Ras Kass:“Und jetzt hat Trump uns die hässliche amerikanische Wahrheit präsentiert“

1996 veröffentlichte Ras Kass mit „Soul On Ice“ einen Hip-Hop Klassiker. Dieses Debütalbum war das Fundament, für einen der wichtigsten Künstler der Class of 96. Trotz seines Schaffens fern von Kommerz und Öffentlichkeit, gilt er als einer der einflussreichsten Rapper der Westküste und auch Pitchfork.com titulierte ihn als „one of the best rappers of all time“. Nun, 20 Jahre nach Soul On Ice, veröffentlicht Ras Kass „Intellectual Property: Soul On Ice 2“. Mit dabei sind RZA, Sticky Fingaz, Aufnahmen vom späten Sean Price und vielen weiteren Hip-Hop Giganten. Zum neuen Album und der aktuellen Lage in den U.S.A. steht Ras Kass uns Rede und Antwort.

1

Die Hohe Fünf mit Ras Kass

Was ist das für ein Gefühl, nach 20 Jahren einen Nachfolger zu „Soul on Ice“ zu veröffentlichen?

Zu Beginn war es ziemlich beängstigend. Ob es mir gefällt oder nicht, wenn man mich für etwas im Rap kennt, dann für „Soul On Ice“. Deswegen war es umso schwerer für mich, diese Legende weiterzuführen. Aber jetzt fühlt es sich einfach großartig an! Viele aus meinem beruflichen Umfeld betitelten es als mein bis jetzt bestes Album und das zu hören ehrt mich immens. Ich weiß, wie viel Arbeit und Fleiß in diesem Album steckt.

Aber war es nicht eine harte Entscheidung, „Intellectual Property“ in so große Fußstapfen zu setzen?

Natürlich. Aber viel verrückter war die Gewissheit, dass ich für mich selbst die letzten 20 Jahre Revué passieren lassen, mich selbst darin finden und all das, was ich in dieser Zeit geschrieben habe, evaluieren und neu aufrollen musste. Als erwachsener Mann musste ich mich offen und ehrlich diesen Dingen stellen. Dazu gehörte auch, mir selbst klar zu machen, wie sehr ich mich verändert habe und doch gleich geblieben bin.

                                         

Aus deiner Sicht, was hat sich für dich, aber auch generell für die Class of 96 nach 20 Jahren im Game verändert?

Ich glaube, dass die amerikanischen Musiklabels absichtlich versucht haben, die MCs der „Goldenen Ära“ von der Bildfläche verschwinden zu lassen, da wir zu viel sozialkritischen und politischen Inhalt hatten. Wenn du einen „Krieg gegen Drogen“ beginnst, um privatisierte Gefängnisse zu füllen, dann willst du keine Künstler wie The Fugees, The Roots, Tupac, Nas oder Ras Kass, die deiner kriminellen Zielgruppe ins Gewissen reden. Ich gehe davon aus, dass die Labels verstärkt Party, Gangbanger und Trap-Rap fördern und kommerzialisieren, um die breite Masse mit viel Drogenmusik zu unterlaufen, anstatt intellektuelle Musik zu fördern und zu verbreiten. Und dennoch, das Internet öffnet uns durchgehend Türen, um die Generation Y aus Europa, Kanada, Asien und Afrika stetig mit „Real Hip-Hop“ zu versorgen. So kann die Class Of 96, auch trotz der aktuellen Trends, es immernoch genießen, gute Musik für eine weltweite Audienz zu schaffen.

In den letzten Jahren hat die Hip-Hop Kultur sich rapide geändert. Was hältst du von Rappern wie Lil Yachty, 21 Savage und Konsorten?

Genauso wie sich Rap und Hip-Hop verändert und weiterentwickelt haben, entwickelte sich auch House und Techno in Subgenres wie Drum’N’Bass, Garage etc., die eigentlich schon eigene Genres geworden und dem Ursprung nicht mehr zuzuordnen sind. Meiner Meinung nach sind die meisten der neuen „Trap“ Artists mehr Sänger als Rapper. Und vieles davon würde ich nicht mehr als Rap oder Hip-Hop bezeichnen. Und offensichtlich mag ich die meisten davon auch nicht. (lacht)

                                           

Die Spannungen zwischen der elitären, „weißen“ Schicht und der afro-amerikanischen Bevölkerung wurden erneut bestärkt. Die Präsidentschaftswahlen stehen auch schon vor der Tür. Wie würdest du die Ereignisse der letzten Zeit beschreiben und was sind deine Ansichten zu Trump und Hillary?

Donald Trumps „Mauer um Mexiko“ ist dasselbe wie der „Brexit“ und alle anderen xenophobisch motivierten politischen Ereignisse in Europa. Das Problem dabei ist, dass einige weiße Männer die Gegebenheiten nur als „fair“ betrachten, wenn sie der Opposition militärisch, finanziell und politisch überlegen sind. Sie titulieren sie simpel als Minderheiten (Schwarze, Moslems, Schwule, das gesamte weibliche Geschlecht!) und ächten diese, indem sie uns „Fremde“ oder „Arbeits-Diebe“ nennen: Im Klartext sehen sie uns als unterlegen. Und jetzt hat Trump uns die hässliche amerikanische Wahrheit präsentiert: 48% der Bevölkerung sind immernoch verblendete Hinterwäldler, die sich nur dafür interessieren, diejenigen zu demütigen, die stets ihren Beitrag leisten und geholfen haben unser Land aufzubauen. Hillary steckt mit der Wallstreet unter einer Decke, also habe ich nicht viel Liebe für sie übrig. Dennoch wähle ich hier das geringere Übel (Clinton) und hoffe, dass Bernie Sanders 2020 kandidiert!

Ras Kass – „IP: Soul On Ice 2“ vorbestellen.

The following two tabs change content below.

Erzähl Digger, erzähl

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.