Debonair P: „Du kannst die besten Rapper der Welt haben, aber wenn der Beat suckt, wird es kein guter Song werden“

Debonair P aus Melbourne ist nicht unbedingt der Typ, der gerne im Mittelpunkt steht. Seine Motivation beim Produzieren besteht weder darin, Berühmtheit noch Reichtum zu erlangen. Dafür hat der Produzent und Labelbetreiber eine klare Vorstellung von dem Ergebnis seines Schaffens und bleibt seiner stilistischen Linie stets treu. Neben Künstlern aus Australien, arbeitet er auch mit MCs aus den Staaten zusammen, so wie zuletzt auf der „Dive In“ EP mit OC von der D.I.T.C.-Crew. Wir hatten die Möglichkeit mit DP über seinen Produktionsstil, aktuelle Musik und seine Sicht auf Hip-Hop zu sprechen.

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Wie bist du zum Produzieren gekommen? Wer hat dich dazu gebracht?

Ich war immer musikinteressiert und spielte Instrumente, seit ich ein Kind war. Ich begann Hip-Hop zu hören, als ich ungefähr 12/13 Jahre alt war, und interessierte mich sehr für die Produktion der Musik. Ich fing mit Turntables und später einem einfachen Sampler und Keyboard an, womit der Grundstein gelegt war. Ich kannte niemanden hier in Melbourne, der auch produzierte (auch, weil ich noch sehr jung war), so musste ich mir anfangs alles selbst beibringen.

Wie würdest du deinen Style beschreiben und hat er sich über die Jahre verändert?

Ich denke, meinen Stil könnte man als traditionellen Sample-basierten Hip-Hop bezeichnen, in der Regel melodisch aber basslastig. Ich habe diesen Ansatz ziemlich konstant beibehalten, seit ich damit begann.

Glaubst du, dass dein Equipment eine große Rolle dabei spielt, wie deine Beats klingen?

Nicht wirklich. Ich denke, Equipment ist wahrscheinlich der am wenigsten wichtige Aspekt. Erfahrung und gute Ohren sind viel wichtiger für mich. Ich kaufe mir immer lieber mehr Platten statt mehr Ausrüstung, wenn ich Geld übrig habe.

Wie haben sich deine Produktionen im Laufe der Zeit weiterentwickelt? Gibt es bestimmte Routinen, die du immer machst, wenn du einen Beat baust?

Ich glaube, mein Ansatz hat sich in den letzten 15 Jahren ziemlich konstant gehalten. Der Ausgangspunkt ist immer das Hören eines Samples, das zu einer Idee inspiriert. Dann gilt es nur noch diese Idee in die Realität umzusetzen. Ich denke, im Laufe der Zeit bin ich besser darin geworden umzusetzen, was ich im Kopf habe und verschwende nicht mehr so viel Zeit für Ideen, die nicht funktionieren.

Welche deiner Produktionen magst du selbst am liebsten und warum?

Das ist eine schwierige Frage! Normalerweise ist meine Lieblings-Produktion immer die, an der ich gerade arbeite. Sobald ich ein Projekt beendet habe, höre ich es in der Regel erstmal nicht mehr, erst einige Jahre später wieder.

„Ich finde es gut, dass heutzutage jeder, der genügend Energie und Ehrgeiz dafür aufbringt, ein Projekt an den Start bringen kann.“

Denkst du, dass ein Street-Rapper eher einen anderen Sound braucht als zum Beispiel ein Conscious Rapper? Wenn ja, warum?

Nicht unbedingt. Tatsächlich mag ich einen guten Kontrast zwischen dem Klang des Beats und dem Thema des Textes. Wenn ich mit einem MC arbeite, vergebe ich immer eine ganze Reihe verschiedener Beats (anstatt nur 30, Straßen-Beats), so dass es viel Raum für Flexibilität und Kreativität bei der Aufnahme gibt.

