Producer Spotlight – 4th Disciple

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Der aus dem Umfeld des Wu-Tang Clans stammende Produzent 4th Disciple war an zahlreichen Projekten des Clans und deren Mitglieder beteiligt. Weiterhin arbeitete er mit Killarmy, Grave Diggaz, Sunz of Man, La Tha Darkman, Freeway, Vinnie Paz uvm. Seine Produktionen finden sich auf Gold- und Platin-Scheiben wieder, darunter Klassiker wie “Liquid Swords” oder “Wu-Tang Forever“. Was seine Philosophie ist, wie er an eine Produktion herangeht und was in Zukunft neues von ihm kommt, erfahrt ihr im folgenden Interview.

Wie bist du zum Produzieren gekommen? Wer hat dich dazu gebracht?

Nun, Gott machte mich, und ich wurde in die Musik hineingeboren. Mein Vater und mein Onkel waren Musiker. Vieles lernte ich dadurch, dass ich sie beobachtete. Wenn mein Vater außer Haus war, machte ich mir an seinem Equipment zu schaffen (für praktische Übungen). Damals bekam ich oft Ärger, weil ich seine Mix-Settings durcheinander brachte. Schließlich erkannte mein Vater mein Talent und Können und ermöglichte mir, Zeit im Studio zu verbringen.

Wie würdest du deinen Style beschreiben und hat er sich über die Jahre verändert?

Ich beschreibe mein Stil als seiner Zeit voraus. Viele Produzenten finden jetzt erst Techniken heraus, die ich, RZA und True Master angewendet haben. So ist es auch mit dem neuen Material, da die Entwicklung immer weiter geht. Manchmal verstehen die Leute es nicht, weil es so anders ist als das Übliche. Viele MCs sagen: “Damn that joint is ill!”, wenn sie einen meiner Beats hören. Aber dann sagen sie: “I dont know how to come on that one, but I like it.”. Die meisten MCs haben erstmal Hausaufgaben zu machen, wenn sie auf einen von mir komponierten Beat schreiben. Entweder meditieren sie darauf, weil die Stimmung des Beats sie in den Story-Modus versetzt, oder einfach nur weil er so anders ist.

“Ich komme aus der Zeit, in der man mit dem arbeiten musste, was man hatte.”

Glaubst du, dass dein Equipment eine große Rolle dabei spielt, wie deine Beats klingen?

Ja und Nein. Ich komme aus der Zeit, in der man mit dem arbeiten musste, was man hatte. Ich begann mit einem Mickey Maus-Turntable, mit dem ich auf die im Casio-Keyboard vorprogrammierten Drum-Patterns scratchte. Natürlich machen neuere Geräte und / oder Software eine Menge Aufgaben leichter als zuvor, aber die grundlegenden Prinzipien sind die gleichen für mich.

Wie haben sich deine Produktionen im Laufe der Zeit weiterentwickelt? Gibt es bestimmte Routinen, die du immer machst, wenn du einen Beat baust?

Ich würde sagen, dass sich meine Produktion klanglich weiterentwickelt hat. In der Vergangenheit war mein Geschick im Umgang mit EQs sehr schlecht und ich wusste wenig über Kompression. Nachdem ich mehr und mehr experimentierte, lernte ich mehr über EQ-Kurven, Filter, Kompression etc. Heute setze ich EQs schon ein, während ich den Beat mache. Es ist zur Gewohnheit geworden, den Track bereits während der Entstehung klanglich zu formen. Soviel Routine ich auch habe, gibt es keinen feststehenden Weg, wie ich einen Beat anfange oder beende. Ich kann beim einen Beat mit den Drums anfangen und beim nächsten mit Keys, Strings, usw. Manchmal ändert sich der Beat vollständig, mitten im Schaffungsprozess. Zum Beispiel: Ich fange mit einem Beat an, habe meine Drums und andere Sounds in meiner Sequenz. Aber wenn ich dann beginne, einen weiteren Sound zu suchen, um ihn in den Beat einzubauen, kann es passieren, dass er mich zwingt, doch wieder einen völlig neuen Beat zu machen.

