Pusha T: „Ich habe das härteste Hip-Hop-Album 2015 gemacht!“

Der Präsident von Kanye Wests Label G.O.O.D. Music und eine Hälfte von Clipse, Terrence Thornton aka Pusha T höchstpersönlich bringt zwei Alben innerhalb von sechs Monaten unter die Massen. Während „Darkest Before Dawn“ als düsterer Vorbote noch kurz vor Jahresende in die Liste der besten Rap-Alben 2015 rutschte, ist „King Push“ vier Monate vor dem geplanten Erscheinungstermin noch nicht mal fertig. Die Erwartungshaltung geht natürlich bereits durch die Decke, aber Pusha T wäre nicht Pusha T, wenn er sich seiner Sache nicht sicher wäre. Im Interview mit BACKSPIN erklärt er, warum er trotz Kendrick Lamar das Hip-Hop-Album des Jahres gemacht hat, was Tyler, The Creator mit seinem neuen Album zu tun hat und wie es ist, der Präsident eines Labels zu sein.

„Darkest Before Dawn“ ist gerade erst erschienen. Wie wird sich „King Push“ von seinem Vorgänger unterscheiden? Wird es einen helleren Ton haben?

Ich weiß nicht, ob ich es „heller“ nennen will, aber auf jeden Fall wird es mehr Farben haben. Ich finde, dass „Darkest Before Dawn“ linear war. Es war eine konstante Bewegung. „King Push“ hingegen wird ein breiteres Spektrum abdecken. Fans erhoffen sich natürlich mehr als nur weitere zehn Songs.

Hast du schon eine Ahnung, wie viele es sein werden? 

Ich bin noch nicht ganz sicher, aber ich ziele so auf 13 ab.

Also du arbeitest tatsächlich jetzt gerade noch so richtig am Album?

Ja, genau. An bestimmten Stücken bin ich noch dran. Es sind ein paar neue Beats von Tyler, The Creator reingekommen.

Beats von Tyler?

Ja man! Und zwar richtig gutes Zeug! Ich versuche die Dinger gerade aufzubrechen und in sie einzusteigen. Aber ich liebe es auf jeden Fall jetzt schon! Ich bin mir sicher, dass sie noch auf der Platte landen werden.

Du rappst ja häufiger auf experimentelle Beats, bei denen man denkt, dass andere Rapper sich das gar nicht trauen würden und bist so gar nicht an aktuelle Trends gebunden. Beschäftigst du dich trotzdem mit Sachen wie Cloud- und Trap-Rap?

Ich liebe Trap-Musik! Einfach nur, weil es ein Sound ist, der für das steht, was heute in den Clubs abgeht. Und ich gehe gerne aus, besuche Clubs und hänge da rum. Ich liebe die Energie. Ich diskriminiere nicht. Nur wenn es zu meiner Musik kommt, dann will ich weitergehen als das. Dann fahre ich die Schiene, die ich seit Tag Eins fahre.

Also gibt es auf „King Push“ wieder straighten und rauen Drogendealer-Sound?

Aber klar! Für mich heißt es Straßen-Musik bis zum Tag, an dem ich sterbe!

Du bist jetzt knapp 20 Jahre dabei. Wie bleibt man so lange relevant in einer so schnelllebigen Szene, wie HipHop?

pusha_t_1Es geht nur darum fresh zu bleiben. Weißt du, ich vergesse manchmal selbst, dass es schon so eine lange Zeit ist. Aber das liegt daran, dass ich mit der Zeit gewachsen bin und nicht in einem Moment oder an einem Ort stecken bleibe. Das hat auch mit meiner Musik zu tun. Meine Musik hilft mir beim Wachsen. Sie ist immer so in Bewegung, dass man mich nicht in eine Schublade stecken kann.

Mir scheint es so, dass du viele andere Rapper eher belächelst. Hältst du dich selbst für den besten lebenden Rapper?

Oh ja! Mit Sicherheit! Ich fühle mich definitiv wie der Beste. Und ich bin auf jeden Fall der Realste.

Was ist denn zum Beispiel mit einem Kendrick Lamar?

Kendrick ist gut. Er war ja auch auf meinem ersten Solo-Album („My Name Is My Name“ 2013, Anm. d. Red.). Aber für die Art Musik, die ich versuche zu machen und hören will, kann keiner das schaffen, was ich schaffe.

 

Von eurer Zusammenarbeit „Nosetalgia“ haben viele Kritiker gesagt, dass es der beste Track auf „My Name is My Name“ ist. Meinst du, du brauchst herausragende Rapper wie Kendrick, die dich noch ein Stück besser machen, als du eh schon bist?

Auf jeden Fall! Es ist ein fantastischer Track geworden. Kendrick ist auch großartig. Er ist in seiner Sparte gut, aber ich finde, dass wir in bestimmten Punkten ein unterschiedliches Publikum ansprechen. Deswegen funktioniert es auch zusammen und es kommt gute Musik dabei raus. Wir sprechen aus zwei verschiedenen Perspektiven.

Verstehst du den Hype um die Musik, die man als neuen politischen Rap bezeichnet?