Wie wichtig ist es dir eigentlich, was ein Rapper oder Sänger auf deinen Beats sagt?

Ich denke, es gibt viele wichtige Faktoren, die einen guten Song ausmachen. Du kannst die besten Rapper der Welt haben, aber wenn der Beat suckt, wird es kein guter Song werden. Also, was ein Rapper auf dem Beat sagt ist wichtig, aber genau so wichtig ist die Delivery, der Flow, Stimme, die Produktion, der Mix usw. Diese Faktoren bedingen einander.

Wie siehst du Hip-Hop heutzutage (positiv/negativ)?

Insgesamt sehe ich die Sache positiv. Ich finde es gut, dass heutzutage jeder, der genügend Energie und Ehrgeiz dafür aufbringt, ein Projekt an den Start bringen kann. Labels haben wirklich nicht mehr die Macht, die sie in der Vergangenheit hatten. Es scheint, als gäbe es eine Menge Leute, die gute Musik machen und sich nicht so stark daran orientieren, was der aktuelle Trend / das Gimmick ist. Es baut mich auf, dass ich produzieren und releasen kann was ich möchte, ohne Beeinflussung von außen.

Woran arbeitest du gerade? Was kommt Neues von dir?

Dieses Jahr noch kommt ein neues Release mit Omniscence, mit dem ich in der Vergangenheit bereits einige EPs gemacht habe. Neben dem Produzieren, betreibe ich auch ein Label (GRR), das 90er Jahre Hip-Hop herausbringt. An dieser Front bin ich mit mehreren Projekten beschäftigt.

Wenn du heute einen Remix machen dürftest, ob Hip-Hop oder nicht, welchen Titel würdest du wählen?

Nun, ich habe ein paar Remix-Alben in der Vergangenheit gemacht, aber im Moment würde ich gerne Redmans „Mudface“ Album remixen.

Welche anderen Musikstile reizen dich und warum? Ist Rap eine eher limitierte Musikrichtung?

Ich höre kein auf Radio und schaue auch kein Fernsehen, so dass ich nicht viel Musik höre, die mich irritiert. Nach Möglichkeit vermeide ich Musik, die versucht, auf irgendeinen Trend aufzuspringen, gerade beliebt ist oder Gimmicks verwendet. Ich glaube außerdem nicht, dass Hip-Hop limitiert ist. Es ist eines der wenigen Genres, die es ermöglichen, komplexe Geschichten zu erzählen und Humor zu verwenden. Aus Produktionssicht hast du die komplette Musikgeschichte auf Knopfdruck als Ausgangspunkt für einen Beat zur Verfügung – das wird dich niemals limitieren.

Name: Debonair P

Alter: 33

Wohnort: Melbourne, Australia

Produziert seit: 1999

Equipment: Yamaha SU700 Sampler, ProTools, Reason

Favorite Hip-Hop Songs: Gang Starr – “Mass Appeal”, Smif N Wessun – “Next Shit”, Omniscence – “Touch Y’all”, Peanut Butter Wolf – “I Will Always Love H.E.R.”, Genius “Swordsman”

Favorite Non Hip-Hop Songs: Vangelis – “Wait For Me”, Don Sebesky – “Moon Dreams”, System – “You Are In My System”, Johnny Guitar Watson – “Love That Will Not Die”

Favorite Hip-Hop Producers: DJ Premier, Pete Rock, Nick Wiz, K-Def, Buckwild, Beatminerz etc.

Favorite Non Hip-Hop Producers: Edgar Froesse, Dexter Wansel, Creed Taylor, Herbie Hancock, Randy Mueller

Aktuelle Produktionen: O.C. & Debonair P – „Dive In“ EP

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Sebastian ist ein "Real Hip-Hop Kid" und seit Ende 2015 Teil der BACKSPIN Gang. Er ist zuständig für Interviews, Konzertberichte und Artikel auf der Website. "Hip-Hop is not on the Radio!" #allesbackspin

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