Denkst du, dass ein Street-Rapper eher einen anderen Sound braucht als zum Beispiel ein Conscious Rapper? Wenn ja, warum?

Es hängt alles vom Stil ab, ob “Street” oder “Conscious”. Ob ein so genannter “Conscious”-MC auf einem harten Beat, der für einen sogenannten “Street”-MC gemacht wurde, gut klingt, hängt vom Stil des MCs ab, der involviert ist und von seiner Vision und dem Inhalt des Songs.

Wie wichtig ist es dir eigentlich, was ein Rapper oder Sänger auf deinen Beats sagt?

Der Inhalt ist sehr wichtig. Vor allem, wenn es um meine eigenen Projekte geht. Manchmal sehe ich es aber auch nicht so eng, wenn es nicht mein eigenes Projekt ist. Wenn es aber zu dumm zu sein scheint, überwiegend negativ oder einfach nur wild und unzivilisiert, bin ich raus.

Wie siehst du Hip Hop heutzutage (positiv/negativ)?

50/50 und ich sage dir warum. Ich sehe auf jeden Fall ein starkes Aufleben der klassischen Hip-Hop-Kultur, aber diese Kultur wird immer noch von materialistischer, negativer (auf der untersten Bewustseinsebene basierenden) Rap-Musik überschattet. Das liegt an der großen finanziellen Unterstützung, Leistung, usw. von Major-Labels. Also unter dem Schleier gibt es eine wachsende positive Kultur, aber oberhalb wird die negative Seite weiterhin stark gefördert.

Woran arbeitest du gerade? Was kommt Neues von dir?

Gerade stelle ich eine neue Compilation und ein paar EP-Projekte fertig. Ich will noch nicht verraten, mit wem. Ich habe außerdem ein paar Instrumental-Alben gemacht, die nur auf Vinyl releast werden.

Wenn du heute einen Remix machen dürftest, ob Hip-Hop oder nicht, welchen Titel würdest du wählen?

Ehrlich, über solche Dinge mache ich mir keine Gedanken.

Welche anderen Musikstile reizen dich und warum?

Meine Mutter hörte immer sehr viel Soul und Disco, als ich jung war. Das hatte einen großen Einfluss auf mich, ähnlich wie musikalischen Fähigkeiten meines Vaters. Aber ich beschäftige mich auch mit Sachen wie Psychedelic Rock und Psychedelic Soul, Easy Listening, Soft-Rock und vielem mehr.

 

Name: El-Divine Bey
Alter: 41
Wohnort: Vereinigte Staaten von Amerika (USA)
Produziert seit: 1984
Equipment: Reason 7, Numark NS7, Pro Tools 10
Favorite Breaks: Ist das dein Ernst? Zu viele.
Favorite Hip-Hop-Songs: Zu viele.
Favorite Non Hip-Hop Songs: s.o.
Favorite Hip-Hop Producers: Hank Shocklee, Howie Tee, Mantronix, Mark 45 King, Marley Marl, Pete Rock, Diamond D, Rza, True Master
Favorite Non Hip-Hop Producers: Marvin Gaye, Isaac Hayes, George Clinton, Jimi Hendrix, Eddie Kendricks, Willie Hutch, Herbie Hancock
Aktuelle Produktionen:  “Poppa Wu” (Documentary Film by Khalik Allah). 5% Stories LLC. (Songs and Scores Produced and Mixed By 4th Disciple), Vinnie Paz – “Washed in the Blood of the Lamb” (Produced By 4th Disciple), Killarmy – “Greatest Hits”

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Sebastian ist ein "Real Hip-Hop Kid" und seit Ende 2015 Teil der BACKSPIN Gang. Er ist zuständig für Interviews, Konzertberichte und Artikel auf der Website. "Hip-Hop is not on the Radio!" #allesbackspin

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