Producer Spotlight: Exile (aus BACKSPIN #115)

Name:  Aleksander Manfredi
Age:  37
Residence: Los Angeles
Produced since: 1995
Equipment: MPC2000
Favorite Breaks: „Gangster Boogie“

Favorite Hip-Hop Songs: Arabian Prince – „She Gotta a Big Posse“, DJ Battery Brain – „8 Volt Mix“, Maggo- tron Crushing Crew – „Fresh Beets“, Fat Boys – „Jail House Rap“

Favorite Hip-Hop Producers: Maggotron

Favorite Non Hip-Hop Songs: Weird Al Yankovic – „Eat It“

Favorite Non Hip-Hop Producers: Roger Troutman
Latest Productions: Snoop Doog & Wiz Khalifa – „You Can Put It in a Zag, But I’mma Put It in a Blunt“, Dag Savage – „E&J“, Choosey – „Moon“

Exile, wie bist du zum Produzieren gekommen? Wer oder was hat dich dazu gebracht?

Als ich klein war, zeigte mir mein Großvater, wie man Akkordeon spielt. Das waren meine ersten Erfahrungen mit Musik. Das Interesse für Hip-Hop zündete LL Cool J. Dann hörte ich die Autos die Straßen runterfahren und aus ihren Boxen dröhnte es: „Boom! Boom! Boom!“ Ich hatte solchen Sound vorher noch nie gehört. Dann erfuhr ich, dass das Hip-Hop

war, und so lernte ich Too Short und die 2 Live Crew kennen. Die 2 Live Crew war für mich definitiv eine große Inspiration. Als ich in der sechsten Klasse war, begann es mit diesem Nasty-Rap, und ich dachte nur „Oh Shit“ und war angeflxt. Ich hörte außerdem Sachen von Mister Mix, ich liebte seine DJ-Songs und den Bass in seiner Musik. Ich fing gerade mit dem Scratchen an, als Rodney-O & Joe Cooley mit ihren Synthesizer-Scratches ankamen.

Damals war mein Tapedeck die Basis, ein Radio stand daneben und oben drauf so etwas Ähnliches wie ein Turntable. Ich hielt den „Tape“-Button ge- drückt und betätigte zudem den „Phono“-Button. Die Scratches, die dabei entstanden, klangen un- gefähr so: „Ahh ahh ahh ahhhhh.“ So lernte ich das Scratchen. Ab diesem Zeitpunkt fing ich an, Tapes zu erstellen, Loops mit zwei Tapedecks und einem Turntable zu kreieren und ich besorgte mir eine Vierspur-Maschine. Naja, inspiriert wurde ich demnach von der 2 Live Crew, Rodney-O & Joe Cooley, Madlib, J Dilla. Die Inspiration wächst auch mit neuen Künstlern und meinem immer weiter wachsenden Musikgeschmack.

Wie würdest du deinen Style beschreiben, und hat er sich über die Jahre verändert?


Meine Musik ist definitiv raw, aber ich gehe auch in andere Richtungen. Ich war Teil der Rap-Crew Emanon, wir produzierten neben dem Raw-Shit auch Soulful-Shit. Dann fing ich an, meine Musik professionell im Studio zu produzieren und per- formte live mit meiner MPC. Ich experimentierte viel. So auch auf meinem „Radio“-Album, wo ich einen Haufen Krams aus dem Radio hier in Los Angeles sampelte. Von dem puren Rauschen über die Frequenzgeräusche bis hin zu den Snares und den Basslines – es war alles dabei. Ich machte Musik mit Fashawn, recordete zusammen mit Dag Savage und machte das Album mit Blu. All diese Rapper, mit denen ich zusammengearbeitet habe, halfen mir, meinen Sound zu verbessern. Ich liebe zwar immer noch diesen Raw-Sound und bleibe ihm treu, aber ich mag es auch, zu experimentieren. Ich experimentiere live schon mal mit Trap oder elektronischer Musik, aber ich weiß immer, was meine Leute hören wollen, und das will ich ihnen auch bieten.

Wie wichtig ist das Equipment bei deiner Beatproduktion?

Das Equipment ist überhaupt nicht wichtig! Es kommt nicht darauf an, was du an Geräten hast, sondern auf das, was du selber drauf hast. Heutzutage gibt es so viele verschiedene Geräte, doch die Hauptsache ist, wie du sie bedienst! Es gibt Bands, die machen den tightesten Shit in ihrer Garage und wenn du etwas live machst, machst du es live, verstehst du, was ich meine?

Wie haben sich deine Produktionen im Laufe der Zeit weiterentwickelt? Gibt es bestimmte Routinen, die du einhältst, wenn du einen Beat baust?

Alles hat mit diesem Electro-Zeug angefangen und mit dem exakten Quantisieren von Beats – mal schneller, mal langsamer. Dann kamen die Drum- Kits ins Spiel, die Layer, Samples und schlussendlich die Drum-Breaks, die den Sound noch deutlicher quantisieren, sodass die Drums richtig hart klingen. Dann nimmst du die Drums, entfernst die Quantisierung und erschaffst deine eigenen

Breaks aus diesen Drums und lässt sie organischer klingen. Das Programmieren ist verrückter geworden, auch mit dieser Trap-Mucke und dem ganzen Scheiß. Eigentlich liebe ich Trap auch wegen diesen Crazy-Ass-Drum-Patterns und dem anderen verrückten Zeug, was da passiert. Es ist einfach witzig, wie es jetzt alles dazugehört und wie es in meine Arbeit mit einfließt. Ich glaube, die Hörer wollen mehr Live-MPC-Aktion und generell mehr Musik live hören.

