Producer Spotlight – DJ SoulClap

Zuletzt machte er zusammen mit anderen Produzenten auf dem „ApRock Joining Forces With The Snowgoons DJs – The Remix Tape“ auf sich Aufmerksam. Er produzierte bereits für Künstler wie Masta Ace, AG oder Punchline von eMC. Wir stellen euch heute DJ SoulClap vor.

DJ Soulclap

Wie bist du zum Produzieren gekommen? Wer hat dich dazu gebracht?

Ich hatte in der Schule einen Kumpel (Bastian Minari, googlet den Namen und checkt mal seine Soundcloud) der in einer Rap Crew (Soultecniques) war. Da mich das Thema grundsätzlich interessiert hat, bin ich mal bei ihm vorbei gefahren und er hat mir gezeigt wie man in Cool Edit 2 (Props an Peter Qvistgard) die Samples schneidet und in Fruity Loops verarbeitet. Habe dann ein bisschen rumprobiert aber nicht wirklich ernsthaft. Nachdem ich meinen Helden Masta Ace im Sommer 2004 Live gesehen habe, war ich mir sicher, dass ich mehr will als einfach nur Platten auflegen. Als ich dann angefangen habe zu studieren und nach Kiel gezogen bin, hab ich dann auf meinem neuen Laptop angefangen das Ganze ein bisschen intensiver zu verfolgen. Über Myspace kamen dann schnell die ersten Kontakte in die USA und so fing alles an.

Wie würdest du deinen Style beschreiben und hat er sich über die Jahre verändert?

Das ist gar nicht so einfach, da ich sehr unterschiedliche Sachen mache. Ich habe ne Zeit lang mehrere Beats gemacht die nach Premo klangen, aber immer mit meinem eigenen Twist. Grundsätzlich nehme ich meine Inspiration aber von überall her, ich mag viele Arten von Beats, ich mag auch diesen ganzen neuen Kram, Jahlil Beats, DJ Mustard etc. Ich limitiere mich da nicht auf BoomBap. Das wird nach mehreren Jahren einfach extrem langweilig. Mein Style hat sich insofern verändert, dass ich immer mehr selber einspiele und weniger Samples benutze. Ich basiere Melodien nur noch selten auf Samples. Wenn, dann unterstützen sie eher als den Song zu tragen. Zudem sind meine Drums deutlich dicker. Ich stecke da viel mehr Zeit rein und ändere immer wieder was ab. Oft ändern sich die Drums bei mir inzwischen auch während des Songs oder während der Hook. Ich spiele da gerne mit rum.

Glaubst du, dass dein Equipment eine große Rolle dabei spielt, wie deine Beats klingen?

Das ist definitiv so. Ich benutze immer noch hauptsächlich Fruity Loops, wodurch die Beats öfters etwas statischer wirken, da immer alles on Point ist. Ich habe ne Zeit lang ne MPC2000XL benutzt aber mir war die Kompatibilität mit dem Rechner halt einfach nicht gut genug. Das hat zu viel Zeit gekostet. Für jemanden der nen normalen Dayjob und ein Kind hat, geht es auch immer darum die Zeit sinnvoll zu managen. Die Drums mit der MPC waren natürlich immer irgendwie geiler aber ich habe zu viel Zeit verloren beim bouncen von Spuren usw. Habe dann die MPC verkauft und dafür ne Maschine und nen Fernseher gekauft. Die Maschine ist an sich geil aber ich habe mir nie wirklich die Zeit genommen, mich da reinzufuchsen. Das Manual war echt mies und ich hatte niemanden der mir Sachen zeigen konnte. Da bin ich schnell wieder zurück zu Fruity Loops. Ich will unbedingt mit der Maschine arbeiten aber mir fehlt einfach immer die Zeit.

