Pokerface im Rap Game – Von rappenden Pokerspielern und Poker spielenden Rappern

Beim täglichen Browsen im Web bin ich kürzlich auf einen Poker Rap Song gestoßen. Für eine große europäische Turnierserie, die European Poker Tour, haben die Veranstalter extra einen Track produzieren lassen, der sich lyrisch und produktionstechnisch durchaus sehen lassen kann und auch mit einem professionellen Video inszeniert wurde. Ganz schön viel Aufwand für eine Sache, die mit Rap Musik ja eigentlich gar nichts zu tun hat, dachte ich mir. Doch als ich so ins Grübeln geriet fiel mir auf, dass es Texte über Poker, Glücksspiel Metaphern und Tracks über waghalsige Zocker Geschichten schon immer gab und gerne verwendet werden. Bei meiner Recherche bin ich dann nicht nur auf Klassiker wie GhostfaceKillahs „Pokerface“ gestoßen, sondern auch auf Pokerspieler, die rappen und Rapper, die es lieben zu zocken. Von unfreiwillig komisch und klischeehaft über unterhaltsam bis zu durchaus hörenswert ist alles mit dabei.

Poker Metaphorik im Rap

Die Verwendung von Metaphern gehört zum lyrisch-rhetorischen Handwerkszeug eines jeden Rappers. Bildsprache ist eines der effektivsten Stilmittel, um Inhalte zu transportieren und Meinungen und Ansichten anschaulich zu machen. Die Art der Bildsprache ist dabei extrem vielfältig, jedoch gibt es einige, die immer wieder verwendet werden. Kaum ein Rap Genre beispielsweise ist so stark von einer Kriegsmetaphorik geprägt wie Battle- und Gangsta Rap. Auf jede nur erdenkliche Weise wird dabei der Gegner mit brutaler Bildsprache zerstört, getötet und kaputt gemacht. Dass dabei natürlich Vokabular und Metaphern aus dem Bereich Krieg am besten geeignet sind ist naheliegend.

Ebenfalls lässt sich immer wieder beobachten, dass Metaphern aus dem Bereich Glücksspiel verwendet werdenum Aspekte des Lebens zu beschreiben. „Youhavetoplaythecards, thatyoubeen dealt“ ist wohl die geläufigste und am häufigsten verwendete Metapher wenn es darum geht zu sagen, dass man das Leben so nehmen muss wie es kommt und aus den Gegebenheiten und einem mitgegebenen Fähigkeiten das Beste rausholen soll. Dabei bedienen sich die Künstler auffallend häufig des Vokabulars von Poker Fachbegriffen, um Bereiche des Lebens zu charakterisieren.

Glücksspiel als Thema
Neben der Bildsprache und dem verwendeten Vokabular wird das Thema Glücksspiel und Zocken aber auch häufig als Thema verwendet. Für jeden Gangster Rapper scheinen Hinterzimmer Zocker Geschichten, BackyardDice Game Actions oder Poker Highroller Erlebnisse um haufenweise Geldbündel zum guten Ton zu gehören. Wie man dabei wieder einmal Eier bewiesen und den knallharten Bluff ohne mit der Wimper zu zucken gegen den fiesen Gangster Gegner durchgezogen hat, ist regelmäßiger Baustein des Image Gebildes.

James Bond hat es vorgemacht. Es ist einfach cool zu zocken. Daher sieht man viele MCs in ihren Videos vor riesigen Stapeln von Chips, mit der Zigarre im Mund und den heißen Chicks im Hintergrund in ihren Videos posen oder es werden dem Spiel ganze Songs gewidmet. Ein sehr gelungenes Beispiel hierfür ist sicherlich „Pokerface“ von Wu Tangs Legendary Ghostface Killah. Der Songtext bietet dabei eine interessante Kombination aus Storytelling über eine Zocker Nacht, dessen Part daher „wörtlich“ zu verstehen ist und fiktiv oder tatsächlich erlebt eine Geschichte erzählt. Der Refrain hingegen ist das klassische Beispiel, wie Poker- und Glücksspielmetaphern verwendet werden, um indirekt Lebensweisheiten zum Besten zu geben.

Die Verschmelzung von Poker und Rap mündete zwischen 2006 und 2007 sogar in einer eigenen TV Show. Doch leider überlebte die Sendung „Hip Hop Hold’em“, die von den Hip Hop Größen Ed Lover und DJ Scratch gehostet wurde und zahlreiche der bekanntesten Rapper an den Pokertisch brachte, nicht lange. Auf Youtube gibt es jedoch noch einige Episoden zu sehen.

Pokerspielende Rapper und rappende Pokerspieler

Dass Rapper also gerne Poker spielen und die Thematik nicht nur in ihren Texten oftmals verarbeiten sondern den Bereich von Glücksspiel auch als Ursprung ihrer Metaphern verwenden, sollte deutlich geworden sein. Neben GhostfaceKillah gäbe es noch viele weitere Beispiele. Ja Rule beispielsweise gilt nicht nur als leidenschaftlicher Zocker sondern hat vor einigen Jahren sogar seine eigene Online Pokerplattform gegründet. Doch diese hielt sich nicht lange, denn die US Regierung schloss alle Online Pokerseiten in den USA im Rahmen des „Black Friday“, um gegen illegales Glücksspiel vorzugehen.

Neben den Poker spielenden Rappern gibt es aber auch das Gegenteil, nämlich bekannte und erfolgreiche Pokerprofis, die nicht nur am Spieltisch sondern auch am Mic was drauf haben (oder dies zumindest glauben).

Allen voran Prahlad Friedman. Er gehört zu den bekanntesten amerikanischen Pokerprofis und konnte in seiner Karriere bereits $2,449,742 beim Zocken gewinnen. In seiner Freizeit versucht er sich gerne auch mal als Rapper und macht dabei gar keine allzu schlechte Figur:

Andere hingegen sollten dann doch lieber zu den Karten greifen als zum Mikrofon. Denn ihre lyrischen Ergüsse und der „kreative Output“ kommen nicht über ausgelutschte Klischees und proletarische Videos hinaus, wie etwa bei Jeff Madsen. Dieser konnte in seiner Karriere zwar bereits $4,652,992 beim Pokern gewinnen, doch sollte auch lieber dabei bleiben und sich nicht noch einmal als Rapper versuchen:

Mit diesen unangenehmen Möchtergern-Rap-Fremdschäm-Ergüssen wollen wir euch natürlich nicht verabschieden. Daher haben wir zum Schluss noch ein gelungenes Beispiel für euch. Der Rapper Nick Javas hat 2013 für die European Poker Tour einen Poker Rap Song aufgenommen, der sich durchaus hören und sehen lassen kann und einen versöhnlichen Abschluss unserer Reise durch die Poker-Rap-Welt darstellt.

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Ivan zählt zur gestandenen Garde der BACKSPIN GANG und zeichnet vor allem für das Marketing verantwortlich. Der 1979 geborene Hamburger aus Eimsbüttel engagiert sich darüber hinaus als Kamera-Assistent und hilft, wo er nur kann. Neben seiner Leidenschaft für traditionsreichen New Yorker Boom Bap begeistert er sich für die Graffiti-Kunst.

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