Producer Spotlight – El RTNC

Er ist der Produzent von einem der vielversprechendsten, aufstrebenden Lyricists aus den Staaten und arbeitete in der Vergangenheit mit Größen wie De La Soul und Yasiin Bey aka. Mos Def zusammen. Er produzierte die erste Singleauskopplung vom bald erscheinenden, neuen Prodigy (of Mobb Deep) Album. Bisher hielt El RTNC sich in der Öffentlichkeit eher bedeckt, für BACKSPIN gab er jetzt aber ein ebenso ausführliches wie interessantes Interview über seinen Werdegang und seine Vorbilder, seine Einstellung zum Hip-Hop und Vorlieben beim Producing.

El RTNC & Your Old DroogEl RTNC (links) mit Your Old Droog (rechts)


Wie bist du zum Produzieren gekommen? Wer hat dich dazu gebracht?

Ich erinnere mich an meine Zeit auf dem Gymnasium. Damals schallte Slick Rick & Doug E Fresh „La Di Da Di“ & „The Show“ aus vorbeifahrenden Autos und ich liebte es. Aber ans Produzieren dachte ich nicht, bis ich durch die Kanäle im Fernsehen zappte und das Video zu Gang Starrs „Who Gonna Take The Weight“ in der legendären Video Music Box-Show sah. Das war der Moment, in dem ich mir sagte: „Das ist es, was ich machen möchte!“ Erst viele Jahre später bat ich meine Leute um DJ-Equipment. Nochmal ein paar Jahre später kam dann das Gefühl zurück, das ich hatte, als ich das Video zum ersten Mal sah und so besorgte ich mir einen billigen Sampler (ein Roland-Modell), sparte etwas Geld, verkauft Mixtapes, etc … und bekam die Ausrüstung, die ich auf der Rückseite von Pete Rock & CL Smooths „The Main Ingredient“ Cover sah. Das erstaunliche Duo aus SP1200 & S950. Ich hatte noch keine Ahnung von der Ausrüstung zu dieser Zeit. Lediglich hatte ich ich einen Blick „hinter die Kulissen“ von einem meiner Lieblingsproduzenten geworfen und orientierte mich an dem, was ich dort sah. So viele große Aufnahmen wurden von Pete zu der Zeit produziert, also verdammt richtig, ich wollte auch diese Tools.
Da ich mir selbst beibrachte, wie man die Geräte benutzt, dauerte es eine Weile für mich, sie in Gang zu bringen. In einer Art und Weise hatte ich aber auch Glück, denn die SP1200 ist ziemlich benutzerfreundlich.
Es war wahrscheinlich 2 Jahre danach, dass ich
L Fudge über eine WNYU Hip-Hop Show traf. Dadurch Verbunden, dass wir aus der gleichen Nachbarschaft kamen und zu wissen, dass er rappte und ich Equipment hatte, haben wir dann begonnen, Songs zu schreiben. Als er seinen Rawkus Deal bekam, zog er mich mit und gab mir meinen ersten Production-Credit für „Show Me Your Gratitude“. Danke Fudge.

Wie würdest du deinen Style beschreiben und hat er sich über die Jahre verändert?

Ich sehe mich irgendwie nicht nur als Produzenten, sondern als Forscher und Designer. So haben sich meine Methoden von vor Jahren zwar entwickelt, manchmal ist es aber auch eine Entwicklung in Richtung der Einfachheit. Früher habe ich viel mehr Layering eingesetzt und tue dies immer noch auf einigen (bis jetzt noch ungehörten) Dingern. Viele meiner Produktionen aus den letzten Jahren waren aber auch „blanke Knochen“. Sehr striped down. In letzter Zeit war es: Ich gehe diggen, ich choppe, ich arrangiere und ich bin fertig.

„Manchmal zwingen Einschränkungen dich dazu, kreativer zu denken.“

Glaubst du, dass dein Equipment eine große Rolle dabei spielt, wie deine Beats klingen?

