Prinz Pi: Im Westen nix Neues (Review)

prinz pi cover

Da ist er wieder, Prinz Pi. Während das im vergangenen Jahr erschienene Album „pp=mc²“ noch unter dem Alter Ego Prinz Porno veröffentlicht wurde, musiziert der Berliner Rapper auf seinem nunmehr 14. Soloalbum wieder unter dem Namen, der Friedrich Kautz erstmals in seiner Karriere den 1. Platz in den Albumcharts bescherte. Der für die Produktion von „Im Westen nix Neues“ verantwortlich zeichnende Biztram, bereits zuständig für das Soundgewand von „!DonnerwetteR!“ und „Neopunk“, verpasst Prinz Pis neuestem Werk einen härteren Sound als noch auf „Kompass ohne Norden“, jedoch kommen auch Fans von deepen Songs auf ihre Kosten.

Auf „Weiße Tapete / Minimum“ kombiniert das ehemalige Royal Bunker-Signing Gitarrenriffs mit seinem Flow und betont die enge Beziehung zu seinen Supportern („Ich bin Prinz Pi und meine Fans sind meine Family“). Einen starken Kontrast dazu stellt „1,40m“ dar, auf dem der 36-jährige mit Unterstützung von Singer-Songwriter Philipp Dittberner sanfte Töne anschlägt und die mittlerweile fast schon standardmäßig erwartete Liebesgeschichte mit dem für ihn gewohnt breit gefächerten Vokabular darbietet.

Was wird vom „artist formerly known as Prinz Porno“ darüber hinaus an seine Hörerschaft übermittelt? Nun, mittels verschiedener Metaphern konstruiert der „Keine Liebe“-Head Bilder, die Empfindungen und Wahrnehmungen punktgenau beschreiben („In der Brust Schwermetall, Schwermetall / Schwermetall, umgeben von mehr Metall“). Prinz Pi gibt Einblicke in sein Meinungsbild gegenüber ehemaligen Klassenkameraden („Rebell ohne Grund [Kompass Reprise]“), hinterfragt mehrfach die in der westlichen Gesellschaft vorherrschende, materialistisch veranlagte Lebenseinstellung (z.B. in „Werte“) und probiert sich gar im Singen aus („Familienalbum Seite 19“), wenn er in der Hook den „bösen Mann“ thematisiert.

Also alles gut, alles wie gehabt? Nicht ganz. Denn ich vermisse so ein wenig den „alten“ Pi, der sich zu besten „!DonnerwetteR!“-Zeiten, aber auch noch auf „Rebell ohne Grund“ aggressiver gab, wodurch es mir leichter fiel, ihm die „Don’t give a fuck“-Attitüde abzunehmen. Vielleicht hatte ich auch einfach nur falsche Vorstellungen, als es im Vorfeld hieß, dass Biztram Kautz‘ „Vision, die ich bei ‚Kompass ohne Norden‘ hatte“, nun umsetzen konnte.

Unterm Strich ist zu billanzieren, dass „Im Westen nix Neues“ definitiv nicht enttäuscht, sich von Vorgänger „Kompass ohne Norden“ jedoch nicht gänzlich lösen kann. Einem Album, dass Prinz Pis Ansicht nach das Werk ist, „was am meisten Lob, aber auch Tadel erhalten hat.“ Eine Aussage, die der studierte Kommunikationsdesigner eventuell revidieren muss bzw. auf seine neue Platte übertragen kann. Die kommenden Wochen und Monate werden es zeigen, und das unabhängig vom kommerziellen Erfolg von „IWNN“.

Der CD krampfhaft einen Stempel aufdrücken zu wollen, würde Intensität und Arbeitseifer, die merkbar raushörbar sind, nicht gerecht werden. Einigen wir uns also einfach darauf, dass wir über das neueste Album Prinz Pis reden. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Denn wie der Künstler schon selbst sagte:

„Ich erzähle mein Leben, pack den Sticker drauf, den du willst.“

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Yannick H. ist seit Oktober 2015 bei BACKSPIN. Wenn er nicht gerade in seinem knallgelben Ostfriesennerz durch die Stadt schlendert, hält er Ausschau nach dem Besten vom Besten in Sachen Hip-Hop.

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