Producer Spotlight: Onra

Volkstümliche chinesische Lieder auf Funk- und Soulsamples – Die Musik von Arnaud Bernard, besser bekannt unter der gespiegelten Lautschrift seines Vornamens, Onra, trägt eine sehr individuelle Note. Der aus Frankreich stammende Produzent hat seine außergewöhnlichen und stilvollen Produktionen auf bereits sechs Alben festgehalten. Am zehnten März dieses Jahres ist mit „Chinoiseries Pt. 3“ ein weiteres hinzugekommen, das zugleich den dritten und letzten Teil der Album-Reihe darstellt. Onra tourt seit einiger Zeit durch die Clubs der Weltmetropolen – Zwischen seinen Konzerten in London und Oslo, hat der Produzent einen Stopp in Berlin eingelegt, bei dem wir uns mit ihm getroffen und das Producer Spotlight auf ihn gerichtet haben, um mit ihm über seinen Stil, seine Inspirationen und seine Arbeit zu sprechen.

Name: Onra
Alter: 35
Wohnort: Paris
Produziert seit? Erste Gehversuche 1998, professionell seit 2002
Favorite HipHopSongs: Es gibt einfach zu viele.
Favorite HipHopProducers: J. Dilla, Pete Rock, Kan Kick
Favorite Non HipHop Production: –
Aktuelle Produktionen: „Chinoiseries Pt. 3“

Producer Spotlight mit Onra

Wann und wie bist du zum Produzieren gekommen? 

1998 habe ich ganz klassisch aus Spaß angefangen – Meine Freunde und ich haben zu Schulzeit gerappt. Wir brauchten also Beats. Da wir aber nicht in der Großstadt aufgewachsen sind, konnten wir nicht einfach Instrumental-Versionen oder Vinyls im Geschäft kaufen gehen. Darum habe ich mich daran versucht Beats zu bauen.

Wie würdest du deinen Style beschreiben und hat er sich über die Jahre verändert?

Für mich wird mein Stil immer Hip-Hop sein – Denn die Art und Weise auf die ich Musik mache: Aufnahmen samplen und MPC, sind der traditionelle Weg Hip-Hop zu machen.

Selbst wenn ich einen House-Track machen würde, wäre es auf irgendeine Weise Hip-Hop.

Mein Stil hat sich aber kaum verändert, weil ich seit 15 Jahren immer noch auf dieselbe Weise Musik mache.

Deine Musik trägt eine individuelle Handschrift. Hast du trotzdem Produzenten von denen du dich inspirieren lässt?

Alle meine „Favorite Hip-Hop Producers“ haben eine Art Einfluss auf mich, aber nicht auf meine Musik. Ich versuche Musik mit meinem eigenen Stil und meiner Persönlichkeit zu kreieren. Ich will nicht die Musik von anderen abkupfern, darum habe ich teilweise auch diese ungewöhnlichen Projekte, wie die „Chinoiseries“-Tapes, bei denen beispielsweise chinesischen Klängen elementar sind.

The Dopplegangaz oder Chuck Inglish haben unter anderem auf deine Instrumentals gerappt. Wie wichtig ist es dir, was ein Rapper oder Sänger auf deinen Beats sagt?

Content ist mir egal. Es muss nicht immer alles smart oder positiv sein. Es kann thematisch auch etwas ganz simples sein, wie zum Beispiel Lyrics über ein Mädchen. Ich sage meinen Gästen nicht, dass sie etwas smartes, intellektuelles schreiben sollen, über das ich nachdenken kann.

Als ich groß geworden bin, war Hip-Hop nur Entertainment: Geld machen, Freunde, Feinde – all sowas.

Wenn es sich gut anhört, ist das auch gut – Mir egal worum es geht.

Glaubst du, dass dein Equipment eine große Rolle dabei spielt, wie deine Beats klingen?

Ja, klar! Es ist aber nicht so, dass das neuere Equipment auch den besseren Sound ausmacht. Vor allem in dieser Zeit will jeder das alte Equipment haben, um diesen rohen, dreckigen Sound zu haben – Selbst wenn es nicht so einen guten, oder cleanen Sound wie die neueren Sachen, Computer zum Beispiel, hervorbringt.

Jeder versucht irgendwie dreckig zu klingen und den analogen Sound zu haben.

Das Equipment beeinflusst also auf jeden Fall die Beats.

Wenn du heute einen Remix machen dürftest, unabhängig vom Musikgenre, welchen Titel würdest du wählen und warum?

Ich würde einen Song wählen von dem es keine Acapella-Version gibt, sodass ich davon eine anfertigen und etwas Einzigartiges produzieren könnte. Über einen konkreten Song könnte ich jetzt ewig nachdenken – Aber um irgendeinen, potentiellen Track zu nennen: Tha Dogg Pound mit „Let‘s Play House“.

Welche deiner Produktionen magst du selbst am liebsten und warum?

„High Hopes“, weil es einen Hit-Charakter hat.


Welche anderen Musikstile reizen dich und warum?

Als Plattensammler bin ich an so ziemlich jedem Musik-Genre interessiert. Ich interessiere mich für nahezu jede Musikrichtung, außer für elektronische Musik wie Drum and Bass oder Trap.

Vor zwei Wochen hast du erst „Chinoiseries Pt. 3“ released. Was können wir noch von dir in 2017 erwarten?

Vor Ende des Jahres wird es ein neues Album geben. Außerdem habe ich eine neue Bootleg 12inch Single, die ohne Ankündigung letzte Woche raus gekommen ist. Es wird noch eine 7inch im Disko-Funk Style geben und auch andere Projekte, zu denen ich jetzt noch nichts sagen kann.

 

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