Vom Disstrack bis zur Demaskierung: Live-Performances von Rappern im TV

Letzte Woche war Trettmann zu Gast im Neo Magazin Royale und hat gemeinsam mit dem Rundfunk-Tanzorchester Ehrenfeld die Sendung musikalisch begleitet. Bis dato sind schon einige Rapper im Fernsehen aufgetreten und meist konnte man dies als Statement verstehen. Sei es ein Statement gegen den Kontrahenten, eine politische Positionierung oder das Einläuten des kommenden Albums. Wir haben uns mit ein paar interessanten Darbietungen der letzten zwölf Jahre auseinandergesetzt und beginnen mit dem bereits erwähnten Beispiel.

Trettmann feat. RTOEhrenfeld – „Grauer Beton“ Neo Magazin Royale (2017)

Trettmann scheint mit allem, was er momentan angeht, neue Maßstäbe zu setzen. So auch mit seinem TV-Auftritt in Jan Böhmermanns Sendung „Neo Magazin Royale„. Während andere Rapper in Fernseh-Shows allzu häufig deplatziert wirken, schafft Tretti es, von der ersten Sekunde bis zum letzten Ton zu überzeugen. Zusammen mit dem Rundfunk-Tanzorchester Ehrenfeld performte er in der vergangenen Folge zwei seiner Tracks. Letzte Woche Donnerstag wurde seine Performance zu „Knöcheltief“ und „Billy Holiday“ veröffentlicht. Dienstag folgten dann die Aufnahmen zu „Grauer Beton“. Seither ist sein Auftritt in aller Munde. TrettmannsGrauer Beton“ in Kombination mit einem bestens ausgestatteten Orchester, Neonröhren, einer riesen Leinwand und einem Shiny Floor, – eine Momentaufnahme, die stimmiger nicht sein könnte. In den Kommentaren wird der aus Chemnitz stammende Künstler bereits als potentieller Eurovision Song Contest-Kandidat gehandelt. Das Neo Magazin Royale ist nach Auftritten von Deutschrap-Acts wie Ali As, Tua, K.I.Z., Fler & Jalil und vielen anderen inzwischen bekannt für gekonnte in Szene-Setzung der jeweiligen Künstler. Die Sendung hat den Deutschen Fernsehpreis 2017 in der Kategorie „Beste Unterhaltung Late Night“ gewonnen sowie einen Grimme-Preis 2017 für den Beitrag #verafake und die „Einspielerschleife“.
 

Kool Savas feat. Sinan – „Das Urteil“ MTV TRL (2005)

2005 erlebten wir wohl den größten Beef der deutschen Rapgeschichte. Eko Fresh veröffentlichte „Die Abrechnung“ und man hatte das Gefühl, dass Kool Savas daraufhin der Kragen geplatzt sei und er Ekos Karriere zerstören wolle. Nicht nur, dass er dessen Idol 50 Cent das Intro von „Das Urteil“ sprechen ließ, der Track wurde auch als MZEE.com Exlusive veröffentlicht, womit sich auch die damalige größte Rap-Plattform gegen den Mönchengladbacher stellte. Und um dem ganzen noch die Krone aufzusetzen, performte er den Song gemeinsam mit seinem Bruder Sinan und DJ Nicon live bei MTV TRL. Zu dieser Zeit war wahrscheinlich das größte Ziel eines deutschen Rappers, neben dem Juice-Cover, in der Musiksendung gespielt zu werden, womit der Stellenwert dieses Auftrittes auch klar sein sollte.

 

Sido – „Mama ist stolz“ Bundesvision Songcontest (2005)

Kein geringerer als Sido sorgte vor zwölf Jahren dafür, dass man sich auch heute noch gerne an den ersten Bundesvision Song Contest zurückerinnert. Zusammen mit Brainless Wankers performte er seinen Track „Mama ist stolz“ und huldigte mit dem Auftritt seiner Heimatstadt Berlin. Obwohl er damals nur den dritten Platz belegte und sich damit hinter der Deutschpop-Band Juli und Fettes Brot einreihte, sorgte er durch die erste öffentliche Zurschaustellung seines Gesichts ohne Maske für den Kult-Moment des Abends. Auch zwölf Jahre nach dem legendären Auftritt schaut man sich das Video des Abends gerne noch in schlechtester Qualität an. 
 

Joy Denalane feat. Marteria – „Niemand (Was Wir Nicht Tun)“ Echo-Verleihung (2011)

Joy Denalane schaffte 2002 mit ihrem Debutalbum „Mamani“, welches sie über Four Music veröffentlichte, direkt den Durchbruch. Neun Jahre später trat die R&B- und Soul-Sängerin gemeinsam mit Band bei der Echoverleihung auf. Dabei stand kein geringerer als ihr Mann Max Herre an der Gitarre und sang noch vier Zeilen in der Hook. Aber das war nicht unser Rapmoment. Der kam erst, als Marteria auf einmal die Treppen hinunterschlenderte und einen Part zum Besten gab. Doch Joy Denalane ist nicht nur aufgrund von Max Herre für ihre Nähe zu Rap bekannt. Sie arbeitete bisher schon mit Künstlern wie Genetikk, Megaloh, Tua oder Haftbefehl und Xatar zusammen.

Kraftklub feat. Casper – „Songs für Liam“ Echo-Verleihung (2012)

„Hättest du mich auch geküsst, dich einfach auf mich draufgestürzt. Die Welt wär vielleicht besser – wie? – Frei.Wild endlich aufgelöst!“ Was inzwischen in einem Boykott der Preisverleihung endete, wurde 2012 noch auf der Bühne ausgetragen. „Bin eingeladen aber geh, zu der Preisgala da nicht hin. Will die scheiß Nazis gar nicht sehen, dann ohne mich.“ Nachdem Frei.Wild 2012 von der Echo-Preisverleihung ausgeladen wurden, waren sie bereits im Jahr darauf erneut nominiert. Casper will seither kein Teil der Veranstaltung mehr sein, bei der Bands mit politisch fragwürdigen Ansätzen nominiert werden. 

Casper – „Sirenen“ Circus Halligalli (2017)

Ende Juni diesen Jahres lief zum letzten Mal die ProSieben-Show „Circus Halligalli“ mit Klaas Heufer-Umlauf und Joko Winterscheidt. Im großen Finale wurde für musikalische Verpflegung in höchster Klasse gesorgt. Nachdem Casper sein Album „Lang lebe der Tod“ auf unbestimmte verschob, wurde es ruhig um ihn und er mied auch weitestgehend die (sozialen) Medien. Und plötzlich stand er in der Dienstagabend-Sendung auf der Bühne und perfomte in einer Weltpremier seine Single „Sirenen“. Das Video wurde anschließend auf seinem YouTube-Channel als „Offizielles Video“ zum Song veröffentlicht und zählt inzwischen über eine Millionen Klicks. 

 

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