Presto: „Ich stehe hinter VBT, RAM und allem was ich bis dato sonst so gemacht habe.“

Nach über einem halben Jahrzehnt in der deutschen Hip-Hop-Szene gibt Presto, neben etlichen Battlerunden, das erste Lebenszeichen in Form einer EP von sich. „Gute Deutsche Rap“ ist frisch aus dem Presswerk und wir haben uns mit dem jungen Berliner über Live-Erfahrungen, Vor- und Nachteile vom VBT-Ruhm und Imageprobleme von deutschem Hip-Hop gesprochen. Vorhang auf für Presto:

Gestern bist du auf der Hip Hop Con. in Berlin aufgetreten. Was ging da so?

Presto: War richtig geil. (lacht) Wir sind ja auf der Außenbühne aufgetreten und es war die ganze Zeit Bombenwetter. Bei meinem zweiten Song hat es auf einmal richtig krass angefangen zu regnen. Die meisten sind dann natürlich rein gerannt und nur noch die Leute, die es unbedingt sehen wollten, haben sich unter die Dächer von den Imbissständen gequetscht. Das war so Abfuck. Direkt bei meinem Auftritt kommt dieser ultra Regenschauer runter. Danach war dann auch direkt wieder gutes Wetter. (lacht)

Du bist jetzt schon seit über fünf Jahren als Rapper aktiv. Jetzt kommt das erste richtige Release. Warum erst so spät?

Presto: Gute Frage eigentlich. Wahrscheinlich weil ich immer eine ziemlich genaue Vorstellung davon hatte mit wem ich wie zusammenarbeiten möchte. Ich wollte immer gerne ein festes Team um mich herum haben. Gerade was Beats angeht, bin ich sehr wählerisch. Für mich ist ein festes Team als Basis sehr wichtig. Bis jetzt hat sich das nicht so wirklich ergeben und jetzt hat es geklappt. Die Konstellation, die wir jetzt haben, kann meiner Meinung nach auch auf längere Zeit sehr gut funktionieren. Die wissen was für einen Sound ich brauche und können den sehr schön umsetzen. Im Endeffekt hat sich das mit der Zeit erst gefunden. Vorher hatte ich auch eher Lust zu battlen und neue Fans abzuholen. Den Plan ein Release zu bringen hatte ich aber schon länger. Ich bin jetzt auch an einem Punkt an dem ich sagen kann, dass ich mich musikalisch ausreichend weiterentwickelt habe wirklich was zu releasen.

Gerade was Beats angeht, bin ich sehr wählerisch. Für mich ist ein festes Team als Basis sehr wichtig.

Wie sieht dein Team jetzt aus?

Presto: Mit den Leuten mit denen ich jetzt gearbeitet habe, bin ich befreundet und im stetigen Kontakt. So sollte es ja auch sein wenn man langfristig was Gutes auf die Beine stellen will. Man pusht sich ja auch gegenseitig weiter Gas zu geben. In meiner bisherigen Laufbahn habe ich auch viel mit Spaßten zusammengearbeitet (lacht). Meine Produzent Scaletta und Aside sind auch Newcomer und weitestgehend unbekannt. Scaletta kenne ich noch aus VBT-Zeiten. Da hat er mich geflasht, weil er nicht nur diese klassischen Battle-Bretter, sondern auch atmosphärischen Sound bringt. Seitdem sind wir im regelmäßigen Kontakt. Aside habe ich per Zufall auf der Beatsuche über YouTube entdeckt. Über Facebook kann man heutzutage ja relativ easy connecten, also habe ich ihn einfach angeschrieben. Daraus ist jetzt auch eine richtig gute Freundschaft entstanden. Sehr guter Typ. Er war letzte Woche auch mit beim Videodreh – da habe ich ihn zu mir nach Berlin eingeladen um mich mal zu revanchieren. Dann gibt es noch O.M. – Original Mixing, der sich um das Abmischen von meinen Songs kümmert und da auf jeden Wunsch eingeht, sich um alles kümmert  was den Sound angeht und mich da unterstützt. Die absolute Krönung ist für mich aber die Zusammenarbeit mit TrueBusyness. Der Typ ist eine absolute Legende was Mastering angeht. Er hat mir das angeboten – ich habe das natürlich dankend angenommen. Trotz seines Status ist Busy wirklich der liebste Mensch überhaupt. Alles in allem hätte die Produktion wirklich nicht besser laufen können. Alle Leute sind glücklich und wir haben ein super Team.

