Producer Spotlight: Diamond D (aus der BACKSPIN MAG #110)

Diamond D, als du zu produzieren angefangen hast – hattest du da einen Teacher?

Ja, Jazzy Jay, er hatte mich damals unter seine Fittiche genommen bei Strong City Records. Ich durfte ihm im Studio dabei zuschauen, wie er arbeitete. Und alleine durch dieses Zuschauen und das Zuhören lernte ich, wie man produziert.

Erinnerst du dich noch an deinen ersten Beat? Wie hörte der sich an?

Na klar, „I ́m Not Playing“ von der Ultimate Force – das war mein allererster Release, Jazzy Jay war da noch der Co-Producer. Der Song wurde sogar eine Single mit Video.

Spielst du eigentlich auch selbst ein Instrument?

Oh ja, ich kann Schlagzeug spielen, Flöte und natürlich Keyboard.

Wie würdest du deine Produktions- Routine beschreiben? Und hat die sich über die Jahre verändert?

So wie ich das sehe, ist mein Sound einfach nur dicker geworden. Am Anfang habe ich ja bloß gesamplet und nichts selbst dazugespielt. Das hat sich über die Jahre immer mehr geändert. Heute sample ich zwar immer noch, aber ich spiele deutlich mehr selbst dazu. Wenn man das tut, wird der eigene Sound immer besser und fetter.

Welche Rolle spielt für deinen Sound dein Equipment?

Angefangen hatte ich damals mit einem ASR 10, dann kam der Akai S 950 dazu. Später stieg ich auf den MPC um, zunächst hatte ich einen MPC 3000, dann arbeitete ich mit dem MPC 2000. Heute arbeite ich vor allem mit dem Motif 8 ES von Yamaha.

Wie siehst du den Hip-Hop-Sound von heute? Was gefällt dir? Was nicht?

Es gibt nach wie vor viele Sachen, die diese Tiefe haben, die mir gefällt. Diesen ganzen Mikrowellenkram aber fühle ich kein bisschen. Doch selbst unter den ganzen neuen jungen Produzenten gibt es einige, die ich wirklich fühle. Black Milk zum Beispiel, oder Jake One. Oder Nottz, wobei der ja schon nicht mehr zu den neuen Produzenten zählt, genau wie Just Blaze und natürlich die ganze D.I.T.C.-Familie. Nicht zu vergessen sind hier außerdem Q-Tip und Pete Rock.

Welche aktuellen Sachen hörst du derzeit, wenn du zum Beispiel mit deinem Auto in New York unterwegs bist?

Aktuell pumpe ich das „Life is good“-Album von Nas. Das ist für mich eines seiner besten Alben.

Du hast ja auch schon sehr viele Remixe während deiner langen Karriere angefertigt. Wenn du dir heute einen Song aussuchen dürftest, den du Remixen sollst – egal welches Genre – welchen würdest du wählen?

(überlegt lange) Ich würde mich am Ende wahrscheinlich doch für einen Rap-Song entscheiden, und zwar für „Woo Hah“ von Busta Rhymes, der Song ist für mich ein Klassiker, das Ding zu remixen, würde mir gefallen. Schon damals, als der Song rauskam, hat er mich umgehauen. Wie da das Galt-Mac-Dermot-Sample geflippt wurde – allein den noch mal zu verwenden, würde mich schon reizen.

Apropos Sample: Ziehst du nach wie vor los und diggst Platten?

Oh ja, das Diggen ist etwas, das ich wahrscheinlich für immer machen werde. Ich bin ein leidenschaftlicher Plattensammler, auch ganz unabhängig davon, ob ich nun ein Producer bin oder nicht. Das Diggen ist einfach eine Sache, die ich sehr genieße. Natürlich spielt da auch das Produzentsein mit rein, denn ich werde definitiv immer einer von denen sein, deren Sound mit einem Sample anfängt. Inzwischen ist bei mir aber auch, ich nenne es E-Diggin’, hinzu- gekommen. Da bin ich im Netz unterwegs, höre mir Sachen an und finde auch immer wieder interessante Sounds, die ich dann verwende. Spannend ist das vor allem wenn es um Scheiben geht, die du nicht so ohne weiteres auftreiben kannst. Und wenn du trotzdem etwas davon benutzen willst, nimmst du eben das MP3. Aber so oder so: ich werde immer ein Digger sein.

