SK Invitational: „Ich habe schon früh eine eigene Vorstellung von Musik entwickelt.“

Bereits seit elf Jahren reist die SK Invitational Big Band mit ihren Live-Shows durch Europa und arbeitete in der Vergangenheit mit Künstlern wie Blumentopf, Phatkat, Buf1, Texta, Blak Twang, Ty, Fiva, Skero, Flip, Average, Nazar und Mono & Nikitaman zusammen. Mit seinem Umzug von Salzburg nach New York im vergangenen Jahr bringt Stephan Kondert als Initiator und Kopf der Band viele neue musikalische Eindrücke und Kontakte in die SK Invitational-Produktionen ein.

Am 17. Februar veröffentlicht der Produzent, Komponist und Bassist der Band sein drittes Album „Golden Crown“. Die dafür angekündigten Gäste,  M.O.P., Blak Twang, Homeboy Sandman, Edo G, Sadat X, Ty und John Robinson dürften vorab schon neugierig machen. Wir haben die bald erscheinende Platte zum Anlass genommen, ein ausführliches Interview mit SK zu führen.

 

Name: SK Invitational / Stephan Kondert
Alter: 35
Wohnort: Brooklyn, NYC
Produziert seit: 2005
Equipment: Logic, AKG Mics – und die besten Sound Engineers und Musiker auf dem Planeten!
Favorite Breaks: “Funky Drummer” by JB, “Move on up” by Curtis Mayfield, “Pick up break”, Charlie Parker “One Night In Tunesia”
Favorite Hip-Hop Songs: “Too Late” & “This Means You” by Hi-Tek/Talib Kweli, “Giant” by Slum Village, “Takin What’s Mine” by J Dilla/Busta Rhymes
Favorite Non Hip-Hop Songs: “Nothing Compares To You” by Prince/Sinead O’ Connor
Favorite Hip-Hop Producers: J Dilla, Karriem Riggins, DJ Premier
Favorite Non Hip-Hop Producers: Prince, Quincy Jones, Duke Ellington,
Aktuelle Produktionen: „Golden Crown“ LP, VÖ 17.2.17 via Kopfhörer Recordings

  

Photos by Severin Koller

 

Wie bist du zum Produzieren gekommen? Wer hat dich dazu gebracht?

Ich habe schon früh eine eigene Vorstellung von Musik entwickelt und hatte entsprechend den Drang, diese zum Leben zu erwecken. Einen innovativen Big Band-Sound, der mainstream-radiotauglich war, gab es zu dieser Zeit gar nicht. Das galt es zu ändern, meiner Meinung nach. So habe ich SK Invitational ins Leben gerufen – eine Big Band aus 16 großartigen Musikern aus ganz Europa, die viel in den Genres Jazz, Rap und Soulmusik unterwegs ist.

Meine Zusammenarbeit mit unterschiedlichsten Artists endete oft in Live- oder Studio-Produktionen. Zwei der Wichtigsten für SK Invitational, neben den eigenen Alben, waren sicher das legendäre Live-Album „Sweet16“ von Texta und die Live-Remixes auf dem Album „Wir“ von Blumentopf (Premium Edition). Auch Nazar live at Popfest 2014 ist bandtechnisch sehr stark.

Durch mein Arrangement- und Kompositionsstudium an der William-Paterson-University, New Jersey und an der Anton-Bruckner-Privatuniversität Linz habe ich mir eine starke musikalische Basis aufgebaut, die mir hilft, wenn ich an meiner eigenen Musik arbeite, und mich nicht verzweifeln lässt wenn viele Instrumente involviert sind, wie bei einer Big Band oder einer Orchester-Produktion.

Motivation zu dem neuen SK-Album „Golden Crown“ lieferten aber beispielsweise auch alle gefeatureten Artists.

 

 

Wie würdest du deinen Style beschreiben und hat er sich über die Jahre verändert?

In wenigen Worten: Raw Organic Instrumental Beats.

Natürlich verändert sich der Style eines Produzenten mit der Zeit, weil er alle Einflüsse um sich aufsaugt, sie in seine Welt integriert, mit seinen Ideen fusioniert und daraus hoffentlich etwas Neues schafft… und im besten Fall dabei für andere etwas revolutioniert. Doch Groove und Seele sollten von Anfang bis zum Ende original sein und bleiben. Das nennt man dann Wiedererkennungswert. All meine bisherigen Musik-Produktionen inkludierten immer live aufgenommene Instrumente, was zu meiner Signatur wurde. Nicht nur durch meine eigene Big Band hatte ich stets das Glück, von sehr talentierten Musikern und Freunden umgeben zu sein. Da konnte ich viel ausprobieren und alle vereinten Skills und Energien auf der Bühne haben es immer top klingen lassen. Aber auch all die angesammelten Live und Studio Erfahrungen mit Texta, Fiva (Alles Leuchet), Blumentopf, Blak Twang, TY, Average, Skero, Nazar, China Moses, Akua Naru, Mono & Nikitaman… und vielen Jazzmusikern wie Dave Murray, Hamid Drake, Justin Brown, Philipp Nykrin, Nasheet Waits…. sowie meinem Trio mit Matthias LoescherThe Ruff Pack“ haben mich als Musiker und Produzent wachsen lassen. Auch glaube ich, dass bei jedem Produzenten der Mix der Musik die jeweilige Zeit wieder spiegelt und sich mit dieser verändert.