Welches Equipment man benutzt, spielt überhaupt keine Rolle. Es ist ziemlich interessant, dass die neue Software dir zwar ermöglicht, alles zu tun was du dir nur vorstellen kannst und dir Zugriff auf alle Sounds, Filter, etc. gibt, unter Umständen aber trotzdem dafür sorgt, dass deine Arbeit verkümmert, weil einfach ein Überangebot an Möglichkeiten besteht. Manchmal zwingen Einschränkungen dich dazu, kreativer zu denken. Ich glaube, die Leute werden von dem angezogen, was sich gut anfühlt. Sei es durch eine alte SP1200, die Software auf einem Mac oder einem Drum-Set: Die Stücke, die Seele und den Funk in sich tragen werden herausstechen.

Wie haben sich deine Produktionen im Laufe der Zeit weiterentwickelt? Gibt es bestimmte Routinen, die du immer machst, wenn du einen Beat baust?

Beats zu machen ist eine beruhigende Sache für mich und auch eine Form der Therapie. Ich habe meine Skills oft dafür verwendet, mich an einen besseren / glücklicheren / ruhigeren Ort zu transportieren. Den größten Teil der Zeit mache ich Musik für mich selbst und nicht für einen Rapper oder Sänger. Nur reine Atmosphäre und Energie und wenn ein anderer Künstler mit einem Stück mitschwingt, das ich gemacht habe und mit mir zusammenarbeiten möchte, ist das ein süßer Bonus.

Welche deiner Produktionen magst du selbst am liebsten und warum?

Ich bin sehr stolz auf die Sachen, die ich mit Your Old Droog gemacht habe und auf das Kool Herc: Fertile Crescent“-Projekt mit Homeboy Sandman. Ich muss aber sagen, dass durch der Zusammenarbeit mit De La Soul auf „Turn It Out“, für den „Osmosis Jones“-Soundtrack, für mich ein Traum wahr geworden ist. Sie sind eine meiner Lieblingsgruppen und das war mein erster großer Auftritt. Ich kann gar nicht in Worte fassen, welch große Ehre das für mich war. In den Sessions habe ich viel über Professionalität und Perfektionismus gelernt. Dazu sind sie so nette und freundliche Menschen. Um ehrlich zu sein, bin ich Droog und den Leuten in unserem Team so dankbar, weil er und unsere Arbeit mich während einer schweren Zeit in meinem Leben gerettet haben. Die Arbeit hat uns Anerkennung und künstlerischen Respekt verschafft, in einem Maß, wie ich es noch nie zuvor erlebt habe. Ich liebe diese Aufnahmen. Sie werden immer eines der größten Kapitel in meinem Leben bleiben.

Denkst du, dass ein Street-Rapper eher einen anderen Sound braucht als zum Beispiel ein Conscious Rapper? Wenn ja, warum?

Egal, welche Art von Rapper, Sänger etc.: Am Ende des Tages haben wir alle die gleichen Gefühle. Straße-Rapper fühlen Schmerz, Liebe, Angst… aber diejenigen, die nicht auf der Straße sind, verspüren beizeiten ebenso das Gefühl von Wut oder Rache, wie die Straßen-Jungs . Somit verdient jeder Song es, dass man dem darin enthaltenen Gefühl und Thema Aufmerksamkeit schenkt. Manchmal ist es erstaunlich, was passiert, wenn auf einen eher unbeschwerten Beat starke Vocals kommen. Es ist ein bisschen so, wie wenn Kubrick klassische Musik in einigen ziemlich intensiven Szenen einsetzt. Manchmal kann das Zusammenbringen von Gegensätze ein perfektes Match ergeben.

Wie wichtig ist es dir eigentlich, was ein Rapper oder Sänger auf deinen Beats sagt?

Wichtig ist, dass du dem Künstler dabei hilfst das umzusetzen, was er im Sinn hatte oder sogar noch etwas Besseres. Im Idealfall entsteht noch etwas Besseres.

Wie siehst du Hip Hop heutzutage (positiv/negativ)?

Die Dinge kommen und gehen. 1994 war toll, aber die heutige Zeit ist es auch. Die Dinge sind, wie sie sein sollen.

Woran arbeitest du gerade? Was kommt Neues von dir?

Ich arbeite an mehr Musik für Your Old Droog, Prodigy (Mobb Deep) und weiteren Beats, die ich nach und nach auf RTNC.bandcamp.com release. Ich würde gerne mit Kendrick Lamar und Drake arbeiten. Mit Jungs wie denen zu brainstormen wäre magisch, da bin ich sicher.