Stand ein Album nicht zur Debatte?

Presto: Doch schon. Ein paar Tracks hätte man auf jeden Fall auch auf ein Album packen können, aber für mich war es erst mal wichtig ein Release fertig zu kriegen, zu gucken wie die Resonanz ist, ein bisschen mehr Aufmerksamkeit zu generieren und auch zu schauen wie ich selbst damit zufrieden bin, wenn es ein paar Tage alt ist. Eine EP schien mir deshalb sinnvoller.

Das erste Video auf deinem Channel ist ein gemeinsamer Auftritt von dir und Silla. Was ist die Geschichte dahinter?

Presto: (lacht) Das war eine witzige Angelegenheit. Meine damalige Crew, NIR Musik – Neid ist Ruhm, und ich hatten eine Anfrage für einen Auftritt in Neubrandenburg. Wir waren sozusagen Vorgruppe und Silla war als Mainact gebucht. Das witzige war, dass er MoTrip und Abaz da war, die zu dem Zeitpunkt noch gar nicht richtig im Game waren. Silla hat bei uns gefragt, ob ihn jemand für diesen einen Song backen kann und alle meine Jungs haben auf mich gezeigt, weil ich gerade die SBM 1 Sachen krank gefeiert habe. Später habe ich dann noch gegen King Reach, den ich auch von Rap am Mittwoch kannte, gebattlet. Im Nachhinein war das ein witziger Zufall wenn man bedenkt wie sich insbesondere MoTrip und Abaz entwickelt haben. Damals haben wir uns noch lang und breit über Gott und die Welt gequatscht und jetzt haben die es einfach richtig krass geschafft.

Silla hat bei uns gefragt, ob ihn jemand für diesen einen Song backen kann und alle meine Jungs haben auf mich gezeigt

Deine Bekanntheit stützt sich bis jetzt auf VBT, Rap am Mittwoch und ähnliches. Ist dieses Image für dich hilfreich oder hinderlich?

Presto: Ich würde es schon als hilfreich bezeichnen. Gerade in meiner musikalischen Entwicklung konnte ich mich in den Battles erst mal frei austoben und meinen eigenen Style finden. Ich hatte schon immer irgendwie Lust auf Battles, also warum sollte ich das dann nicht machen? Ich bin nicht auf den Mund gefallen und habe auch heutzutage noch bei Freestyle-Battles und ähnlichem dabei. Ich mache das ja auch so im Studio manchmal. Außerdem haben Formate wie VBT ja auch eine enorme Reichweite. Natürlich ist das gut um Fans abzugreifen – da muss man kein Geheimnis draus machen. Aber es ist auch schwer aus dieser Rubrik auszubrechen wenn man andere Musik machen will. Viele Künstler haben Probleme wenn ihnen das Image noch anhaftet. Es gibt ja aber auch genug positive Beispiele wie zum Beispiel einen Karate Andi oder einen Takt32.

Fühlst du dich in eine Schublade gesteckt?

Presto: Teils schon. Das liegt aber auch daran, dass viele Hörer mit einer bestimmten Erwartungshaltung an den Künstler ran gehen und sich krass auf diese Battle-Sachen fokussieren. Anstatt das Hauptaugenmerk auf die Musik, die Message und den Künstler an sich zu legen, suchen sie dann nach der krassesten Punchline oder dem längsten Reim, auch wenn das in dem Kontext gar nichts zur Sache tut. Das liegt dann aber auch genauso an dem Künstler von diesem Image wegzukommen beziehungsweise den Hörer davon wegzulenken.

Anstatt das Hauptaugenmerk auf die Musik, die Message und den Künstler an sich zu legen, suchen sie dann nach der krassesten Punchline oder dem längsten Reim, auch wenn das in dem Kontext gar nichts zur Sache tut.

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Hallo Deutschrap, ich bin ab jetzt fest bei BACKSPIN. Gewöhn dich an mein Gesicht - ich bin gekommen um zu bleiben.

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