Rap und Metal: Geschichte, Künstler*innen und aktuelle Crossover-Formen

Rap Metal Crossover

Crossover dürfte den meisten ein Begriff sein. Mit Bands wie Rage Against The Machine, Body Count und dem “Judgement Night” Soundtrack erlebte Crossover in Verbindung mit Hip-Hop und Rock in den 90ern den ersten Höhepunkt und wurde so einer großen Menge vorgestellt. Aus diesem Crossoverboom entwickelte sich mit Bands wie Limp Bizkit oder auch Linkin Park, die im Laufe der 2000er weltweit große Erfolge feierten, in den folgenden Jahren „Nu Metal“. Auch, wenn das alles keine Hip-Hop Gruppen sind, verbinden sie doch alle unterschiedliche Dinge mit Rap. So nahm Linkin Park beispielsweise gemeinsam mit Jay-Z 2004 die „Collision Course“ Remix-EP und Limp Bizkit Features mit Redman oder DMX auf. Gegen Ende der 2000er gab es diese Kombi jedoch immer weniger. Erst ab Mitte der 2010er kamen viele junge, vielversprechende Künstler*innen auf, die wieder anfingen Rap mit Rock und Metal auf ihre ganz eigene Weise zusammenzuführen und neu zu interpretieren.

Neben den Charts und Playlisten dominierenden Formen, die jeder kennt, gibt es nun auch wieder eine Szene, wo Leute wie Ghostemane, Scarlxrd oder Bones zuhause sind. Sie haben ihre eigene Nische begründet, in welcher sich Metal- und Rock mit Rapheads treffen und gemeinsame Sache machen. Dass Genrebezeichnungen und -grenzen absolut nicht mehr zeitgemäß sind, zeigen sie besonders eindrücklich.

 

Entwicklung und Einflüsse aus Metal und Rap

Während Bones und Ghostemane schon seit langer Zeit erfolgreich ihre Musik auf Soundcloud veröffentlichen, kommt Scarlxrd aus einer ganz anderen Szene. Bevor Marius Listhrop als Scarlxrd bekannt wurde, veröffentlichte er unter dem Alias Mazzi Maz YouTube Videos und war Frontsänger der Nu-Metal Band Myth City. Seine Musik, in welcher sich Rap und Metal musikalisch die Hand geben, „schreit“ wortwörtlich nur so nach Moshpits, welche übrigens aus der Metal Szene kommen.

Dass Ghostemane genauso ein musikalischer Grenzgänger ist, kommt nicht von ungefähr. Bereits in seiner Jugend war Eric Whitney, wie Ghostemane mit bürgerlichem Namen heißt, leidenschaftlicher Metalhörer und Sänger von diversen Hardcore Bands. Später entdeckte er dann noch Gruppen wie Three 6 Mafia, Outkast und Death Grips für sich, die alle mitverantwortlich für seinen uniquen Sound sind. 2015 wurde er dann Teil des von Jgrxxn gegründeten Schemaposse Kollektives, zu welchem später auch Lil Peep gehörte. Somit ist es also kein Zufall, dass seine musikalische Bandbreite von ruhigen, gesungenen Liedern über klare Raptracks bis zu ausschließlich geschrienen Liedern reicht. Des Weiteren begleiteten er, City Morgue und Wavy Jone$, 2018 die Hardcore Bands Code Orange und Vein auf Tour.

 

Wie klingt der Sound?

Musikalisch lebt die Musik von ihren tiefen Bässen und sphärischen Beats. Bei Ghostemane ist es außerdem besonders auffallend, wie einzigartig er seine eigene Stimme verstellen kann. Er schafft es sie teilweise so zu verstellen, dass man denkt, Ghostemane featured sich selbst. Manchmal gleicht seine Stimme einem bedrohlichen Stöhnen, während sie nur ein paar Sekunden später einen schrillenden Schrei annimmt und nochmals später wiederum ganz sanft klingt.

Thematisch bewegen sie und ihre Kollegen sich im Bereich dessen, was Lil Peep und Xxxtentacion zu großen Teilen wieder erfolgreich gemacht haben. Sie vermischen den aktuellen Zeitgeist des Hip-Hop mit Emotionalität und versuchen, laut Nothing,nowhere., offen und ehrlich über ihre Verletzlichkeit zu berichten um von toxischer Maskulinität wegzukommen. Dabei gibt es nicht mehr das Problem, dass „Emo“ an einen Sound gebunden ist. Dieser ändere sich zwar mit jeder neuen Generation, der Spirit bliebe jedoch der gleiche. Somit handeln ihre Lieder oft von innerer Zerissenheit durch Depression, Selbsthass und Angstzuständen. Überdies sind bei Ghostemane auch Okkultismus, Philosphie und Nihilismus Teil seiner Texte. An der grafischen Ästhetik, die ebenso einen wichtigen Teil der Kunst darstellt, wird oftmals die Hardcore Verbundenheit deutlich.

