Funkvater Frank: „Das ist alles viel zu verrückt. Und es fängt gerade erst an.“

Seit nun knapp einem Jahr bringt uns das Tag Team OG Keemo und Funkvater Frank frischen neuen Sound aus Mannheim. Die Aufteilung dabei ist relativ leicht: Keemo ist zuständig für die Raps und Funkvater Frank für die Beats. Das Soundbild der beiden ist wahnsinnig innovativ und souverän. Beachtet man nun die kurze Zeit, die die beiden erst im Game sind, so kommt man nicht drum herum seinen Hut zu ziehen. Die Beats bauen sich aus klassichen Jazz und Funk Samples, gepaart mit aktuellen Soundeinflüssen auf. Doch um wen genau handelt es sich bei dem Beatproduzenten des neuesten Chimperator Signings? In dieser Ausgabe des Producer Spotlights haben wir uns mit Funkvater Frank unterhalten um ihn euch ein wenig besser vorzustellen. Dabei sprachen wir unter anderem über seine Beginne, Einflüsse, Arbeitsweisen und die Zusammenarbeit mit OG Keemo. 

Name: Funkvater Frank

Alter: 24

Produziert seit: 2015

Equipment: Vinyl + MPC 2000 XL + Logic

Lieblings Hip-Hop-Track: Madvillain – „Fancy Clown

Lieblings Non-Hip-Hop-Track: Grover Washington Jr. & Bill Withers – „Just The Two Of Us

Lieblings Hip-Hop Produzent: DJ Premier

Lieblings Non-Hip-Hop Produzent: Quincy Jones

Wie bist du zum Produzieren gekommen? Wer oder was hat dich dazu gebracht?

Ich war schon immer Musik Enthusiast und habe nebenbei Beats mit FL gebaut. 2010 habe ich dann das erste mal bewusst Hip-Hop aus den 80ern gehört und ich war geflasht. Nicht weil mich die Raps vom Hocker gehauen haben, sondern weil die Beats einfach härter geklungen haben als alles was ich vorher gehört habe. Als Kind das mit Lil Jon aufgewachsen ist, hab ich diese Einflüsse von Funk, Jazz und Rock erst gar nicht verstanden aber ich wollte es verstehen. Also hab ich mich schlau gemacht über die Geschichte von Hip-Hop, das Sampling und revolutionäre Produzenten aus den 80ern und 90ern. Mit meinem ersten Lehrgehalt hab ich mir dann ein MPC 2000 XL gekauft und mit Keemo angefangen kleine Sessions aus Spaß zu machen. Er hat gerappt, ich hatte mein MPC und einen CD-Player dabei, von dem ich gesampelt habe. Mein Opa hat uns damals eine Booth in seinem Haus im Kleintierzuchtverein gebaut. Die haben wir leider nie benutzt, aber dort hat das Ganze angefangen Form anzunehmen.

Welche Rolle spielt Sampling bei deiner Produktion? Und wie suchst du deine Samples aus? Klassisch Vinyl-Diggen oder auch bei Youtube, Spotify oder anderen Seiten?

Was mich am meisten reizt am Sampling ist das Suchen nach dem richtigen Sample. Ich liebe es stundenlang im Plattenladen zu stehen und verschiedenste Musik zu hören: Sachen, von denen ich nicht mal wusste, dass sie existieren. Deshalb verstehe ich diese ganze Youtube-Sample Geschichte nicht, aber ich respektiere das trotzdem weil der Spirit im Prinzip der Selbe ist. Für mich ist Sampling das A und O in jeder meiner Produktionen. Ich war nie der Fan von eintönigen selbst eingespielten Melodien, deshalb hab ich mich daran auch nie probiert. Finde es immer spannend zu testen wie abstrakt ich das Sample vom Original abwandeln kann. Genau das hat mich auch schon immer am Sampling fasziniert. Ich habe schon bevor ich selbst wirklich Beats gebaut habe, akribisch nach bereits benutzten Samples gesucht und dabei auch die Liebe zu Musik aus vergangenen Generationen entdeckt.

Was sind deine größten Einflüsse und Inspirationen? 

In erster Linie sind das Einflüsse aus der Boom-Bap Zeit. Ich habe sehr viele Sample-Techniken von DJ Premier und Pete Rock abgeschaut, Sample-Bearbeitung und Drum-Layering eher von Dilla, MF Doom und Madlib. Was den Mix angeht, bin ich auch immer noch krass in den 80ern. Arbeite immer gern mit unrealistisch viel Hall und verzerrten Drums. Hört euch mal von Schoolly D – „PSK – what does it mean?“ an, glaube dann versteht man eher was ich meine. Das ist auch einer der Songs, die mich heftig geprägt haben.

Hast du über die Jahre bestimmte Routinen oder Rituale entwickelt, die du immer anwendest, wenn du Musik machst? 

Ja, das Pitchen. Ich pitche alles und zwar wirklich restlos alles. Ich pitche erst am Plattenspieler, dann in meiner MPC, dann nochmal in der DAW und am Ende noch das ganze Projekt. Die Beats von Neptun sind alle mindestens nochmal fünf Prozent langsamer als sie im Original waren, bevor Keemo sie berappt hat. Versuche mir das aber langsam abzugewöhnen, weil es alles schnell ziemlich „dumpf“ klingen lässt aber komplett ablegen werde ich das wohl nie.

