Producer Spotlight: Fredwreck (aus der BACKSPIN MAG #111)

Farid Karam Nassar, besser bekannt als Fredwreck, ist seit über 15 Jahren als Produzent aktiv und war maßgeblich an der zweiten Hochphase des West-Coast-Hip-Hop Anfang der 2000er beteiligt. Nachdem er schon einige Jahre in Los Angeles’ Untergrund produzierte, ging alles plötzlich ganz schnell für ihn. Ende der 90er hieß sein Mitbewohner Alvin Joiner – besser bekannt als Xzibit. Durch X lernte er damals Soopafly kennen, der Freds Beats zu Snoop Dogg brachte. Dieser brachte ihn schließlich ins Dogghouse und vertrat ihn auf seinen eigenen Alben, sowie bei Tha Eastsidaz, Bad Azz, Kurupt, Doggy’s Angels usw..Parallel war Dr. Dre ebenfalls auf Fredwreck aufmerksam geworden und spannte ihn ein ins legendäre „2001“-Team, mit dem er seinerzeit an eben jenem Klassiker arbeitete. Nach der legendären „Up In Smoke“-Tour startete Fredwreck durch und produzierte Hits nicht nur für Hip-Hop-Größen wie die Westside Connection, Cypress Hill,Xzibit, Mobb Deep oder Kurupt (Fred ist verantwortlich für das gesamte „Space Boogie“-Album), sondern auch für Popstars wie Britney Spears und Hilary Duff. Nach ein paar Jahren musikalischer Pause, die er in Dubai verbrachte, und in denen Fred maßgeblich am Hochkommen von MTV Arabia beteiligt war, meldete sich Fred 2012 zurück. Mit BACKSPIN sprach der Kalifornier palästinensischer Abstammung über seine Anfänge, Produktionsabläufe, technologische Entwicklung, kommende Projekte sowie seiner Meinung zu Snoop Lion.

Fred, wie bist du zum Produzieren gekommen? Wer hat dich dazu gebracht?

Ich glaube, ich habe circa 1988-89 angefangen zu produzieren. Ich ging zu der Zeit zur High School und habe nebenbei als DJ gearbeitet. Zu der Zeit fing ich an, Beats zu basteln und Leute aufzunehmen, Tontechnik zu lernen, die Tapemaschine zu bedienen und so weiter. Zum Produzieren gehörte damals sehr viel mehr, als nur eine Drum-Maschine anzuschmeißen. Mein größter Einfluss ist zweifellos Dr. Dre. Ich habe seine Karriere verfolgt – von der World Class Wreckin Cru bis hin zu N.W.A., und er war der erste, bei dem ich dachte, wow, ich will genau solche Beats machen wie er! Weitere große Einflüsse waren Mantronix, Hank Shocklee & The Bomb Squad sowie Marley Marl. Diese vier Künstler bzw. Gruppen haben mich inspiriert, Musik zu machen, jeder auf seine eigenen Art und Weise.

Wie würdest du deinen Style beschreiben? Du bist ein West Coast Produzent palästinensischer Abstammung, inwieweit haben deine arabischen Wurzeln deine Musik beeinflusst?

Dadurch, dass ich mit vielen verschiedenen Musikrichtungen aufgewachsen bin und durch die arabische Musik viele Instrumente kannte, die in den USA weniger bekannt sind, hatte ich immer einen sehr breit gefächerten Musikgeschmack. Ich experimentiere gerne mit unüblichen Instrumenten, um neue Sounds zu schaffen. Ich begrenze mich nicht nur auf Gitarre, Bass und Drums. Ich nenne das ganze „World Sounds“, Inspiration kann von überall kommen.

Glaubst du, dass dein Equipment eine große Rolle dabei spielt, wie deine Beats klingen?

