Rec-Z: “Es ist ganz schwer für mich Aufgaben abzugeben.”

Es ist über zehn Jahre her, dass Rec-Z anfing zu rappen. Der Allrounder aus Neustadt am Rübenberge, eine kleine Stadt bei Hannover, veröffentlicht morgen sein neues Soloalbum “Marke Eigenbau.” In den letzten Jahren war es etwas ruhiger um den 30-Jährigen geworden, der ,nachdem er sein Studium in Oldenburg beendete, zurück in die niedersächsische Landeshauptstadt zog und die letzten Schrauben an seinem Album fest zog. Viele Videos und kurze Dokumentationen lassen erahnen, wieviel Arbeit hinter diesem Langspieler steckt, den er zum Großteil mit Perino, seinem langjährigem Produzenten, in der Schweiz aufnahm. Warum sein Album “Marke Eigenbau” heißt, wie wichtig dieses Release für seine zukünftigen Jahre sein kann und kein Wort über seine erfolgreiche Teilnahme beim Videobattletunier, verriet er mir in unserem Gespräch, welches wie vor beinahe drei Monaten führten.

Foto: Kim Umlauf

Wir treffen uns ziemlich genau drei Monate vor deinem Release. Du hast dir einen langen Vorlauf überlegt.
Auf jeden Fall. Nur habe ich mir nicht gedacht, dass ich jetzt einen extrem langen Vorlauf haben will, sondern stehen da noch ein paar andere Leute hinter. Das Label hat so argumentiert, dass ich lange nichts mehr gemacht hätte und man mich wieder neu auf den Plan bringen müsste. Aber für den Künstler in so einer Situation ist es schwierig. Das Album ist so lange fertig und ich will es auch zeigen. Die Trends entwickeln sich so schnell, dass man auch einfach Angst hat, dass das Thema einfach nicht mehr aktuell ist, wenn es rauskommt. Aber die meisten Themen auf dem Album sind sehr zeitlos, von daher passt das schon.

Es ist kein Geheimnis, dass viele Künstler ihren aktuellen Releasen weit voraus sind. 
Das hat jetzt auch damit zu tun, dass ich zum ersten Mal eine Tour spiele und dann auch die Booking- und Promoagentur ein Wörtchen mitzureden hat. So haben dann viele Leute Einfluss auf das Releasedatum. Im Endeffekt ist es dann eines der spätesten Daten geworden, das wir uns vorstellen konnten. Ich hätte natürlich gerne früher released, aber das ist dann auch immer der Künstlergedanke. 

Der gesunde Unterschied zwischen Künstler und Unternehmer. 
Eventuell schon.

Ist dein Name eigentlich an Jay Z angelehnt?
Nein, den Namen habe ich tatsächlich von einem alten Schulkumpel. Wir hatten Latein in der Schule und „Rex“ bedeutet König. Er hat mit den Buchstaben rumgespielt und damals hat man auch noch eher mit Bindestrichen gearbeitet. So entstand dann auch das Wortspiel mit „Record“. Es ist ein sehr jugendlicher Name. Ein paar Mal habe ich schon darüber nachgedacht den Namen zu ändern, aber das macht mittlerweile keinen Sinn mehr. Seit ungefähr elf Jahren bin ich mit diesem Namen unterwegs und das bleibt jetzt auch so.

Dein Album trägt den Namen „Marke Eigenbau.“ Warum muss man alles selber machen?
Da man dann die Kontrolle hat. Was das angeht, bin ich ziemlich eigen. Damals habe ich sehr autodidaktisch angefangen Musik zu machen: In meinem Kämmerchen selber Beats gebaut, meine Songs selber gemischt und auch die ersten Videos selber produziert. Es ist ganz schwer für mich Aufgaben abzugeben. Da muss ich dann wirklich Personen kennen lernen, die das, was sie machen ziemlich krass drauf haben und sie müssen natürlich auch ähnliche Vorstellungen haben wie ich. Deswegen nehme ich es gerne selber in die Hand.

Dazu gehört auch, dass man ein Studio selber baut?
Diese Studiosache war ziemlich lange bei mir im Kopf. Wie bereits gesagt, nehme ich mich seit Tag Eins auf und mittlerweile auch andere Künstler. 2008 hatte ich mein erstes eigenes Studio, aber durch meinen gestiegenen Qualitätsanspruch für dieses Album, habe ich mich dazu entschieden ein neues Studio zu bauen. 