Der unglaubliche Tontechniker Wolfgang Schiefermair ist über all die letzten Jahre einer meiner wichtigsten Wegbegleiter gewesen und geblieben. Er hat mit seinen Mixes jeden Song auf dem neuen Album tiefgehend beeinflusst. Seine tontechnische Handschrift ist auf den meißten meiner Produktionen wieder zu erkennen.

Das Producing der Drumparts auf „Golden Crown“ übernahm der Schlagzeuger und ebenfalls langjährige Freund von mir Andreas Lettner. Viele Drum Recordings auf der SKGolden Crown“-Produktion wurden beeindruckend mit Live-Effekten aufgenommen und haben so dem Album einen additiven roten Faden gegeben.

 

 

Glaubst du, dass dein Equipment eine große Rolle dabei spielt, wie deine Beats klingen?

Ja, das ist super wichtig. Von Instrumenten über Mics bis hin zu Plug-Ins. Only the best!

 

Wie haben sich deine Produktionen im Laufe der Zeit weiterentwickelt? Gibt es bestimmte Routinen, die du immer machst, wenn du einen Beat baust?

Ich arbeite hauptsächlich mit Live-Recordings und Originalkompositionen.

Das ist aber auch die einzige Konstante. Im letzten Jahr habe ich mit Sampling begonnen – ich brauchte etwas Neues, Spannendes in meinem musikalischen Schaffen. Trotzdem klingt die Musik aber noch nach mir. Ansonsten versuche ich, alle Regeln zu missachten und alle eingelernten Routinen zu vergessen, sobald ich mich an etwas Neues setze. Naiv, ehrlich und simpel sind Musikproduktionen meist am stärksten und aufregendsten.

 

Welche deiner Produktionen magst du selbst am liebsten und warum?

Die sind leider noch unreleased, aber bald natürlich am Start. Spontan würde ich sagen, dass es der Track mit M.O.P. auf meinem neuen Album ist. Bei „We don’t stop“ passt einfach alles für mich.

 

Denkst du, dass ein Street-Rapper eher einen anderen Sound braucht als zum Beispiel ein Conscious Rapper? Wenn ja, warum?

Nope! Jazz war Straße und ist jetzt Konzerthaus. Ähnliches passiert im Hip Hop. Street-Rapper freuen sich meistens über organische Samples in harter Verpackung. Die bekommen sie wahrscheinlich seltener zu hören. Diese Frage spiegelt das typische Schubladendenken der Musikindustrie wider. Ich halte das für unnötig.

 

 

Wie wichtig ist es dir eigentlich, was ein Rapper oder Sänger auf deinen Beats sagt?

Sehr wichtig. Keine klein-karierten, homophoben oder rassistischen Messages. Es kann aber gerne brutal sein.

                                                                                              

Wie siehst du Hip-Hop heutzutage?

Hip-Hop und seine Einflüsse sind überall zu hören… daher: positiv.

 

Woran arbeitest du gerade? Was kommt Neues von dir?

Aktuell steht mein neuer Longplayer in den Startlöchern. Release ist am 17. Februar über Kopfhörer Recordings. „Golden Crown“ ist eine Ansammlung von Artists, die ich auf Festivals oder über Produktionen in den letzten Jahren kennen gelernt habe und die daraus folgend Fans von SK Invitational wurden. Alle waren von dem rauen Klang der Instrumente und dem originalen Sound so angetan, dass es schwierig war, dieses Album nicht zu machen. Auf „Golden Crown“ erfüllen sich viele Collab-Träume von mir: M.O.P., Homeboy Sandman, Sadat X, Edo G., TY, Blak Twang, John Robinson, J Hoard, Horst Raimund, Baritone Mc Kenzie, Jahson The Scientist und nicht zuletzt die unglaubliche Lylit. Die Motivation, etwas Neues, Unerwartetes zu machen, war von allen Seiten sehr groß und trug sehr viel zu dieser speziellen Produktion bei.

Ich arbeite darüber hinaus momentan für einige Artists, darf aber leider noch nichts darüber erzählen. Dazu habe ich ein Solo-Konzeptalbum in den Startlöchern, und mein anderes Original-Project, zusammen mit Matthias Löscher, „The Ruff Pack“ hat drei Alben startklar. Ich bin gespannt, was davon es alles noch dieses Jahr schafft, das Licht der Welt zu erblicken.

 

Wenn du heute einen Remix machen dürftest, ob Hip-Hop oder nicht, welchen Titel würdest du wählen?

Bilderbuch – „Maschin“ oder Peter Gabriel –Here Comes The Flood“.

 

Welche anderen Musikstile reizen dich und warum? Ist Rap eine eher limitierte Musikrichtung?

Mich inspirieren Jazz/Funk/Soul/Gospel/Klassik – diese Stile sind so dope und wichtig für mein Leben. Musikalisch gesehen sind Rap und Hip-Hop in meinen Augen unlimitiert. Publikumstechnisch ist es dagegen schwer limitiert.

 

 

 

 

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Sebastian ist ein "Real Hip-Hop Kid" und seit Ende 2015 Teil der BACKSPIN Gang. Er ist zuständig für Interviews, Konzertberichte und Artikel auf der Website. "Hip-Hop is not on the Radio!" #allesbackspin

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