Pusha T: „King Push – Darkest Before the Dawn: The Prelude“ (Review)

review wordpress

„Who you wanna be? Drug Dealer? Demon? Rap Nigga? You tryna save the culture? Ay Dios mío. You gotta pick one, daddy“, so Pusha Ts Gewissen in „Intro“. Stimmt zum Glück nicht ganz. Pusha T setzt auf „King Push – Darkest Before the Dawn: The Prelude“  hinter all diese Stichpunkte konsequent ein fettes Häkchen. Es ist das zweite Solo-Album der Ex-Clipse-Hälfte, an dem Push gleich nach dem Release seines Debuts „My Name Is My Name“ in 2013 zu arbeiten begann. Ein Präludium beziehungsweise ein Appetizer auf das einst als zweites Album beworbene „King Push“, welches aktuell für den April 2016 angekündigt wird.

Prelude hin oder her – gemäß seines in Interviews gern gedroppten Anspruchs auf das „Album of the year“ lässt sich Pusha T auf dieser Scheibe alles andere als lumpen. Timbaland hat produziert. Diddy hat produziert. Kanye West, J. Cole, Boi-1da, Hudson Mohawke, Q-Tip und Baauer auch. Feature-technisch sind zum einen auf „M.P.A.“  Kanye West, A$AP Rocky und The-Dream (letzterer auch auf „M.F.T.R.“) vertreten, wobei allen dreien lediglich kurze Gesangseinlagen zugeteilt wurden. Zudem sind auch R&B’s next It-Girl Kehlani („Retribution“) und Jill Scott („Sunshine“) dabei. Als Gäste in Sachen Rap holte Pusha T sicherlich zur Freude vieler Beanie Sigel („Keep Dealing“) und den Re-Up-Gang-Kollegen Ab-Liva („Got Em Covered“) zurück.

Eine ebenfalls bemerkenswerte Appearance macht auf „Untouchable“ The Notorious B.I.G. mit seinem von Timbaland gesampelten Verse aus „Think Big“ von Pudgee feat. The Notorious B.I.G and Lord Tariq. „Lyrically I’m untouchable, uncrushable“ – eine Positionierung, auf die Pusha T den größten Wert legt. Weswegen er wohl auch vor dem jeweiligen Release der Audios zu den Singles „Untouchable“, „M.F.T.R.“ und „Crutches, Crosses, Caskets“ vorab nur die Lyrics auf Genius.com veröffentlichte.

„I drops every blue moon, to separate myself from you kings of the YouTube“ („Untouchable“). Pusha T will mit dem in den Medien gefeierten Hip Hop nichts am Hut haben und verteilt Gongs an alle faken „M.F.T.R.“-Rapper. Denn „This is the ministry of street energy. The church of criminology, teaching my chemistry“ („Crutches, Crosses, Caskets“). Push representet weiterhin den Coke-Rap und zelebriert sein „last cocaine superhero“-Dealer-Dasein in gewohnt metaphorischer Manier: „I’m the L. Ron Hubbard of the cupboard“ („Crutches, Crosses, Caskets“), „I’m Kim Jong of the crack song, Gil Scott-Heron to the black poem“ („M.F.T.R.“), „I am like Warhol, A nigga paint a picture of a bullet for all y’all“ („Keep Dealing“).

Bei diesem roten Faden sticht der das Album abschließende Track „Sunshine“ besonders heraus. Ein kritisches Statement und für mich einer der besten musikalischen Kommentare zur aktuellen Lages des Rassismus und der polizeilichen Gewalt in den USA, untermalt mit perfekten Vocals der weit unterschätzten Jill Scott. „I seen one time turn sunshine into Freddie Gray.“

Das hier ist ein Album, das es in seiner Unnachgiebigkeit, Rauheit und Aussage vielleicht so nicht hätte geben können, hätte Kanye West, Yeezus himself, Pusha T nicht im November 2015 zum Präsidenten von G.O.O.D. Music ernannt. Alle begleitenden Umstände sind darauf ausgerichtet, einzig und allein Pusha Ts Stimme in den Vordergrund zu setzen. Die kaum präsenten und nur unterstützend fungierenden Feature-Gäste. Ein Kanye West oder A$AP Rocky, die keinen Vers bekommen, sondern kurz oder kaum im Refrain zu hören sind. Eine Reihe hochkarätigster Producer für durchgängig düstere und eher minimalistische Beats, die gebaut wurden, um den Spotlight auf die Lyrics zu setzen. Eiserner, fast klinisch ausgefeilter Lyricism, bei dem jede einzelne Bar und jedes einzelne Wort zählen und möglichst deutlich betont werden. Kein melodiöser, Radio-Playlist affiner Hip Hop. Rap-Purismus in Form eines unfreundlichen und dunklen Street-Coke-Rap mit höchstem lyrischen Anspruch.

Pusha T greift nach der Krone. „King Push – Darkest Before the Dawn: The Prelude“ ist für mich mehr als eine gelungene Werbetrommel für „King Push“. Ein Album, das niemand sonst so hätte liefern können. Long live the King.

The following two tabs change content below.
Viktoria mag Musik, insbesondere Rap. Über die letzten 7 Jahre arbeitete sie musikredaktionell und führte Interviews beim Radio und für diverse Online-Publikationen.

0 Comments

  1. Pingback: Aesop Rock rappt auf Pusha Ts "Untouchable" (Audio)

  2. Pingback: Pusha T tourt ab April auch durch Europa

  3. Pingback: "Du willst ein Solokünstler sein, dann solltest du das wohl tun."

Erzähl Digger, erzähl

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.