Was fällt dir leichter? Ein Studio aufzubauen, also die logistische und körperliche Arbeit, oder der darauffolgende kreative Prozess des eigentlichen Albums?
Der Aufbau des Studios fiel mir leichter. Das ist handwerkliche und logische Arbeit. Beim Texte schreiben oder generellem Musikmachen kannst du an manchen Tagen einfach nichts erzwingen, wenn nichts aus dir rauskommt. Da lege ich mich zeitlich auch ungerne fest. Ich bin nicht der Typ, der sich selber Druck macht im Studio in einer bestimmten Zeit einen Track fertig zu machen. Sondern passiert das meistens bei mir im Affekt in einer normalen Lebenssituation. Dann tippe ich schnell etwas ins Handy. Es gibt auch diese Situation, dass ich an einem Tag einen Track mache, aber das ist in der Regel nur so, wenn ich mit anderen Künstlern zusammen arbeite. Wenn ich meine eigenen Sachen mache, dann bin ich in meinem Kämmerchen und arbeite im Stillen für mich. 

Sicher bedingt durch einen kleinen Wettkampf im Studio, der ensteht wenn man zusammen schreibt.
Auf jeden Fall und das gefällt mir auch, aber da entstehen dann andere Songs, die nicht so tiefgründig sind, sondern stärker nach vorne gehen. 

Obwohl du deinen Tatendrang schon mehrmals verdeutlichst hast, produzierst du deine Beats nicht selber. Ziehst du da eine Grenze oder herrscht da ein anderer Respekt?
Ich sehe da auf jeden Fall eine Grenze. Obwohl ich damals selber mit produzieren anfing, habe ich mich davon mittlerweile ein bisschen entfernt, da ich Rap für mich entdeckte. Bei dem Album war es dennoch nicht so, dass ich zu meinem Kumpel meinte „mach mir mal solche Beats und schick die rüber“, sondern war ich zwei Mal in der Schweiz bei Perino, einmal zehn und einmal vierzehn Tage. In dieser Zeit haben wir das Ding zusammen hochgezogen. Wenn wir zusammen arbeiten, bin ich eher der Ideengeber, der aber auch selber die ein oder andere Melodie einspielt oder vorsummt, aber Perino setzt diese Vorstellungen in der Regel super um. Außerdem habe ich noch mit einem Gitarristen zusammengearbeitet, der mich auch auf Tour begleiten wird. Er hat auch Teilweise Melodien entwickelt, die ich dann mit in die Schweiz zu Perino nahm.

War es dir so wichtig mit einem Produzenten zusammen zu arbeiten, sodass alles aus einem Soundbild und Guss besteht?
Was das Soundbild betrifft, auf jeden Fall. Aber vor allem auch, was die Qualität angeht. Beispielsweise waren mir die Drums sehr wichtig. Sie sollten stark klingen. Wobei das Soundbild sich dennoch unterscheidet. Die Beats klingen nicht alle ähnlich und gehen in verschiedene Richtungen. Da haben wir schon versucht vielseitig zu sein, was mir auch sehr am Herzen liegt. Es nicht alles elektronisch produziert, sondern wir haben auch Gitarren aufgenommen, damit es stellenweise etwas analoger klingt. Also kommen die Instrumentals schon aus einer Feder, aber sind trotzdem vielseitig und das feier ich auf jeden Fall.

Vielseitig sind auch die Perspektiven, aus denen du rappst. Du beschreibst das Leben zum Beispiel aus der Sicht eines Hackers, eines Kannibalen, eines Bauarbeiters und eines Obdachlosen. Ist das ein Faible von dir, das sich ausschließlich in der Musik zeigt oder bist du generell jemand, der sich gerne in Köpfe anderer Menschen versetzt und versucht die Welt aus möglichst vielen Perspektiven zu sehen?
Also ich laufe nicht den ganzen Tag durch die Welt und versuche das Leben aus dem Blickpunkt eines anderen zu sehen, sondern das bedingt sich eher durch Schlüsselsituationen. „Heimatlos“, der Song aus der Perspektive eines Obdachlosen, beschreibt zum Beispiel das, was ich jeden Montag früh gesehen habe, wenn ich morgens von Hannover nach Oldenburg, wo ich bis vor Kurzem studiert habe, gefahren bin. Am Bahnhof waren immer viele Obdachlose an denen ich vorbeigelaufen bin und das sind Schicksäle, die einem doch nahe gehen, obwohl man das gar nicht an sich ran lassen will. Aber das hat mich gepackt und dann habe ich direkt morgens, total müde, angefangen darüber zu schreiben. 

