Producer Spotlight: Knowsum

Name: Knowsum aka Nepomuk
Alter: 23
Wohnort: Mainz
Produziert seit? 13 Jahren
Favorite Breaks: Isley Brothers – Footsteps in the dark
Favorite HipHopSongs:
Favorite HipHopProducers:
Favorite Non HipHop Production: Kitty Winter Gipsy Nova – Primrose Samba
Aktuelle Produktionen: Hi-Hat Club Vol.7 „Hyasynthus“, Juju Rogers – Do it For

Wie bist du zum Produzieren gekommen? Wer oder was hat dich dazu gebracht?

Mein Vater hatte schon seit ich denken kann eine Band und spielt Bass und Gitarre. Meine Mutter hat auch Musik gemacht: Deswegen war bei uns im Haushalt die Anlage auch fast immer in Betrieb und die CDs meines Vaters oder das Radio liefen permanent im Auto. Dadurch habe ich mit 13 Jahren schon Madlib für mich entdeckt. Aber schon vorher mit zehn habe ich damit angefangen, auf der Playstation 1 Beats zu bauen, weil mein Vater mir damals ein Musikprogramm dafür geschenkt hatte. Dazu konnte man dann auch noch Videos kreieren, das war ganz geil. Es ging also direkt mit elektronischen Produktionen los und ich habe nicht vorher schon damit begonnen ein Instrument zu lernen.

Du produzierst von Rap-Platten über extrem abstrakte Instrumentalmusik bis hin zu klassischen Beat-Tapes eine ganze Menge. Gibt es eine allumfassende Charakterisierung für deine Projekte.

Ich weiß es auch nicht genau. An allererster Stelle steht, dass mir die Musik selbst gefällt. Ansonsten ist es schwer, die ganzen verschiedenen Projekte unter einen Hut zu bringen. Aber der Sound ist immer ein bisschen verschroben und mit der Zeit vor allem psychedelischer geworden. Es ist mir bewusst, aber gar nicht so wichtig, viele verschiedene Ansätze zu verfolgen. Das passiert einfach im Prozess des Musikmachens. Ich setze mich aber nie hin und sage mir im Voraus, dass ich jetzt einen HipHop-Beat produzieren möchte oder etwas auf der Gitarre einspielen muss, um darüber zu singen.

Trotzdem wirst du von Medien und Hörern generell im HipHop verortet. Ärgert es dich, nur in diesem Kontext wahrgenommen zu werden?

Es ärgert mich nicht, aber es ist schon ein bisschen schade. Ich könnt mir vorstellen, dass meine Musik auch in anderen Genres wie Jazz funktionieren würde. Bisher kam es bloß noch nicht dazu, dass Leute das bewusst so geäußert haben. Im Endeffekt ist es auch egal. Hauptsache meiner Musik hören Menschen zu, die Spaß dabei haben. Und ich habe Spaß daran, etwas zu schaffen. Wo es letztlich stattfindet, ist doch gar nicht so wichtig.

Glaubst du, dass dein Equipment eine große Rolle dabei spielt, wie deine Musik klingt?

Ich arbeite viel mit Cubase. Wichtig ist mir vor allem, mit dem was da ist etwas machen zu können. Was für Equipment das genau ist, spielt gar nicht so eine große Rolle. Das Meiste findet ja ohnehin im Kopf statt. Ich spiele natürlich auch Sachen mit dem Midi-Keyboard ein – vor allem bei der Hi-Hat-Club-Platte war das so. Und Bass und Gitarre spiele ich auch manchmal dazu. Ansonsten habe ich aber nicht so viele analoge Geräte. Die sind einfach zu teuer. Dann kaufe ich mir lieber einen Monat lang Essen von dem Geld. (lacht) Trotzdem verstehe ich, warum Leute auf analoge Geräte schwören. Man schafft es damit einfach schneller und vergleichsweise leichter, einen guten Sound hinzubekommen. Wobei ich nicht glaube, dass es für den Rezipienten im Endeffekt keinen Unterschied macht. Hauptsache die Sounds passen zusammen. Wo sie am Ende herkommen, spielt dann keine große Rolle mehr.

Was war es für ein Gefühl, teil der Hi-Hat-Club-Reihe zu sein, die in Deutschland ja einen gewissen Stellenwert über die Beat-Nerd-Szene hinaus hat?

Das war eine gute Sache. Durch Leute wie die Betty Ford Boys (Brenk, Dexter und Suff Daddy Anm. d. Red.), die ja alle auch einen Hi-Hat-Club-Teil gemacht haben, hat sich die Beat-Sache erst als eigenständiges Ding in Deutschland herausgebildet. Es war für mich als Mensch und als Musiker deswegen wichtig, das zu machen und natürlich eine Ehre. Wobei es für mich als Mensch eigentlich egal sein sollte. Leider ist es auch eine Krönung fürs Ego, aber so was will man ja eigentlich nicht. Ich finde, das ist ein unangenehmes Gefühl und ich mag es auch nicht, wenn so viele Leute einem sagen, dass alles toll ist, was man macht. Mich motiviert es sogar mehr, wenn etwas richtig scheiße gefunden wird. Dann möchte ich es automatisch besser umsetzen und es entsteht ein Hunger, den ich mir sonst mühsam irgendwo anders suchen muss.