Wenn du heute einen Remix machen dürftest, ob Hip-Hop oder nicht, welchen Titel würdest du wählen?

Ich hätte gerne Zugang zu den Led Zeppelin-Session-Bändern und würde sie liebend gern studieren, bevor ich dann mit meinen eigenen Arrangements beginne. Ich würde gerne ein Trap Drum-Kit auf „Fool In The Rain“ setzen.

Welche anderen Musikstile reizen dich und warum? Ist Rap eine eher limitierte Musikrichtung?

Ich liebe wirklich jedes Genre. Rock, Jazz, Disco, Metal, Soul, House, usw. Es gibt etwas Cooles in ihnen allen. Die Art von Hip-Hop-Produzenten, zu der ich gehöre, geht raus und sucht nach Aufnahmen die sich fürs Sampling eignen. Dabei ergibt es sich nach einiger Zeit, dass man auch zum Liebhaber dieser anderen Musikformen wird. So bekomme ich den Zugang zu der Musik. Musik ist Magie. Um meinen Lieblingsautor Alan Moore zu zitieren: „Kunst ist Magie, Magie ist Kunst.“.

 

Name: El 108 RTNC (Formerly R.Thentic & Rich Boogie)

Alter: Unbekannt

Wohnort: NYC

Produziert seit: 1997

Equipment: Angefangen mit der SP1200 und S950, dann die MPC300 und jetzt Pro Tools & Ableton.

Favorite Breaks: Kid Dynamites “Uphill Peace Of Mind”, Galactic Force Bands “Space Dust”, Pieces Of A Dreams “Mt. Airy Groove”, Edwin Birdsongs “Rapper Dapper Snapper”, Cat Stevens “Was Dog A Doughnut” uvm.

Favorite Hip-Hop Songs: Eric B & Rakims “Don’t Sweat The Technique” und “Know The Ledge”, Gang Starrs “Who’s Gonna Take The Weight”, ATCQs “Butter”, Large Professors “The LP (For My People)”, Nas “NY State Of Mind”, Slum Villages “Beej N Dem”, Dr. Dres “Let Me Ride”, Biggies “Unbelievable”, Madvillains “America’s Most Blunted” und “Curls” etc.

Favorite Non Hip-Hop Songs: The Velvet Undergrounds “Rock N Roll”, The Smiths “This Charming Man”, The Dead 60s “Riot Radio”, Stereolabs “Infinity Girl”, Led Zeppelins “No Quarter”, The Strokes “I’ll Try Anything Once”, (um nur einige zu nennen).

Favorite Hip-Hop Producers: DJ Premier (Wegen dem ich überhaupt erst auf den Gedanken kam, Beats zu machen, nachdem ich “Who’s Gonna Take The Weight” gehört hatte.) Jay Dee, Pete Rock, Q-Tip, Extra P, Larry Smith, 88 Keys, Madlib, Alchemist und Knxwledge.

Favorite Non Hip-Hop Producers: Jimmy Page, Rick Rubin (Ja, seine Non-Hip-Hop Produktionen), Paul Rothchild, David Bowie und Quincy Jones (Ich liebe diese Michael Jackson Aufnahmen.).

Aktuelle Produktionen:
Your Old Droog EP und LP
Your Old Droog – „Blood” , „Homicide”,Get The Paper” , „Rage Against The Machine” und „Freeway Fire” auf der „Kinison“ EP
Homeboy Sandman – „Kool Herc: Fertile Crescent”
Timeless Truth – „Rock-It Science” LP
Timeless Truth – „Pop Champagne”, “4 The Real Ones”, „Kevlar Bodybags”, „Russian Rock Hammers” und „40 Below” auf der „Cold Wave“ LP
Mos Def – „The Glow”
De La Soul – „Turn It Out”
El Fudge – „Show Me Your Gratitude” (Rawkus)

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Sebastian ist ein "Real Hip-Hop Kid" und seit Ende 2015 Teil der BACKSPIN Gang. Er ist zuständig für Interviews, Konzertberichte und Artikel auf der Website. "Hip-Hop is not on the Radio!" #allesbackspin

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