Rap gegen Rechts: Auschwitz-Überlebende Esther Bejarano verarbeitet ihre Erlebnisse in der Musik

Microphone Mafia BeitragsbildWer bereits 91 Jahre zählt, der hat allerhand zu berichten. Vor allem, wenn es sich um die 91-jährige Auschwitz-Überlebende Esther Bejarano handelt. Die gesammelten Erinnerungen eines bewegten Lebens finden sich in ihrer 2013 erschienenen Autobiographie „Erinnerungen: Vom Mädchenorchester in Auschwitz zur Rap-Band gegen Rechts“ wieder. Bei der besagten Rap-Band handelt es sich um die seit 1989 bestehende Microphone Mafia – mit der Bejarano auf Tour ist.

Die im saarländischen Saarlouis geborene Jüdin wuchs in Konzentrationslagern auf, in denen sie als Akkordeon-Spielerin Teil des dortigen Mädchenorchesters war. Bedingt durch mehrere glückliche Umstände, entkam sie den unmenschlichen Zuständen, wanderte nach Israel aus und lebt heute in Hamburg. Da immer weniger Zeitzeugen am Leben sind und um die schrecklichen Ereignisse von damals nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, geht Bejarano an Schulen, um von den Verbrechen der Nationalsozialisten zu schildern.

Auch außerhalb von Schulen hat Bejarano Auftritte, liest aus ihrer Biografie und singt zusammen mit den Kölnern von der Microphone Mafia, die zeitweise aus 6 Mitgliedern bestand und sich heutzutage aus Signore Rossi, Asia und DJ Ra zusammensetzt. Ihr Repertoire: jüdische Partisanenlieder, Songs von Brecht und den Höhnern.

„Ihr seid nicht schuld an dem, was damals geschah. Aber ihr macht euch schuldig, wenn ihr über diese schrecklichen Verbrechen nichts wissen wollt“, predigt die 91-jährige.

Krümmel, so der aus der geringen Körpergröße resultierende Spitzname der Überlebenden, zeigt sich stets erheitert über die Ansichten und Gespräche zwischen dem italienischen Rapper Signore Rossi und dem türkischstämmigen MC Kutlu Yurtseven. „Für Rossi ist alles Folkmusik. U2 ist irische Folkmusik“, sagt Yurtseven.

Eine auf den ersten Blick ungewöhnliche Kombination, die drei Religonen, drei Generationen und ein gemeinsames Ziel vereint: den musikalischen Kampf gegen rechtspolitisches Gedankengut. Bejarano, deren Eltern von den Nationalsozialisten aufgrund ihrer Abstammung bzw. wegen ihrer religiösen Ansichten ermordet wurden, sieht Parallelen zur jetzigen Flüchtlingsdebatte. So sollte es jedem bewusst sein, dass nichtige Gründe dazu führen, dass Flüchtlinge in den Tod geschickt werden.

Sie sucht den Weg in die Öffentlichkeit und greift zum Mic, um über all das Leid zu informieren und trägt ihr Stück dazu bei, rechten Gesinnungen entgegenzuwirken.

 

The following two tabs change content below.
Yannick H. ist seit Oktober 2015 bei BACKSPIN. Wenn er nicht gerade in seinem knallgelben Ostfriesennerz durch die Stadt schlendert, hält er Ausschau nach dem Besten vom Besten in Sachen Hip-Hop.

Erzähl Digger, erzähl

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.