Ich weiß nicht, ob man das Hype nennen kann. Es ist ja die Realität. Es ist das, was heute passiert. Und Rap hat schon immer die Realität und was im Leben abgeht widergespiegelt. So kenne ich es. Deswegen würde ich es nicht Hype nennen.

Aber 11 Grammy-Nominierungen für Kendrick allein sind schon ein bisschen Hype, oder nicht?

Also Kendrick hat dieses Jahr auf jeden Fall das größte musikalische Risiko mit seinem Album auf sich genommen. Ich denke, das kann man fairerweise sagen. Solche Dinge sieht die Grammy Jury natürlich. Ist es das beste Album für den Club? Nein. Politisch aufgeladen? Ja. Musikalisch? Möglicherweise. Er hat auf jeden Fall viel auf sich genommen.

Ich wollte nämlich auf ein Interview mit der XXL hinaus, in dem du gesagt hast, dass, wenn ein Album von dir herauskommt, es in dem Jahr immer das beste HipHop-Album des Jahres sein soll. Hast du das beste Hip-Hop-Album 2015 gemacht?

Mit Abstand! Mein Album war das härteste Hip-Hop-Album des Jahres. Es kam spät im Hinblick auf Auszeichnungen. Aber so lange es um HipHop geht, also Beats und Reime, denke ich nicht, dass es ein besseres Album gab. Lyrisch sieht das natürlich anders aus.

Wie fandest du das Album von Vince Staples?

„Summertime 06“ war großartig. Ich habe das mehrfach gehört. Ich habe ihn letztes Jahr getroffen und das Album hat mich bei vielen Reisen nach Europa begleitet. Richtig gut auf jeden Fall.

Ich würde gerne noch mal auf das politische Thema zurückkommen. Du bist ja nicht nur Rapper, sondern auch Unternehmer und deswegen habe ich mich gefragt, ob du in irgendeiner Hinsicht in den politischen Wahlkampf für die nächste Präsidentschaftswahl involviert bist?

Nein, nicht wirklich. Wenn du mich fragst, ob ich wähle? Ja! Aber ob ich in einer Kampagne drin stecke? Nein.

Was hältst du davon, dass Killer Mike sich so stark für den Sozialisten Bernie Sanders einsetzt?

Ich stecke da wirklich nicht so richtig drin. Killer Mike ist auf jeden Fall jemand, der sich für die Menschen einsetzt und eine starke Meinung hat.

Kannst du dir vorstellen, dich irgendwann mehr mit Politik auseinander zu setzen?

Ich weiß nicht. Ich stecke da nicht mit Herz drinnen. Und ich kann mir schlecht vorstellen, mich mit etwas zu beschäftigen, in dem nicht mein Herz drinnen steckt.

pusha_t_2Du bist ja immerhin schon Präsident von G.O.O.D. Music. Woher hast du da eigentlich diese ganze Business-Seite gelernt?

Viel läuft da auf jeden Fall über Beziehungen. Ich würde es auf keinen Fall wagen, das Führen eines Landes mit dem Führen eines Labels zu vergleichen. Aber meine Beziehungen zu den Künstlern auf G.O.O.D. Music sind auf jeden Fall oberste Klasse. Es nimmt viel Zeit in Anspruch, aber wenn wir die Fans glücklich machen und jeder seinen Zeitplan einhält, sind am Ende alle zufrieden.

Nimmt die ganze Labelarbeit viel Zeit ein und ist vielleicht mehr Stress, als du vorher dachtest?

Ich würde nicht unbedingt Stress sagen, aber es ist eine Non-Stop-Beschäftigung. Ich denke ohne Unterbrechung darüber nach. Und man denkt halt an alle und nicht nur an sich selbst.

Beeinträchtigt das denn deine Musik oder bringt es vielleicht sogar neue Inspiration mit sich?

Alles was in meinem Leben passiert ist immer auch Inspiration für die Musik. Nichts ist außerhalb des Möglichen.

Woher kommt denn prinzipiell noch die Inspiration nach 20 Jahren? Es geht ja immer noch oft ums Drogen-Dealen und deine Erinnerungen an früher. Verschwinden die nicht nach und nach? Wie oft kannst du dahin noch zurückgehen?

Ich bin tatsächlich mittlerweile der Einzige, der immer noch so dabei ist von früher. Ich habe mein Leben und meine Leute, die immer noch diesem täglichen Kampf ausgesetzt sind. Dementsprechend ist es nicht immer nur in Erinnerungen schwelgen. Manche Umstände und Szenarien sind aus der Vorwoche.

Wo du gerade von Erinnerungen sprichst. Was die Fans sicher brennend interessiert: Wird es noch ein Clipse-Album geben?

Das ist Geschichte. So weit ich das beurteilen kann, wird es kein weiteres Clipse-Album geben.

Niemals wieder?

Du weißt ja. Man soll niemals nie sagen. Aber jetzt gerade sieht es nicht mehr danach aus.

Was kommt dann nach „King Push“? Planst du schon so weit?

Erst mal liegt der Fokus auf dem Album und der Tour danach. Dann heißt es wieder Präsident von G.O.O.D. Music sein. Neue Talente finden und den Fans etwas geben.

Sind schon neue Talente in Aussicht?

Definitiv! Ich will eigentlich noch gar nicht darüber reden, aber es steht einiges bevor und ich freue mich schon darauf.

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