ACHTVIER

Producer Spotlight: Just Blaze (aus BACKSPIN MAG #116)

Wie hast du mit dem Produzieren angefangen? Hattest du einen Mentor?

Nein, meine Mentoren waren das Radio und die Platten, die ich gehört habe. Seit meiner Kindheit spiele ich schon Keyboards. Es gibt auch keinen wirklichen Startzeitpunkt – Musik ist etwas, das ich schon immer gemacht habe.

Du bist aber auch seit frühen Jahren immer schon DJ gewesen. Inwieweit hat das dein Produzieren beeinflusst?

Der Grund, warum ich auflege, ist: Ich liebe meine Platten. Und meine Produktionen mache ich für DJs. Also, natürlich auch für alle anderen, aber besonders für DJs. Viele meiner Produktionen haben einen großen Build-up und dann einen großen Drop. Mit Absicht. Heute machen das ja nicht mehr so viele, aber als ich ein Kind war und Leuten wie Pete Rock oder Clark Kent auf 107.5 oder Chuck Chillout, Red Alert oder Marley Marl – die ganze 80er-Jahre-Mixshow-Ära – zuhörte, gab es immer Backspins mit den Anfängen der Platten. Ich produziere in diesem Stil. Ich habe das nicht bewusst gemacht, aber über die Jahre ist mir klar geworden, dass ich schon so produziere, dass DJs das cutten können. Deswegen platziere ich ja auch meinen Namen an derselben Stelle auf jedem Track direkt vor dem Drop, sodass man ihn 20-mal hören kann. (lacht) Das ist die Art, wie ich mich zur Marke mache.

Und das machst du nach wie vor?

Ja, wenn es sich anbietet.

Wir befinden uns hier bei dir im Studio und hier ist all dieses Equipment. Du hast ja auf einem ASR-10 angefangen. Hast du noch ein Lieblings- gerät?

Mein Lieblingsgerät sind meine Ohren. Wenn du die nicht hast, hast du gar nichts.

Hip-Hop war schon vor einer Dekade sehr produzentenorientiert. Wie siehst du die Rolle des Produzenten heutzutage?

Es ist noch mehr geprägt von Produzenten. Ich denke, Leute wie Puff, Pharrell, Pete Rock – man kann es wirklich zurückverfolgen. Leute wie Pete Rock und Premier standen ganz vorne, da sie Teil einer Gruppe waren. Jam Master Jay eher als DJ, nicht so als Produzent, obwohl er viel kreative Energie lieferte. Bei Gang Starr war es klar, dass Premo die Platten produzierte, bei Pete Rock & CL Smooth war es klar, dass Pete Rock produzierte. Bis dahin wurde der Produzent ja nur als Beatmaker angesehen. Dann kam Puff – er fasste keine Drum Machines an oder programmierte, er war mehr der Produzent im traditionellen Sinne. Er übermittelte die Vision. Dr. Dre natürlich auch. Dre ist wahrscheinlich der erste Superproduzent, der auch von der breiten Masse wahrgenommen wurde. Aber es hat wirklich bis zu der Ära von Pharrell, Kanye und mir selbst gedauert, bis sie einen Produzenten als eigenständigen Künstler angesehen hat – mit der Ausnahme von Dre. Wir sind genau- so Künstler wie die Künstler, die wir produzieren. In manchen Fällen wurde der Produzent sogar größer als der Künstler. Man kann sich an eine Tonne von Hits erinnern, die Pharrell für Künstler produziert hat, die heute nicht mehr da sind. Und er hatte gerade eines seiner größten Jahre. Es gibt also definitiv eine Entwicklung in der Rolle des Produzenten. Es ist großartig, und es gehört weit mehr zu einer Platte als die Person, die auf der Bühne steht.

Du hast mit den bekanntesten MCs in diesem Game gearbeitet. Schaust du auch aktiv selbst nach neuen Talenten?

Ich schaue nicht aktiv. Ich habe Leute, mit denen ich arbeite, die das machen. Meine Einstellung ist immer noch dieselbe und es ist egal, ob du ein neuer Künstler bist oder etabliert, ob du Geld hast oder nicht: Mag ich deine Musik? Das ist der entscheidende Faktor.