„Wegen Ace habe ich angefangen Musik zu machen und 5 Jahre später habe ich meinen ersten Track mit ihm gemacht und zwar nicht weil ich ihn eingekauft habe sondern weil er den Beat für sich haben wollte.“

 

Wie haben sich deine Produktionen im Laufe der Zeit weiterentwickelt? Gibt es bestimmte Routinen, die du immer machst, wenn du einen Beat baust?

Weiterentwickelt definitiv in dem Bereich, den ich schon erwähnt habe. Ich spiele viel selber ein und arbeite deutlich länger an den Drums. Manchmal gucke ich mir auch Tutorials an, wie man bestimmte Lieder auf dem Klavier spielt und wandele das dann ab. Das hilft mir, da ich kein Pianist bin. Ich spiele immer nach Gehör und habe da keine Ausbildung.

Eine wirkliche Routine gibt’s nicht. Ich fange immer anders an. Mal kann es sein, dass ich einen bestimmten Song höre wo mir der Beat gefällt und ich will etwas in der Richtung machen. Mal gefällt mir ein Drum Arrangement bei einem Song und ich mache etwas Ähnliches, mal ist es eine Melodie oder einfach ein Instrument.

Manchmal beginne ich einfach mit ner Hi Hat einfach um den Rhythmus zu haben und fange dann mit der Melodie an. Wenn ich damit fertig bin baue ich die Drums drumherum und passe hinterher ggf. wieder die Melodie an. Es kann auch sein, dass ich Drums im Kopf habe und erst die Drums komplett fertig mache bevor ich mir eine Melodie ausdenke. Dann fange ich meist mit dem Piano an (MIDI) und spiele etwas ein und ändere hinterher die Instrumente und probiere sie durch. Ich habe da auf jeden Fall kein wirkliches Muster.

Welche deiner Produktionen magst du selbst am liebsten und warum?

Das ist ne ultra schwere Frage. Ich habe echt schon eine Menge Songs gemacht, von denen lange nicht alle rausgekommen sind. Ich bin manchmal selber überrascht, was ich schon so alles gemacht habe. Es gibt mehrere Songs die für mich wichtig sind und mir viel bedeuten, aus verschiedenen Gründen. Ich mag auch alle meine Songs. Ich glaube die Beats, die ich wirklich rausschicke sind nur ca. 1/3 der Beats die ich mache. Ich bin sehr selbstkritisch und schicke wirklich nur die Sachen raus, die ich selber auch kaufen würde. Insofern mag ich alle meine Songs auch super gerne. Ich arbeite ja auch nur mit Künstlern die ich sehr mag. Highlight war natürlich der Track „Authentic“ von Masta Ace und Edo G. Wegen Ace habe ich angefangen Musik zu machen und 5 Jahre später habe ich meinen ersten Track mit ihm gemacht und zwar nicht weil ich ihn eingekauft habe sondern weil er den Beat für sich haben wollte. Das war ein gutes Gefühl. Für mich sind auch alle Songs von den Alben mit Punchline und Wyldbunch was Besonderes, aber wenn ich einen hervorheben müsste wäre es wohl „Authentic“.

Denkst du, dass ein Street-Rapper eher einen anderen Sound braucht als zum Beispiel ein Conscious Rapper? Wenn ja, warum?

Nein auf gar keinen Fall! Dann packst du Leute in eine Schublade und Schubladen machen die Kreativität kaputt und verhindern Fortschritt. Ich würde mich freuen, Leute wie Ace auf Beats zu hören die Rick Ross z.B. auf seinem neuen Album hat. Concious ist irgendwie immer gleich Underground und wird mit souligen Beats assoziiert. Street ist immer langsam mit schnellen Hi-Hats. Das schlimme ist, dass die meisten tatsächlich in die Schubladen passen. Es gibt wenige die eine gute Brücke schlagen können. J Cole ist so einer der das super macht, Fashawn, Kendrick, A$AP. Ich mag die Jungs alle super gerne weil sie die Brücke von alt zu neu meiner Meinung nach am besten schlagen. Der Weg zum Erfolg führt leider oft über die Beats und ich wünschte, mehr Concious Rapper würden aus ihrer gewohnten Umgebung ausbrechen. In Deutschland findet gerade irgendwie so ein Wandel statt. Das gefällt mir!

