Puff Daddy & the Family – “MMM”

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Kurz vorweg: Um mich Herrn Combs‘ Pseudonym-Zirkus zumindest für diese Review zu entziehen, nenne ich ihn einfach mal so, wie er sich selbst auf seiner neusten Platte präsentiert: Puff Daddy.

„Cause the black-man is god“ – mit dieser These aus dem Intro folgt Puff Daddy einer alten Tradition, in der die Hip-Hop-Kultur einst ihren Ursprung fand: Der Philosophie der 5 Percenter. Doch Vorsicht wer den Grundsatz voreilig als Vorbote eines Back-to-the-Roots-Albums abtut. Zumindest war ich davon überzeugt und irrte gewaltig. Nach geschlagenen 9 Jahren Veröffentlichungsabstinenz stellt Diddy mit „Money Making Mitch“ eine Platte vor, die alles andere als dem „Groove, Sample, Bassline“-Prinzip folgt und die MPC zur Dekoration degradierte. Stattdessen werden vom Nu-Funk, Soul und Trap verschiedene Genres rhythmisch arrangiert und gehen fließend ineinander über. Frei nach dem Motto: Die Musik macht den Ton. Zugegeben, Puff schließt sich durch die Idee der Life-Instrumentierung verspätet dem Mainstream an. Trotzdem dürften dem reichsten Mann des Rap bei der Konzipierung der Platte ökonomische Fragen wenig gejuckt haben, zumal er „MMM“ als kostenlosen Download für den Plebs zur Verfügung stellt. Stattdessen verkündete der Grammy-Preisträger in der jüngst erschienen Behind-the-Scenes-Doku: „It’s the Funk, i am trying to get“. In der Folge verfrachtete er seine ganze „Family“ an Musikern und Rappern ins Studio und lässt es krachen. Es wird gelacht, Hände klatschend getanzt, Weed gebufft und natürlich der hauseigene Diddy-Vodka ausgeschenkt. Man spürt, dass „MMM“ das Ergebnis harmonischer und energiegeladener Sessions ist, auch wenn es für mich persönlich keine hervorstechenden Hits enthält, wie einst Puffs Debüt „No way out“. Resultierend offenbart sich mir ein Album, welches hierzulande zwar kaum Beachtung findet, dessen Methodik aber große Künstler der Vereinigten Staaten langfristig inspirieren könnte. Und demzufolge auch Deutschrap.

 

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Seit 2014 Album-Kritiker an Bord der BACKSPIN, angeheuert als Reinkarnation Marcel Reich-Ranickis: „Ich kann nicht anders, ich muss einfach nörgeln“.

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