Es ist zwar wichtig und vorteilhaft, hochqualitatives Equipment zu haben, aber niemals notwendig. Wenn man Musik historisch betrachtet, haben oftmals Menschen mit dem billigsten Equipment zeitlose Musik geschaffen. Wenn man ein wahrer elektronischer Produzent ist, und sich für die Kunst elektronischer Musik interessiert, dann verbringt man viel Zeit damit, sich mit Tools und Plugins zu beschäftigen. Aber als wir angefangen haben, hatten wir keine Kohle, um die großen Studios zu mieten, dafür waren Budgets von den Labels nötig, so etwas konnte mehrere Tausend Dollar für eine Session kosten. Ein Track fertigzustellen konnte Tage dauern, da man eine Tapemaschine hatte, die nur eine begrenzte Anzahl an Spuren zur Verfügung hatte. Aber man hat trotz dieser Einschränkungen Wege gefunden, der Kreativität freien Lauf zu lassen. Allein eine Drum-Maschine und ein Keyboard zu besitzen, war damals schon besonders, heutzutage hat man alles auf dem Laptop. Aber so ist einfach die Entwicklung.

Wer sich schon länger für Musik begeistert, hadert ja manchmal mit der Entwicklung und bleibt auf einer Epoche hängen…

Als damals elektronische Musik angefangen hat, haben sich alle Bandmusiker aufgeregt, dass der Klang nicht richtig wäre und es sich nicht richtig anhören würde. Aber unsere Generation mochte es! Heutzutage hören sich die OGs neuere Musik an und jammern „Ach, das hört sich an, als hätten sie es auf einem Laptop gemacht!“ Ja, haben sie, aber es gibt eine neue Generation von Hörern denen es gefällt! Ich bin down mit jedem, der Musik erschafft, egal, mit was für einem Equipment. Ich habe über die Jahre alles erlebt, z.B. mein Partner Joe Quixx, der ein riesiger persönlicher Einfluss für mich war, hat seine Musik früher auf einem billigen Casio-Sampler mit einer angeschlossenen Boss Drum-Maschine gemacht – und er hat damals die derbsten Sachen geschraubt! Also, es hilft gutes Equipment zu haben, aber das wichtigste Element ist die musikalische Kreativität.

Wie haben sich deine Produktionen im Laufe der Zeit weiterentwickelt? Gibt es bestimmte Routinen, die du immer machst, wenn du einen Beat baust?

Ich habe keine Routine. Und ich habe stets da- rauf geachtet, keine zu haben. Jedes Mal wenn ich ins Studio gehe, versuche ich, etwas Neues zu schaffen und nicht dasselbe zweimal zu machen. Ich mag es, mich selbst herauszufordern. An manche Tagen höre ich vielleicht nur verschiedene Songs zur Inspiration, und am nächsten Tag bastle ich vielleicht an verschiedenen Drumkits, einen Tag spiele ich vielleicht einfach nur Gitarre und experimentiere mit verschiedenen Sounds und Plugins. Und am nächsten Tag bündel‘ ich diese ganzen Elemente zusammen und produziere Tracks. Ich habe verschiedene Kreativitätsphasen, ob ich mit den Drums anfange oder den Chords, ist unterschiedlich. Ich habe zwar einige Signatursounds, an denen man mich erkennt, aber ich versuche, damit sparsam umzugehen.

Du warst über die Jahre an verschiedenen Ären beteiligt. Hast du eine Lieblingsphase, an der du beteiligt warst, oder wo deine Lieblingsproduktionen geschaffen wurden?

Ich habe nicht wirklich eine Lieblingszeit. Ich verbinde mit verschiedenen Zeiten verschiedene Erinnerungen. Natürlich sind die ersten Zeiten die aufregendsten – alles ist noch neu und ich hatte die Ehre, mit meinen Idolen zusammenzuarbeiten. Aber ich kann da nicht eine bestimmte Zeit auswählen, es wäre als würde man fragen, welches seiner Babys man am liebsten hat. Man liebt sie alle auf ihre eigene Art und Weise.

Wie wichtig ist es dir eigentlich, was die Rapper oder Sänger auf deinen Beats sagen?