Produzierst du lieber im Team oder alleine?

Definitiv alleine. Ich arbeite immer gern mit anderen Produzenten weil es mich unheimlich inspiriert und mich krass motiviert (s/o an Cycris Visyn, Maru & Skoolboy), aber am Ende des Tages sitze ich doch lieber alleine im dunklen Zimmer an meiner MPC und schicke Keemo alle fünf Minuten eine Sprachnotiz rüber. (lacht)

Wie lange arbeitest du schon mit OG Keemo zusammen und wie kam der Kontakt zustande? 

Ich kenne Keemo schon seitdem wir 13 oder 14 waren. Er kommt aus meinem Nachbarort und da haben sich die Wege gekreuzt. Damals habe ich noch gerappt und er wollte einen Song mit mir aufnehmen. Das haben wir dann auch getan und ich bin froh, dass dieser Song nirgends mehr existiert. (lacht) Er ist dann zurück nach Mainz gezogen und der Kontakt ist abgebrochen. Wir haben immer mal wieder geschrieben und ich hab ihm Beats gezeigt, die ich auf Soundclick gefunden habe. Als ich 2012 meine Ausbildung angefangen habe, ist Keemo wieder nach Mannheim gezogen und wir haben wieder angefangen rumzuhängen und ich meinte zu ihm: „Ey, ich mach jetzt Beats dies das“ und ich wusste das er dat boi ist, was Raptexte angeht. Er hat die Beats gefühlt – zu der Zeit noch mieser Boom-Bap – und dann haben wir angefangen Sessions zu machen.

Du bist musikalisch momentan noch sehr in Mannheim und Umgebung verwurzelt. Könntest du dir auch vorstellen mit Künstlern außerhalb deines momentanen Dunstkreises zusammen zu arbeiten?

Ich komme von hier, aber selbst hier haben mich die Leute erst seit Neptun auf dem Schirm. Aus dem einfachen Grund, dass vorher kein Beat mein Macbook verlassen hat. Ich hab das nie für die „breite Masse“ gemacht sondern für mich ohne das Ziel Profit daraus zu schlagen. Seit „Neptun“ und Chimperator ist viel passiert, wir haben viele Kontakte geknüpft. Es kommen viele Sachen dieses Jahr die sich weit „außerhalb meines momentanen Dunstkreises“ abspielen. Man darf also gespannt bleiben. Beatpakete schicke ich trotzdem nicht rum. (lacht)

Wie hoch schätzt du den Respekt und die Dankbarkeit ein, die hierzulande Producern entgegengebracht wird?

Also ich denke ich persönlich kann mich da glücklich schätzen mit Keemo gleichauf gestellt zu sein. Wir sind ein Team und jedes musikalische Projekt machen wir zusammen. Ein OG Keemo Song ist ein Funkvater Frank Song und ein Funkvater Frank Beat ist ein OG Keemo Beat. Bei anderen Produzenten sieht das schon wieder anders aus. Wenn ich mir überlege, dass manche Jungs Beatpakete von 30 Beats an Rapper XY schicken, dieser Rapper pickt dann vielleicht einen Beat und verliert nicht mal ein Wort über den Produzenten, geschweige denn bezahlt ihn, dann macht mich das schon wütend. Wo sind die Pete Rocks, DJ Premiers, RZAs, Madlibs, Dooms und co? Produzenten von Heute haben keinen Charakter mehr, weil ihnen gar keine Plattform mehr geboten wird. Du liest immer wieder Namen von Beatproduzenten aber niemand kennt das Gesicht dahinter. Das ist schade, da sie denselben Teil zu dem fertigen Song beitragen als der Interpret selbst.

Wie siehst du die bisherige Resonanz auf euch und eure Musik im Rapgame?

Die Resonanz ist sehr gut. Die Leute spüren den frischen Wind und haben Bock. Keemo und ich saßen vor nicht mal einem Jahr noch bei ihm im Keller und haben den Scheiß einfach für uns gemacht. Jetzt schreiben Hip-Hop Magazine Beiträge über uns und wollen wissen was noch so geht. S/O Backspin. (lacht) Nein aber im ernst. Keiner kann in Worte fassen wie absurd das alles für uns ist. Chimperator, Neptun, Liveauftritte, Fans. Das ist alles viel zu verrückt. Und es fängt gerade erst an.

Wie sieht dein Ausblick für 2018 aus?

Sonnig.

Die Instagramseite von Funkvater Frank findet ihr hier.

Die Facebookseite von OG Keemo findet ihr hier.

Den BACKSPIN Artikel zu den heißesten Newcomern 2018 findet ihr hier.

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1 Comment

  1. OG Chemooo

    16. Februar 2018 at 12:12

    Ihr postet auf Twitter das dieser Seppel zu den “heißesten Newcomern“ gehört und ganzen 8 Menschen gefällt das weil ihn einfach niemand kennt und seine Lyrics austauschbar sind wie 99% der Opferrapper heutzutage. Wenn sich da mal der Redakteur und der Rapper nicht etwas vormachen…Lächerlich der ganze Artikel.

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