 

Zudem gibt es aber auch immer mehr neue Künstler*innen, die Rap und Rock mit mehr popigeren Melodien vermischen. Auffällig dabei ist, dass dies fast alles junge, aufstrebende Leute sind. Wie auch Lil Peep sind sie alle mit Pop Punk Musik, wie der von Good Charlotte, Green Day oder Panic! at the Disco, in den 2000ern aufgewachsen und können sie sich dadurch besonders gut mit dieser Attitude und den Themen identifizieren, sowie inspirieren lassen. Durch umtriebige Persönlichkeiten wie Travis Barker, dem Schlagzeuger von Blink182, der gerne mit Rappern Musik macht, nähern sich die beiden Genres noch mehr an. So hat er schon mit den $uicide Boy$, Machine Gun Kelly, Nothing,nowhere. und Lil Aaron zusammengearbeitet, dessen neues, bald erscheinendes Tape, auf den Namen „808 Rock“ hören wird. Des Weiteren zählen auch Künstler wie Lil Uzi Vert und Trippie Redd, die ganze Energie des Punks, sowie Marilyn Manson, Paramore und Slipknot zu ihren größten Einflüssen. Passend dazu hat Trippie Redd erst neulich die erste Single „Dreamer“ zu seinem angekündigten Rock Album veröffentlicht. Außerdem probieren sich sogar Post-Hardcore Bands wie Falling in Reverse immer mal wieder aus und vermischen ihre Musik mit Rapelementen, wie man auf der im letzten Jahr erschienenen EP „Drugs“ hören kann.

 

Wie siehts in Deutschland aus?

Schaut man auf Deutschland, fällt den meisten wahrscheinlich erstmal nur Casper ein, der in dieses Raster passt. Guckt man jedoch etwas genauer, bemerkt man, dass es mittlerweile viel mehr Leute als nur Casper gibt. Künstler wie Edo Saiya oder besonders Grafi (Das Interview mit ihm kannst du dir hier durchlesen) lassen sich unüberhörbar von Rock und Metal inspirieren. Auch gibt es mit Mimi Barks nun auch endlich eine junge Frau auf dem Weg nach oben. Die Berlinerin macht zwar größtenteils Musik auf Englisch, hat mit „Klingen & Stiches” Anfang des Jahres jedoch auch ihren ersten Track auf Deutsch gedroppt. Das dazugehörige Video gibt es jedoch nur noch als Reupload zu sehen und ist, anders als ihre anderen Videos, nicht mehr auf ihrem offiziellen YouTube Channel zu finden. Aufgrund ihrer Attitude lässt sie sich irgendwo zwischen Scarlxrd und Billie Eilish einordnen. Des Weiteren tritt der Front Sänger der Metal Band Kora Winter nun als Solokünstler namens Haxan in Erscheinung. Auf seinen ersten beiden EPs schafft er es auf gekonnte Weise zwischen Post Hardcore und modernem Rap zu balancieren. So wie in seiner Band singt er auch als Solokünstler häufig über die tiefsten Abgründe der Psyche.

Auf der fröhlicheren Seite finden sich mit Yung Isvvc und James Jetski zwei Künstler, die mit ihrem eigens getauften „Drill Grunge“ eine Sparte eröffnet haben, die trotz der teilweise eher Deutschrap typischen Texte über Konsum und Designermarken musikalisch viele Einflüsse übernimmt. Nicht ohne Grund haben sie auf ihrer im letzten Jahr erschienenen Single „Blink187“ klaren Bezug zu Blink182 genommen.

Vergessen sollte man hierbei dennoch auch nicht Swiss + Die Andern, die wahrscheinlich momentan erfolgreichste deutsche Band, die Punk mit Hip-Hop Einflüssen mischt. Da ihre Inhalte und Ansichten klar politisch links eingeordnet werden bezeichnen sie ihre Musik selbst auch als „Zeckenrap“. Passend dazu, gibt es mit Tamas einen immer gern gesehenen Featuregast, der selbst auch schon immer gerne Punk und Rap mixt und dabei klare Haltung zeigt.

 

 

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