand auf der großen Leinwand statt. Jedoch auch ohne seinen Tod hat er posthum in der Filmbranche und auf der Leinwand eine große Präsenz. Letzten Sommer sorgte ein kurzer Ausschnitt aus „Straight Outta Compton“ für einen höheren Pulsschlag bei allen 2Pac-Fans: Wir sehen Pac zusammen im Studio mit Dr. Dre an den Arbeiten zu einem Hit der beiden und bis heute einer Hymne für die Westküste der Vereinigten Staaten. Die Rede ist von „California Love“. Dieser Ausschnitt stellte außerdem Marcc Rose vor und gab somit einen Vorgeschmack auf die hoffentlich bald erscheinende 2Pac-Biographie. Der junge Mann wurde über soziale Netzwerke bekannt als das 2Pac-Double. Es dauerte nicht lange bis die von Fans losgetretene Welle auf Facebook und Co. bis hin zu Universal schwappte und sie ihn für das Biopic der Rapcrew aus Compton engagierten. Er galt auch länger als Anwärter für die Rolle des 2Pacs in dessen Biopic, auf das die Fans schon lange warten. Die Dreharbeiten zu „All Eyez On Me“ begannen Ende des letzten Jahres in Atlanta, jedoch ohne Marcc Rose. Demetrius Shipp Jr. spielt die Hauptrolle. Sein Vater, Dametrius Shipp, arbeitete bereits 1996 als Produzent zusammen mit 2Pac an dessem Album „The Don Killuminati: The 7 Day Theory“.

Der Antagonist des Films, „The Notorious B.I.G“, wird von dem New Yorker Rapper Jamal Woolard gespielt, der ebenfalls schon mit 2Pac zusammenarbeitete und die Rolle des Eastcost-Rappers bereits in dessen Biopic, das 2009 erschien, überzeugend spielte. Regie führt Benny Boom, der bereits Musikvideos für unter anderem 50 Cent, Nelly oder Robin Thicke drehte. Um den Film so authentisch wie nur möglich zu gestalten, arbeiten mehrere Bekannte und Freunde des Rappers am Set mit, an erster Stelle 2Pacs Mutter Afeni Shakur. Sie verstarb im Mai dieses Jahres und arbeitete als Co-Produzentin des Films mit. Leider ist der Film, obwohl bereits vor 3 Monaten ein erster Trailer veröffentlicht wurde, bisher ohne Release Termin.

Bis zum Release des Biopic 2Pacs könnt ihr euch die Zeit mit dem Film „Murder Rap“ vertreiben. Der Film beschäftigt sich mit dem Eastside-Westside-Konflikt der 90er Jahre, der mit den Morden an den beiden Rapikonen seinen Höhepunkt fand. Des Weiteren beginnen Ende des Jahres die Dreharbeiten zu „Labyrith“. Der auf wahren Begebenheiten basierende Film beschäftigt sich, wie die Buchvorlage, mit den Ermittlungen zu den Umständen unter denen die zwei Rapper starben. Los-Angeles-Kriminalpolizist „Russell Poole“ war damals für diese Fälle verantwortlich und deckte Verbindungen innerhalb der Polizei und Beziehungen zu Banden auf. Damit Endet der Werbeblock für die Filmindustrie, Zurück zu dem Künstler 2Pac.

Und musikalisch? Wieviele Potential und wie groß hätte seine Musik noch werden können? Wäre er vor Jay-Z und seiner Frau Beyoncé der wertvollste Live-Act, den die internationale Hip-Hop-Szene heute zu bieten hat? Alleine sein Hologram, das Snoop Dogg 2012 auf die Bühne zauberte, galt als Highlight des Coachella-Festivals. Wie klängen Künstler, die bei ihm unter Vertrag stünden? Dieser Gedanke ist vielleicht gar nicht unbedingt im Konjunktiv zu Ende zu denken, denn 2Pacs Einfluss in der Musik merken wir bis heute. Sein Name fällt bis heute noch oft in Interviews von vielen Künstlern, die nach ihrem Vorbild oder ihrer Inspirationsquelle befragt werden. Kendrick Lamar, zweifelsohne einer der prägendsten und wichtigsten Musiker der modernen Hip-Hop-Szene, weist mehr als nur eine Verbindung zu dem „Godfather of West-Coast-HipHop“ auf.

Auch Kendrick Lamar, aufgewachsen im berüchtigten Compton, hat viele Freunde an Drogen, Gangs und die Kriminalität verloren. Erinnern wir uns an das Skit nach seinem Track „Swimming Pools“ auf seinem zweiten Langspieler „Good Kid, M.a.a.d. City“. Der Song der zum einen die Gefahr des Drogenkonsums thematisiert, der zum anderen aber auch als Metapher für die Gefahr des falschen Umgangs mit Erfolg gesehen werden kann. Wie 2Pac arbeitet auch Kendrick Lamar mit einem der einflussreichsten Produzenten der West-Coast: Andre Young, besser bekannt unter seinem Künstlernamen Dr. Dre, zusammen. Lamars letztes Album „To Pimp a Butterfly“ trug unter anderem den Arbeitstitel „To Pimp A Caterpillar“, das abgekürzt TuPAC ergibt. Er entschied sich jedoch für einen Schmetterling anstatt der Raupe. Repräsentiere der Schmetterling eher den Glanz des Lebens.

Nicht auszumalen, was für Musik aus einer Zusammenarbeit von Dre, Kendrick und 2Pac resultieren könnte. Auf dem Outro von „TPAB“ bekommen wir einen kleinen Hauch von dem zu spüren, was hätte passieren können. Kendrick spricht mit 2Pac über die schwarze Gesellschaft, die Schattenseiten von Erfolg und Rassismus. K. Dot erkennt sich als der Nachfolger bedeutender Personen, die für die Schwarzen kämpften. Er bittet 2Pac um Rat. Wie hat es dieser Mann geschafft seine Güte und Ehre zu bewahren in einer Szene und Industrie, die immer das Beste von dir will und an der du kaputt gehen kannst? Auf viele Fragen gibt Pac ihm antworten, doch auf seine letzten Verse bleibt Kendrick ohne eine Antwort aus. Die letzten Worte 2Pacs auf „Mortal Mann“ bleiben „Because the spirits, we ain’t even really rappin’, we just letting our dead homies tell stories for us“.

„Wir rappen nicht wirklich, wir lassen lediglich unsere verstorbenen Freunde Geschichten durch uns erzählen.“

Kendrick Lamar sieht 2Pac in einer Reihe mit Nelson Mandela, Malcolm X und Martin Luther King Jr., kämpfend für die Gleichberechtigung schwarzer Menschen weltweit, ein besseres Währungs- und Steuersystem und appellierend mehr Herz und Güte zu zeigen. Und genau so bleibt Tupac Shakur wohl den meisten von uns in Erinnerung.

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Moin! Aachener, der irgendwas mit Medien studiert, ungern über sich in der Dritten Person schreibt und fest zu BACKSPIN gehört. Kopf ist kaputt, aber Beitrag is nice, wa.

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