Wie wichtig ist es dir eigentlich, was ein Rapper oder Sänger auf deinen Beats sagt?

Grundsätzlich ist mir das schon wichtig. Ich bin auf deutsch überhaupt kein Fan von Schimpfwörtern in Texten. Bei den Amis ist mir das egal und stört mich hingegen überhaupt nicht. „Mutterficker“ geht gar nicht, „motherfucker“ ist vollkommen OK. Ich spreche Englisch wie eine zweite Muttersprache aber da man durch Rap in dem Fall mit den Schimpfwörtern in den Songs aufwächst, sind sie nicht so schlimm. Auf Deutsch bin ich mit Eins Zwo, Samy, den Beginnern und Freundeskreis aufgewachsen. Da gab es nicht viele Schimpfwörter und bei mir zuhause oder in der Schule halt auch nicht. Daran liegt es wohl. Deswegen mache ich mir ein bisschen Sorgen um die Zukunft weil die Kids heutzutage anderen Rap mit anderen Wörtern hören. Das wird hier dann wohl auch normal werden…

Grundsätzlich arbeite ich ja nur mit Leuten zusammen die ich mag. Insofern weiß ich auch das was Vernünftiges bei rauskommt. Manchmal mache ich einen Beat und sage dem MC, dass er ein bestimmtes Thema behandeln soll, weil ich so ein Gefühl hatte während ich den Beat machte. Das hat mit Wyldbunch gut geklappt. Wenn ich ihm ein Thema vorgegeben habe war der Song meist am nächsten Morgen schon aufgenommen in meiner Inbox. Checkt mal die Songs „Never Forget You„, „For The Fam“ und „Stay Positive“ auf meiner Soundcloud Seite. Das waren alles solche Fälle. Die hat er innerhalb eines halben Tages geschrieben und aufgenommen.

Wie siehst du Hip Hop heutzutage (positiv/negativ)?

Hip Hop wird ja immer wieder auf Rap reduziert. Ich will jetzt nicht mit dieser ganzen „Rap is something you do, Hip-Hop is something you live“-Kacke anfangen. Das ist ausgelutscht. Klar stimmt das, aber das ist so ne Parole von den Concious-Leuten mit der sie sich cleverer vorkommen als die anderen und zeigen wollen, dass sie alles besser wissen. Hip-Hop ist so vielschichtig und hat sich so stark weiterentwickelt. Da muss man auch die Definitionen aufbrechen. Hip-Hop ist einfach nicht mehr Peace, Unity, Love & Havin Fun. Es hat viel mehr Dimensionen. Wenn sich die politischen und sozialen Rahmenbedingungen ändern, kann die Kultur innerhalb der Rahmenbedingungen nicht komplett gleich bleiben. Grundsätzlich sagen ja Leute bei allem: „Früher war es besser.“. Ich würde eher sagen es ist anders. Hip-Hop ist positiv da es vielen Leuten das Leben verschönert, ihnen Möglichkeiten aufzeigt und gibt: Hoffnung, Integration, Geborgenheit, Freude… Es gibt so viel. Insofern wird Hip Hop nie negativ sein.

Woran arbeitest du gerade? Was kommt Neues von dir?

Ich arbeite gerade an einem Album mit Pearl Gates, den man vom letzten eMC Album kennt. Super talentierter MC aus New York der auch singen kann, das Album wird sich komplett anders anhören als alles, was man von mir bisher so kennt. Ich freue mich drauf! Wir fangen aber gerade erst an. Habe schon ca. 10 Beats dafür fertig, 20 werden wir machen und dann gucken was wirklich drauf kommt. Einen Titel haben wir schon. Den werde ich aber noch nicht verraten. Nebenbei mache ich im Moment nichts anderes, weil ich mich endlich mal nur auf ein Projekt fokussieren will. In der Vergangenheit war es immer zu viel auf einmal und man muss den Amis immer hinterherrennen. Das ist zu anstrengend. Ich fokussiere mich jetzt auf jemanden, der hungrig ist und Bock hat. Ich hab in den letzten Monaten viele gute neue Connections gemacht. Ihr könnt auf jeden Fall gespannt sein was noch kommt.

