Presto: „Ich stehe hinter VBT, RAM und allem was ich bis dato sonst so gemacht habe.“

Was war dein prägnantestes Erlebnis in einem Battle?

Presto: Ich würde schon sagen, dass meine letzte Begegnung gegen Entetainment mein wichtigstes Battle war. Ente wurde im Vorfeld von sehr vielen Leuten als klarer Favorit gehandelt. Nicht nur in Bezug auf das Battle mit mir, sondern das gesamte Turnier. Ich habe mir direkt vorgenommen, dass auch wenn ich als Underdog in den Ring steige, ihn direkt auseinander zu nehmen, um den Leuten zu zeigen, dass dieses Masken-Image-Ding einfach nicht meins ist. Im Nachhinein kamen auch viele von seinen Hardcore-Fans zu mir und haben mir den höchsten Respekt ausgesprochen. Das war ein krasses Battle und ein verdienter Sieg. Darauf bin ich auch stolz! Der Gewinn von RAM war natürlich auch geil.

Steht eine Teilnahme weiterhin zur Debatte?

Presto: Bei einem Turnier? Nee, eigentlich nicht. Ich bin diesbezüglich erst mal satt. Vielleicht für ein bis zwei Gastauftritte oder so. Aber die Arbeit an der EP hat mir zu viel Spaß gemacht, als das ich mich jetzt auf etwas anderes konzentrieren möchte. Ich möchte lieber „richtige“ Musik im Studio machen. Das soll das VBT nicht abwerten. Das war eine tolle Zeit, ich habe viel gelernt und es hat Spaß gemacht. Ich will ja auch nicht verleugnen, dass ich das alles gemacht habe. Rap am Mittwoch war sozusagen die Talentschmiede – das gilt ja für viele Künstler. Für einen Capital zum Beispiel auch. Ich stehe hinter VBT, RAM und allem was ich sonst so bis dato gemacht habe.

Ist es denn ein Schritt vom Battle-Rapper zum Musiker?

Presto: Auf jeden Fall. Für mich war es jetzt an der Zeit was Persönlicheres zu machen. Das hört man auch auf der EP. Es geht immer noch nach vorne, aber ich verarbeite auch eigene Geschichten und über hier und da auch Gesellschaftskritik. Als Battle-MC war ich ja für ganz viele Leute gar nicht richtig greifbar. Das ändert sich jetzt. Es ist was anderes jemanden fertig zu machen oder zu versuchen jemanden durch deine Worte zu erreichen und dich selbst wiederzuspiegeln. Meine eigene Persönlichkeit findet jetzt viel eher statt als vorher. Dinge die mich beschäftigen, zum Nachdenken bringen oder abfucken, finden jetzt viel eher in meinen Songs statt als vorher. Außerdem lasse ich mir auch viel mehr Zeit beim Schreibprozess. Das ist alles etwas ausgereifter.

Dinge die mich beschäftigen, zum Nachdenken bringen oder abfucken, finden jetzt viel eher in meinen Songs statt als vorher.

Deine EP heißt ja „Gute Deutsche Rap“. Klingt fast so als findest du deutscher Rap habe ein Imageproblem.

Presto: Es ist ja auch so, dass heutzutage jeder Spaßt einen Song machen kann, den ins Internet stellt und irgendwo wird der schon stattfinden. Ich will jetzt auch kein überflüssiges Namedropping betreiben, aber es gibt viele Künstler, die gerade auf ihrem Turn-up-Film sind, die eigentlich gar keine Daseinsberechtigung haben dürften.

Klingt auch so als würden dich die neuen Entwicklungen in Sachen Deutschrap stören.

Presto: An sich stört mich dieser Cloud-Rap gar nicht so wirklich. Es gibt viele Künstler die das gut machen, aber mache Rapper, die textlich komplett Schrott sind, nicht mal Doppelreime oder dergleichen haben, werden gehypt. Das ist für mich unverständlich. Auch Leute die einen grottenschlechten Sound haben, werden auf ein Level gehoben, dass nicht gerechtfertigt ist. Das geht nicht in meinen Kopf rein (lacht). Dieses Trap-Ding hat sich jetzt so krass etabliert, dass jeder darauf abgeht. In zwei Jahren gibt es das dann so nicht mehr und dann sind die auch nicht mehr auf ihrem Party-Drogen-sonstwas-Film.

Auch Leute die einen grottenschlechten Sound haben, werden auf ein Level gehoben, dass nicht gerechtfertigt ist.

Abneigung gegen neue Entwicklungen passt ja ganz gut zu dem Song für dein Oldschool-Handy „3310“.

Presto: Stimmt. Im Endeffekt geht es da um die Smartphone-Sucht meiner Generation. Ich habe eine Zeit lang selber probiert ohne Smartphone auszukommen und habe auch mein altes Nokia 3310 zurückgegriffen. Das hat auch super funktioniert. Mit dem connecten war es schon ein bisschen schwieriger, aber was solls. Gerade meine Generation, die 90er-Kids, haben es ja auch ohne diese Technik geschafft sich zu treffen und eine geile Jugend zu haben. Der Song ist auch eher gesellschaftskritisch, hat aber auch ein Augenzwinkern. Tiefere Message mit Technik und Punchlines, die sich dann auf die Technik oder mich beziehen.

Apropos Punchlines gegen dich. Du sagst „Chapter One wollte mich nicht“. Was war da im Gespräch?

Presto: Da geht es um diesen Raptags-Contest. Das war von Chapter One und Spin Up ein Format, bei dem man eine Albumproduktion gewinnen konnte. Ich bin zuerst unter die besten zehn gekommen, dann war ich unter den besten fünf mit live Performance, aber für den Sieg hat es scheinbar nicht gereicht. Das ist auch kein Seitenhieb oder so. Das ist ja nur das, was mir passiert ist. Das meinte ich vorhin auch mit persönlicheren Geschichten erzählen. Die Line soll eigentlich nur sagen, dass ich keinen Fick gebe, jetzt selber release und auch ohne Chapter One, Label oder Raptags eine CD am Start habe. Ein Vertrieb steht bei mir trotzdem dahinter. Zwar nur auf digitaler Ebene, aber trotzdem. Sonst läuft alles independent. Ich bin gerade dabei meine eigenen Strukturen und Kontakte aufzubauen um nicht abhängig sein zu müssen.

Obligatorische letzte Frage. Was steht nach der EP an? Direkt ans Album setzen?

Presto: Ich habe momentan ein paar Sachen in Planung. Da sind zwei Projekte in der Pipeline über die ich noch nicht richtig reden kann. Ein Album soll natürlich auch irgendwann kommen – da ist aber nichts Konkretes geplant. In nächster Zeit kann man auf jeden Fall noch mit zwei Releases von mir rechnen. Sonst werden Beats gesammelt für das Album irgendwann. Jetzt bin ich aber erst mal gespannt wie die EP bei den Hörern ankommt.

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Hallo Deutschrap, ich bin ab jetzt fest bei BACKSPIN. Gewöhn dich an mein Gesicht - ich bin gekommen um zu bleiben.

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