Producer Spotlight: Hudson Mohawke (aus BACKSPIN #117)

Nerdig ist ein gutes Stichwort: Dein Sound hat sich ja bereits seit deinen ganz frühen Anfängen, wie etwa deinem Tweet-Remix, durch einen gewissen Hang zur Nerdigkeit ausgezeichnet. Siehst du dich selbst als Nerd?

Schwer zu sagen. Das ist ja keine bewusste Entscheidung, die man trifft. So nach dem Motto: Yeah, ich bin jetzt ein Nerd. Cool! Ich experimentiere halt einfach gerne beim Musizieren. Ob das dann besonders nerdig ist oder nicht, lasse ich andere entscheiden. Ich will einfach, dass meine Produktionen mich am Ende des Tages so sehr zufriedenstellen, wie es eben gerade möglich ist. Klar steigere ich mich dann auch hin und wieder mal in Kleinigkeiten eventuell mehr rein als nötig. Wenn mich das dann zu einem Nerd macht, ist es eben so. Aber eigentlich habe ich immer nur versucht, meine Lieblingsproduzenten zu analysieren und ihre Arbeit auf meine Art und Weise neu zu interpretieren. Quasi die traditionelle Herangehensweise ins Jetzt zu übersetzen. Auf diesem Weg ist dann über die Jahre eben mein persönlicher, eventuell etwas nerdiger Sound entstanden.

Das neueste Kapitel deiner musikalischen Entwicklung ist nun dein aktuelles Album „Lantern“. Eine Laterne führt durch das Dunkel. Sie weist quasi den Weg. Hat der Titel einen metaphorischen Anschlag, oder sollte man ihn nicht überinterpretieren?

Jein. Einerseits will ich natürlich mit meinem Sound ein Vorreiter sein. Allerdings will ich jetzt auch nicht übertrieben auf Leader machen. Ich will ja nicht so tun, als ob mir jetzt alle folgen müssten, denn das wäre ja a) sehr langweilig und b) will ich auch nicht rüberkommen wie ein eingebildetes Arschloch. (lacht) Mein Hauptaugenmerk lag eigentlich auf einem schlüssigen Spannungsbogen. Das Album sollte ein 24-Stunden-Gefühl erzeugen. Wie ein musikalischer Tagesablauf sozusagen. Von morgens in Ruhe aufstehen bis abends ein wenig abdrehen wollte ich alles abdecken. Die Laterne sollte sozusagen den Anfang davon darstellen. Den Hörer aus der Dunkelheit der Nacht in den Morgen und somit in einen neuen Tag begleiten, um dann nachts wieder in der Dunkelheit zu münden.

Quasi wie ein Soundtrack zu einem konkreten Tagesablauf?

So kann man das ausdrücken, ja.

„Lantern“ klingt tatsächlich sehr orchestral und cineastisch. Fast wie der Soundtrack zu einem ganz speziellen Film. Siehst du dich in der Zukunft auch als Dienstleister in der Filmmusik?

Ja, auf jeden Fall! Allerdings sollte es, wenn mein Name draufsteht, auch einen gewissen künstlerischen Anspruch haben. Ich will damit jetzt nicht sagen, dass für mich nur Arthouse- Cinema-Produktionen infrage kommen. Aber in die Welt der Jennifer-Aniston-Romantik-Comedy passt mein Sound, denke ich, auch einfach nicht so besonders gut hinein. Ich denke da eher an Projekte wie „Rubber“ von Mr. Oizo zum Beispiel. Der hat einen Film gedreht und selbst vertont, in dem ein Reifen die Hauptrolle spielt. Der rollt dann durch die Wüste und bringt mit seiner Psycho-Power Dinge zum Explodieren etc. Richtig abgedreht! So etwas reizt mich aus künstlerischer Sicht natürlich immer. Ich habe allerdings auch, abgesehen von solchen Komplett-Projekten, schon das eine oder andere Mitwirken an Soundtracks in Aussicht. Ist aber alles noch zu geheim, um darüber zu reden.

Erzähl uns doch bitte zum Abschluss noch eine kleine Anekdote: Was ist der mit Abstand eigenartigste DJ-Auftrag, den du jemals erhalten hast?

Da habe ich etwas Gutes: Am nächsten Donnerstag lege ich bei einer Fitness-Veranstaltung auf. Da werden ganz viele von diesen Bikes aus dem Fitness-Studio nebeneinander aufgestellt. Und die Leute schwitzen sich dann da einen beim Strampeln ab, während ich auflege. Das wird bestimmt sehr grotesk, aber auch sehr lustig!

Interview: Janiv Koll

 

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