Woran arbeitest du gerade?

An Auftritten. Die letzten zwei Jahre habe ich auf vielen Festivals gespielt. Ich wollte eine Studio- pause machen, ich wollte raus. Es ist eine andere Art, auf Menschen zu reagieren. Du siehst einfach, was in den verschiedenen Teilen der Welt funktioniert, und so kommst du frisch ins Studio zurück und kannst die Musik auf ganz andere Weise wie- der angehen. Das einzige Projekt, was ich gerade aktiv betreue, ist das neue Slaughterhouse-Album für Eminem und Shady Records. Ansonsten toure ich und habe eine gute Zeit.

Wie stehst du heutzutage zum Thema Sampling?

Wenn du ein gutes Sample findest, benutze es. Ich sample nur in einem Fall nicht: wenn die Rechte praktisch nicht zu klären sind. Man möchte einfach nicht durch diesen Heartbreak gehen, wenn man einen tollen Beat hat und dann feststellt: Oh, die Rechte liegen bei den Beatles. Wobei, ich habe in der letzten Zeit Songs gesamplet, die Paul McCartney geschrieben hat, was ich normalerweise nicht machen würde, da er so groß ist. Ich wusste es aber nicht, bis der Song fertig war. Also haben wir versucht, das Sample zu klären und er liebte es es war kein Problem. Man kann also nie wissen.

Gibt es noch jemanden, mit dem du unbedingt arbeiten möchtest?

Nicht wirklich. Ich habe einfach Spaß gerade. Ich liebe immer noch das, was ich da tue. Aber ich bin jetzt an einem anderen Punkt in meiner Karriere, ich habe meinen Beitrag geleistet, habe mein Geld gemacht. Ich werde auch weiterhin beitragen und Geld machen, aber ich muss es nicht erzwingen. Für mich muss es einfach interessant sein und Spaß machen. Es geht nicht darum, wie viel Geld du hast.

Die Länge deiner Karriere ist beachtlich. Was ist dein Schlüssel zur Langlebigkeit?

Es sind zwei Sachen. Zum einen: Höre auf das, was gerade passiert. Sound verändert sich, da die Zeit sich verändert. Aber du kannst immer die Sounds nehmen und dein eigenes Ding daraus machen. Viele Produzenten kommen mit ihrem eigenen originalen Sound ins Spiel und dann passen die meisten sich an. Manche kommen ohne originalen Sound, aber finden ihren Sound. Wenn du deinen Sound gefunden hast, finde Mittel und Wege, deinen Sound im Jetzt zu behalten. Der andere Punkt ist: Do good business! Es gibt Zeiten, da habe ich drei Hits draußen, werde im Radio gespielt, toure auf der ganzen Welt. Und dann gibt es Zeiten, wo nichts geht. Aber dann kriege ich den Anruf: Hey, möchtest du Musik für den „Ice Age“- Film oder den neuen Sprite-Werbespot machen? Diese Anrufe kommen natürlich wegen meinem Talent und weil ich respektiert werde, aber ich habe auch immer gutes Business gemacht. So viele in diesem Geschäft haben ihr Ego als Antrieb und sie treffen Entscheidungen darauf basierend. Wenn man aber einigen Leuten falsch begegnet ist, werden sie nach einer Weile nicht mehr mit dir arbeiten wollen beziehungsweise es nur noch tun, wenn sie es müssen. Ich bin lieber der Typ, den du anrufst, weil du mit mir arbeiten willst. Wir schaffen ein gutes Endprodukt und es gibt keine Überheblichkeit. Ich werde dich nicht abziehen oder dir den Arm verdrehen, damit ich mehr Geld bekomme. Natürlich gibt es Situationen, wo es et- was haarig wird, aber am Ende des Tages bleibe ich dabei: Wenn du gutes Business machst, werden sich dir immer Möglichkeiten bieten. Das ist alles. Halte durch, verändere dich mit der Zeit und mache gutes Business – und Leute werden immer mit dir arbeiten wollen.

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