Es gibt Leute die sagen, du wärst einer der ersten gewesen, die sowohl für Künstler von der Ostküste produzierten als auch für Artists von der Westküste. Wie war das damals?

Ich war sicherlich einer der ersten. Ob ich am Ende wirklich der erste war, kann ich dir nicht sagen. Anfang, Mitte der 90er habe ich für Tha Alkaholiks gearbeitet, für House Of Pain, Cypress Hill, für Xzibit, The Pharcyde – mit all diesen Westcoast-Acts habe ich gearbeitet, als gerade dieser ganze Beef zwischen den Küsten abging. Bei mir war das alles Liebe. Ohnehin fand ich diesen Beef bzw. die Tatsache, dass der so ausgeartet ist, ziemlich albern, es ging doch nur um die Meinungsverschiedenheit zweier erwachsener Männer. Und das hat sich dann so hochgeschaukelt, dass beide am Ende ihr Leben ließen – für irgendeinen Bullshit.

Wie steht es eigentlich um deine Crew? Wird es je wieder eine Platte von D.I.T.C. geben?

Ja, wir sprechen gerade darüber. Ich hoffe, wir kommen da schnell auf einen Nenner, so dass wir mit der Arbeit beginnen können. Erst kürzlich habe ich mit Showbiz darüber geredet, außerdem hatten wir alle zusammen ein Meeting und haben auch ein paar Pitches gemacht. Da wird also sicherlich etwas kommen.

Und was hat es mit deinem Soloalbum auf sich, von dem du eingangs gesprochen hast?

Ich mache gerade ein Solo-Producer-Album. Dafür habe ich schon einen Song mit Hi-Tek aufgenommen, ich habe etwas mit Kurupt gemacht, mit den Alkaholiks, Nottz, Masta Ace und Punchline sind dabei, Pharoahe Monch, J-Live, Lord Jamar ist auch dabei, genau wie AG, O.C. und so weiter. Mir geht es bei der Platte darum, dass die Fans sich mal wirklich die Musik anhören, wirklich auf die Raps achten. Mir bedeutet diese Platte sehr viel, ich habe so etwas noch nie gemacht und nehme das ganze Projekt sehr ernst.

Du hast hier auf dem HipHop Kemp mit einer Band gespielt – das kannte man vorher so nicht von dir. Zumal du auch die Songs von „Stunts, Blunts & Hip Hop“ gespielt hast. Wie kam es dazu?

Das war das erste Mal, dass ich mit einer Band auf die Bühne gegangen bin. Shout out an Big Carry, sie ist hier in Europa meine Agentin. Von ihr kommt die Idee, mal mit einer Band aufzutreten. Die bringen definitiv etwas Neues hinzu, gleichwohl die Musiker alle so sehr on point gespielt haben, dass es klang, als lief da die Platte. Daher bin ich wirklich froh und stolz, dass wir das hier so auf die Bühne gebracht haben. Wir werden wohl nun auch eine Tour auf die Beine stellen, auf der ich zusammen mit der Band mein Programm spielen werde und auf der wir die 20th anniversary von „Stunts, Blunts & Hip Hop“ feiern werden.

Wie blickst du zurück auf die Platte? 20 Jahre sind eine lange Zeit, Hip- Hop hat sich sehr verändert währenddessen…

Was soll ich sagen? Das Album erschien im April 1992, und ich bin immer noch da. Ich mache immer noch, was ich liebe, ich mache Beats, digge in den Crates, ich bin immer noch ich selbst.

Du bist, wie du eben schon sagtest, ein Vinylliebhaber. Als damals „Stunts, Blunts & Hip Hop“ erschien, begannen viele Labels, keine Platten mehr zu machen, sondern allein auf die CD zu setzen. Bei deinem Album führte das damals dazu, dass es viele Bootlegs auf Vinyl gab…

Oh ja, das trifft den Nagel auf den Kopf. Ich kann mich noch erinnern, wie damals viele DJs sauer wurden, weil es meine Songs kaum auf offiziellen Vinyls gab. Sie meinten daraufhin zum Label, dass sie meine Musik nicht spielen könnten, wenn sie sie nicht auf Vinyl hätten. So brachten sie das Label damals dazu, eben doch noch Vinyl zu machen. Inzwischen gab es von Mercury ja auch einen Re-Release von dem Album – sogar mit richtigem Cover. Ich bekomme da auch weiterhin Tantieme ausbezahlt. Man muss sein Business eben immer im Auge haben.

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