Welche deiner Produktionen magst du selbst am liebsten und warum?

Wahrscheinlich ist das auch der Hi-Hat-Club. Wenn ich diese abstrakten, psychedelischen Beats produziere, die die Platte dominieren, entstehen zuhause die schönen Momente. Man überrascht sich während des Prozesses des Produzierens selbst. Diese Momente wurden dann eingefangen und sind schließlich zu „Hyasynthus“ geworden. Solche Momente habe ich vor allem beim Beats bauen, beim Rappen dagegen eher nicht.

Auch dein Rap ist ziemlich abstrakt und philosophisch. Hast du nicht manchmal Angst davor, das vielen Leuten der Zugang zu solchen Texten fehlt und du so Hörer ausgrenzt?

Ich würde gar nicht sagen, dass ich jemanden ausgrenze. Da geht es doch vor allem um Geschmack oder? Man versteht die Sachen schon, die ich sage. Ich rappe ja nicht so, wie Adorno schreibt. Wobei es auch die Schuld der Leute ist,  wenn sie es nur, weil sie es nicht auf den ersten Blick verstehen ablehnen. Ich finde es immer schön, wenn ich Musik höre und mir dabei selbst noch was dazu denken kann. Dann bleibt noch ein bisschen Platz für mich selbst, weil ich ja auch Mensch bin und nicht nur konsumieren will. So versuche ich es dann auch in meinen Texten zu halten, ohne überall ein Ausrufezeichen an das Satzende zu setzen. Manchmal ist das, was ich erzähle natürlich auch nur Unsinn. (lacht)

Wie wichtig ist dir eigentlich das, was ein Rapper oder Sänger auf deine Beats sagt?

Ich gebe mit den Beats auch die Verantwortung ab. Dann sollen die Künstler machen, worauf sie Lust haben. Meistens finde ich es dann cool. Ich arbeite doch ohnehin nur mit Leuten zusammen, von denen ich etwas halte. Deswegen vertraue ich ihnen komplett.

An welchen Projekten arbeitest du gerade.

Ich habe schon vor längerer Zeit eine Platte zusammen mit Tufu gemacht, die bald rauskommen wird. Außerdem habe ich mit Sir Serch letztes Jahr ein Rapalbum aufgenommen, das noch erscheint. Ansonsten arbeite ich mit Loki immer weiter an neuen Luk&Fil-Tracks, und mein Gesangsprojekt führe ich auch kontinuierlich weiter. Und für Max Graefs Label Money $ex Records habe ich auch noch eine Platte produziert.

Money $ex Records  veröffentlichen ja vor allem samplelastige Housmusik. Viele Produzenten wie der Retrogott und Twit One machen im Moment neben HipHop- auch House Platten und du jetzt scheinbar auch. Wo liegt der Reiz am House?

Alle haben Spaß daran, und das ist doch das Schöne. Es ist etwas Schnelles und es kommt auch mal ein richtiger Groove dazu. Ich habe vorher noch nie versucht, die Geschwindigkeit meiner Beats mal etwas höher anzusetzen. Nachdem ich gesehen habe, dass es bei Hodini (Alter Ego von Hulk Hodn Anm. d. Red.) gut klingt, habe ich das auch ausprobiert, es Max Greaf geschickt und der fand’s direkt cool. Natürlich verkörpert House auch eine fröhlichere Stimmung als abstrakte Hip-Hop-Beats. Wobei das alles gar nicht so anders ist, als meine sonstigen Sachen und vielleicht auch gar kein richtiger House. Eher ein Knowsum-Album mit ein paar schnelleren Nummern.

Wie im HipHop gibt es auch im House eine große Remixkultur. Was würdest du gerne mal remixen?

Ich bin gar nicht so der Fan von Remixen. Bei mir passieren die geilsten Sachen immer dann, wenn ich einfach bei null anfange.

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Eigentlich wollte Johann gar nicht mehr so viel über HipHop schreiben, weil ihn mangelnde Qualität einiger gehypeter Alben und kindische Streitereien zu sehr auf die Nerven gehen. Doch über Probleme soll man bekanntlich reden. Jetzt schreibt er genau darüber eine Kolumne für BACKSPIN und auch weiterhin Meinungsartikel zu Musik. Ansonsten hängt er in Berlin rum, bricht Studiengänge ab, fängt neue an und schreibt als freier Autor unter anderem für Juice, Vice, taz. und Süddeutsche Zeitung.

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