Wenn du heute einen Remix machen dürftest, ob Hip-Hop oder nicht, welchen Titel würdest du wählen?

Puuh das ist keine einfache Frage. Die Songs, die ich geil finde, sind ja in der Regel welche, die ich mit nem Remix schwer besser machen könnte. Bock hätte ich auf „Stayin Out All Night“ von Wiz Khalifa. Ich kann nicht mal sagen warum. Da habe ich aber schon oft dran gedacht. Allgemein remixe ich aber eher wenig, ich mache lieber Beats von denen sich Musiker inspirieren lassen und die Texte schreiben weil sie zum Beat passen bzw. durch diesen erst entstehen. Apropos Remix, checkt mal meinen Beitrag zum „ApRock Joining Forces With The Snowgoons DJs ReMixTape“. Hierfür habe ich den DJ Koss featuring AGWhere It All Began“ Track neu interpretiert:

Welche anderen Musikstile reizen dich und warum? Ist Rap eine eher limitierte Musikrichtung?

Ich höre im Moment recht viel RnB wobei sich das Beat-technisch ja nicht wirklich groß unterscheidet. Ich mag Sachen wir Coldplay aber insgesamt kaufe ich nur ganz selten was außerhalb von Rap. Es gibt so unfassbar viel alleine im Rap-Bereich, dass ich gar keine Zeit für andere Sachen habe. Ich höre noch gern Reggae und Dancehall Sachen aber auch nicht übertrieben viel, das sind immer so Phasen.

Rap ist überhaupt keine limitierte Musikrichtung. Ich würde so weit gehen zu sagen, dass es eine der vielseitigsten ist, da man aus allen anderen Musikstilen Inspiration holt und diese vereint. Es wurden schon Songs aus allen Genres für Rap Songs gesamplet. Insofern gibt es doch kaum Grenzen. Auch die Arten zu rappen haben sich weiterentwickelt. Viele Künstler machen eine Mischung aus Rap und Gesang und es gibt neue Flows. Rap wird sich immer weiterentwickeln und es wird auch immer Leute geben die sich Beklagen. Aber wenn sich 30 jahre lang alles gleich anhört wird’s doch auch langweilig, oder?

Name: DJ SoulClap

Alter: 30

Wohnort: Braunschweig

Produziert seit: 2004

Equipment: NI Maschine, Fruity Loops, Cubase

Favorite Breaks: Amen – „It’s Your Thing“

Favorite Hip-Hop Songs: Masta Ace – „Beautiful“, Reflection Eternal – „The Blast“, Rakim – „When I Be On The Mic“, T.I. – „What U Know“, J. Cole – „Power Trip“

Favorite Non Hip-Hop Songs: Green Day – „When I Come Around“, Bobby Womack – „Across 110th Street“, Bipolar Sunshine – „Fire“, Richie Campbell – „What A Day“, Whitney Houston – „My Love Is Your Love“.

Favorite Hip-Hop Producers: DJ Premier, Pete Rock, J Dilla, Illmind, J Cole, Timbaland

Favorite Non Hip-Hop Producers: Hudson Mohawke

Aktuelle Produktionen: Arbeite an einem neuen Album mit Pearl Gates, voller Fokus darauf.

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Sebastian ist ein "Real Hip-Hop Kid" und seit Ende 2015 Teil der BACKSPIN Gang. Er ist zuständig für Interviews, Konzertberichte und Artikel auf der Website. "Hip-Hop is not on the Radio!" #allesbackspin

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