Wie wichtig ist es dir eigentlich, was ein Rapper oder Sänger auf deinen Beats sagt?

Es ist mir sehr wichtig! Ich bin äußerst empfindlich, was Worte betrifft. Ein Rapper kann ohne einen Beat nichts erzählen, von daher finde ich es nicht verwerflich, wenn ein Produzent seine Ideen auch mit einbringt.

„Ein Rapper kann ohne einen Beat nichts erzählen, von daher finde ich es nicht verwerflich, wenn ein Produzent seine Ideen auch mit einbringt.“

Wie siehst du den Hip-Hop heutzutage?

Ich finde den Hip-Hop zurzeit ziemlich vielfältig. Die Frage ist, ob er die Anerkennung bekommt, die er verdient. Diese Frage muss ich leider mit nein beantworten, denn es gibt eine Menge dopen Scheiß, den man da draußen finden kann. Es sei denn, ihr habt ein wackes Ohr, ihr solltet kein wackes Ohr haben!

Woran arbeitest du gerade? Was kommt Neues von dir?

Ich habe gerade das Dag-Savage-Album veröffentlicht. Bei dem „Cult Classic“-Album von Denmark Vessey & Scud One habe ich ein bisschen Vorproduktion geleistet. Ich steuerte ein Paar 808s und Scratches dazu. Zudem habe ich gerade das Mixtape mit Aloe Blacc von Emanon fertiggestellt. Aloe Blacc rappt verflucht hart. Mein Homie Choosey alias Ch zu dem Oosey und ich sind da- bei, unser Mixtape „The Left eld“ klarzumachen, und Denmark Vessey arbeitet mit mir an einem weiteren Tonträger. Blu und ich sind mit dem „Dirty Science“-Album fertig geworden. Also eigentlich mache ich mein Ding und lasse die Eier baumeln. Dingalingaling.

Wenn du heute einen Remix machen dürftest, ob Hip-Hop oder nicht, welchen Titel würdest du wählen?

Ich würde „Rappin’ Duke“ remixen. Biggie hat eine Line über „Rappin’ Duke“ in „Juicy“: „Remember Rappin’ Duke? Duh-ha, duh-ha, you never thought that Hip-Hop would take it this far.“

Ist Rap in deinen Augen eine eher limitierte Musikrichtung?

Die Leute, die Hip-Hop machen, schränken sich vielleicht selber ein, denn Hip-Hop kennt eigentlich keine Grenzen. Du hast im Prinzip die Freiheit, alles zu machen, und ich bin das beste Beispiel dafür mit meinem MPC-Krams. Ich höre alles Mögliche. Ich mag New Wave, Jazz, Folk, House und fucking Reggae. Es ist gar nicht so leicht, sich für eine Richtung zu entscheiden, aber wenn ich müsste, würde ich Folk sagen. Im Grunde genommen ist Folk die Basis für Hip-Hop. Im Hip-Hop sprichst du über dein Leben und darüber, wie hart alles ist. Oder du rappst einfach über fette Bräute. Genauso ist es in der Folk-Musik, du kannst einen Song darüber machen, wie dein Leben verläuft, oder du singst über ein Hühnchen, das die Straße runterläuft. Es kann witzig oder sogar politisch sein. Du sitzt auf deiner Veranda und singst, jemand kickt einen Rap und freestylet die ganze Nacht über Government Cheese. Ich würde gerade gerne Government Cheese essen, deshalb an dieser Stelle ein Shout- out an Government Cheese.

Wir würdest du den Style auf „E&J“, dem aktuellen Album von dir und Johaz alias Dag Savage, beschreiben?

Es ist Soulful-Hip-Hop, gleichzeitig aber auch Raw-Hip-Hop. Ich denke, das, was den Sound so besonders macht, sind die Raps von Johaz und die Energie, die er reinbringt. Blu ist ein smoother Rapper und Johaz eher der In-your-Face-Rapper. Im Prinzip mache ich nur mein Ding mit meinen Beats, insbesondere auf diesem Album. Es ist tra- ditioneller Hip-Hop, in dem ich versuche, den pas- senden Sound zu Johaz Charakter und seiner See- le zu kreieren, damit er über sein Leben und seine Ansichten vom Leben sprechen kann und damit sein Talent optimal zum Vorschein kommt. So kann er am Mic ausflippen und seinen Headbanger-Shit am besten zum Ausdruck bringen. Blu ist der Shit, aber Johaz könnte einem schlechten Erzähler den Kopf abbeißen, so wie der verfluchte Ozzy Osbour- ne. Gleichzeitig kann er aber auch gefühlvoll wie eine Katze sein, das macht ihn so besonders.

Was war dein bisher größter Erfolg für dich persönlich?

Mehr als nur ein Album zusammen mit meinen Freunden recordet zu haben, und zudem noch erfolgreich gewesen zu sein. Dass wir gemeinsam aufgetreten sind und die Leute unsere Texte kannten und mitgerappt haben. Diese Menschen fröhlich gemacht und inspiriert zu haben, war mein größter Erfolg. Das war das ultimative Highlight. B

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