Einige Produzenten sind da sehr kompliziert, aber ich selbst bin es nicht. Künstler drücken ihre Gefühle und Emotionen auf meiner Musik aus, und wer bin ich, um ihnen vorschreiben zu wollen, was sie fühlen oder ausdrücken möchten? Das wäre, als ob ein Rapper mir vorschreiben würde, wie ich meine Beats bauen soll. Ich glaube, ich musste da noch nie einschreiten. Wenn ich meine Meinung einbringe, dann eher, weil ich eine Idee habe, um den Song zu bereichern, nicht weil ich nicht einverstanden war mit dem Inhalt. Manchmal gibt ein Song mir ein bestimmtes Feeling, oder ich stelle mir einen bestimmten Flow vor, und so was bringe ich gerne mal ein, als kreative Idee. Genauso mag ich es, von Künstlern zu hören, wenn sie eine bestimmte Idee haben für eine Produktion. Einen Song zu schaffen, ist wie eine Beziehung zwischen Künstler und Produzent, und es wäre falsch, dem anderen da eine Richtung vorzuschreiben.

Woran arbeitest du gerade? Was kommt Neues von dir?

Ich habe gerade die neue Ice Cube Single von seinem neuen Album produziert. Der Track heißt „Everything Corrupt“, und auf dem Album sind noch ein paar andere Tracks von mir. Ich habe einen Track für Tech N9nes neues Album gemacht, über den kann ich noch nicht so viel verraten, aber er wird bombe sein. Sonst habe ich was auf Dizzee Rascals neuem Album, ei- ner der Tracks ist auf seinem neuen Mixtape vertreten. DJ Muggs und ich arbeiten an einem gemeinsamen Projekt, und darüber hinaus arbeiten Kurupt und ich immer an neuer Musik sowie an einem neuen Film. Ansonsten wird ein großes Projekt für 2013 das Nate-Dogg-Album mit unveröffentlichten Titeln. Wir bereiten uns gerade darauf vor, seine Archive zu durchforsten, seine Mutter Ruth stellt uns die Songs zur Verfügung. Ich bin sehr gespannt darauf, mich da dranzusetzen, da er ein enger Freund von mir war und er viel zeitlose Musik hinterlassen hat.

Welche anderen Musikstile reizen dich und warum? Ist Rap eine eher limitierte Musikrichtung?

Ich höre von allem etwas, ohne Witz! Arabische Musik, Soulmusik, Elektromusik, Hip-Hop – alles! Ich lasse mich von allem inspirieren, da gibt es nicht eine bestimmte Richtung. Vielleicht höre ich ein paar Wochen lang nur Reggae und danach wieder Marvin Gaye oder Michael Jackson oder Georgio Moroder, je nachdem, wonach ich mich fühle.

Da du gerade Reggae erwähnst – was hältst du von Snoops neuem Projekt als Snoop Lion?

Du hast ja über die Jahre viel mit ihm gemacht… Ich freue mich drauf! Ich meine, er ist Snoop Dogg, er kann machen worauf auch immer er Lust hat. Er findet immer neue Wege, etwas Neues auszuprobieren, und darum geht es doch im Leben. Er war auch der erste Rapper, der einen Country-Song mit Willy Nelson gemacht hat, Snoop ist eine Ikone, die Grenzen überschreitet. Man muss sich die Sachen anhören für das, was sie sind, und den Künstler dafür respektieren. Marvin Gaye hat sein ganzes Leben Liebeslieder gemacht, und dann hat er plötzlich angefangen, politische Themen anzusprechen – das hat vielen auch nicht gepasst. Snoop hat ein Leben lang Gangsta-Rap gemacht, und jetzt hat er Bock auf Reggae. Es bringt nichts, Snoop Lion zu hören, und es mit „Doggystyle“ zu vergleichen. Das ist als ob man sagen würde, man mochte die Beatles als sie „I Wanna Hold Your Hand“ gemacht haben, aber nicht mehr, als sie „Sgt. Pepper’s“ machten. Snoop macht momentan sein „Sergeant Pepper’s“, und das hat er sich allemal verdient.

Noch eine letzte Frage: Man hörte, dass du in letzter Zeit öfter mal nach Detroit geflogen bist zum Arbeiten. Wird es etwa etwas von dir und Eminem geben?

Darüber kann ich jetzt noch nicht reden, aber wenn alles gut geht, werdet ihr bald mehr erfahren.

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