Die Instrumentals passen bei „Heimatlos“ und „Kannibalen“ gut zu dem Thema, das du beschreibst. Was ist zuerst da? Sprichst du Perino, deinen Produzenten, auf ein bestimmtes Thema an oder bringen dich manche Instrumentals auf ein Thema?
Das ist immer unterschiedlich, aber lässt sich an diesen Beispielen gut erklären. Bei „Heimatlos“ war es so, dass ich zu den ersten Textideen direkt eine Vorstellung zu dem Instrumental hatte. Da habe ich schon vor Augen gehabt, das es echt klingen muss und deswegen habe ich den Sound mit meinem Gitarristen entwickelt. „Kannibalen“ hingegen entstand im Studio. Nachdem wir bereits um die zwölf Songs fertig hatten, haben wir es uns einmal durchgehört und geschaut, was wir schon oder eben noch nicht haben. Welche neue Seite konnten wir noch zeigen? So ist dann auch diese leichte, eingängige Hook einfach beim Produzieren entstanden.

Von den Rollen, die du beschreibst, welche bist du davon am meisten?
Der Song „Bauarbeiter“ ist witzigerweise schon sehr aus dem Leben. Mein Papa baut schon seit ich denken kann. Es gibt deswegen auch Bilder von mir mit vier oder fünf Jahren auf denen ich mit einem Bohrer einen Ytong-Stein bearbeite. Aktuell ist es so, dass ich wieder mit meinem Papa auf der Baustelle arbeite, da er grade verschiedene Häuser restauriert. Teilweise auch mit meinem Kumpel B-Chris zusammen, der auch auf dem Track drauf ist. Für uns war es dann eine logische Konsequenz so ein Bauarbeiterding zu machen. Ich feier auch einfach die Sprache, die auf dem Bau vorherrscht. Vor allem ist das auch eine Rolle, die ich relativ authentisch beschreiben kann. 

Beginnt mit dem Release des Albums wohl möglich eine neue Epoche? Du hast vor kurzem dein Studium abgeschlossen und mit dem Erfolg des Albums wird sich sicher zeigen, wie es weiter geht. Wie wichtig ist der Zeitpunkt für dich?
Also ich selber denk da nicht so viel drüber nach, aber wie du es formulierst, ist es definitiv. Das hängt aber auch von meinem Alter und den Zwängen der Gesellschaft ab, dass man irgendwann anfangen muss Geld zu verdienen. Ich muss gucken, wie das Album ankommt und ob es für mich Sinn macht auf der Basis Musik zu machen oder ob ich zusehen muss, dass ich jetzt Kohle verdiene und ein vernünftiges Leben führe, eine Familie aufbaue und so weiter. Jedoch habe ich das große Glück, dass mein Umfeld, beispielsweise meine Freundin, es relativ locker angeht. Bei uns zuhause steht noch kein Kinderbett. Ich habe noch eine lange Leine und kann noch probieren. Musik werde ich eh immer machen. „Marke Eigenbau“ ist aber auf jeden Fall ein Test: Wie kann das funktionieren? Finden die Leute es cool, was ich da mache? Sehen sie eine Entwicklung? 

Deine erste eigene Tour, die du über Stagelink organisieren konntest, hast du bereits angesprochen. Was erwartest du dir? 
Ich spiele zwar seit 2005 schon immer mal wieder live. In manchen Jahr mehr und in manchen weniger. Jedoch ist es natürlich schon etwas anderes, wenn man seine eigene Tour spielt und versuchst als einzelner Künstler Leute zu ziehen. Klar bin ich aufgeregt und freue mich drauf. Ich bin sehr gespannt, ob die vier Termine wirklich alle statt finden. Das ist ja immer so eine Sache. Heutzutage live spielen ist nicht einfach, vor allem alleine als kleiner Künstler. Jedoch werde ich versuchen  den Abend cool zu gestalten. Beispielweise durch Einladungen von befreundeten Musikern. 

Zieht sich da auch der Autodidakt in dir durch?
Alles was machbar ist, wird von mir erledigt, ja. Ich würde jetzt nie die Bookingagentur die Vorgruppe aussuchen lassen. Bei meiner Show sollen die Leute zwei, drei Stunden schöne Livemusik sehen. Im besten Falle von Leuten mit denen ich in der Vergangenheit schon zusammengearbeitet habe. Das erwarten die Leute aber auch von mir, denke ich. Aber ich muss auf jeden Fall auch lernen Sachen abzugeben, wenn es zu stressig wird, also den Spagat zu schaffen.

Dazu gehört es auch Arbeitsschritte abzugeben, wenn sie durch die Hilfe anderer zu einem besseren Endprodukt führen.
Ganz genau und ich glaube das kann ich auch. Mittlerweile.

 

Morgen, am 03. März, erscheint Rec-Z‘ Album “Marke Eigenbau“, das ihr hier bestellen könnt.

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