Performance:Floorwars (aus BACKSPIN #115)

Germany/Benelux und das Finale in Kopenhagen

Es ist uns eine besondere Freu- de, eines der interessantesten B- Boy-Events der Welt vorzustellen: Floor Wars. Eine weitere besondere Freude ist es uns, euch mit Nico bekannt zu machen, einem alten Hasen der B-Boy-Szene und Veranstalter des Floor-Wars-Qua- lifiers in Hannover. Gleich zum Anfang des Jahres war das Event ein absolutes Muss für jeden B- Boy und jedes B-Girl. Es wurde gecyphert, gegeneinander angetreten, geschwitzt – aber vor allem getanzt! Über die Hintergründe spricht hier nun: Nico.

Hey Nico, stelle dich doch kurz einmal unseren Lesern vor!

Mein Name ist Nico oder auch NicoRoc, und ich repesente die Master Plan Crew/Floorever Family. Ich wurde 1978 in Osnabrück geboren und habe dort 1994 mit Rap, Graf ti und Breaking angefangen. 2002 zog ich zum Kommunikationsdesignstudium nach Hannover. 2005/2006 durfte ich einen Zwischenstopp in New York einlegen, seitdem lebe ich wieder gerne in Hannover und bin hier mit einem Motion-Design- und Animationsstudio selbstständig.

Wann bist du auf die Veranstaltung aufmerksam geworden und wie kam es zum Kontakt mit dem Veranstalter?

Das ist mir gar nicht so bewusst. Meine Crew war 2008 am Start und ich bin dann das erste Mal 2009 dabei gewesen. Die Jungs in Köln haben damals eine super Arbeit geleistet. Nicht zuletzt die Tatsache, dass es zu diesem Zeitpunkt in Deutschland, bis auf das Battle of the Year, kaum einen Quali- er gab, der den Sieger ins Ausland schickte, war ein Garant für ein volles Haus und die richtige Atmosphäre. Außerdem bin ich in Hannover auf Ready to Rock gestoßen – eine Crew, die schon seit Mitte der Neunziger am Start ist. Die Jungs waren gut vernetzt und schon mit Sune, dem Veranstalter des Floor Wars International, befreundet. So hat zum Beispiel Merlin schon länger bei der Kommunikation geholfen und die offiziellen Fotos gemacht. Mit den Jungs bin ich dann auch nach Kopenhagen gereist und habe dort Sune und Isti vom Team Floor Wars International kennenlernen dürfen. Schnell haben auch wir eine freundschaftliche Ebene gefunden und blieben im regen Kontakt. Von da an habe ich nur wenige Besuche zum internationalen Finale ausgelassen.

Wie ist das Prinzip des Battles aufgebaut? Es ist ja ein internationales Event mit vielen Vorausscheidungen, ähnlich dem Battle of the Year, richtig?

Zunächst handelte es sich um ein Drei-gegen-drei- Crew-Battle. Das Ziel von Sune ist es, am Ende der Quali er die „Great 8“ zu stellen. Das heißt: die acht besten Crews aus den Vorentscheiden im internationalen Vergleich. Dieses Jahr wurden zu den sechs quali zierten Crews aus Spanien, UK, Russland, Frankreich, Italien und Deutschland beziehungsweise Benelux zusätzlich die Hunters Crew (Weißrussland) und die Renegade Rockers (USA) eingeladen. Ein fettes Line-up, wie ich nde. Zu den Great 8 werden dann weitere acht Crews vor Ort ausgewählt, um am Ende die Finals mit den Top-16-Crews im Knock-out-System zu starten. Diese weiteren acht Crews werden aus allen angemeldeten Crews über ein Punktesystem gewählt. Auf diese Weise wurden auch beim Floor Wars Germany und Benelux die Finals ausgewählt, nur dass es keine gesetzten Great 8 gab, sondern alle Top 16 aus dem gesamten Feld der angemeldeten Crews kamen.

Warum gab es die Jahre davor keine regelmäßigen Vorausscheidungen in Deutschland?

Genaue Gründe kenne ich leider auch nicht. Ich kann nur aus eigener Erfahrung sagen, dass es nicht einfach ist, in Deutschland ein solches Event auf die Beine zu stellen. Ich denke, am Ende sind dem Team in Köln die Unterstützer weggebrochen. Bei der Suche nach Sponsoren ist man leider im- mer auf die aktuelle Ausrichtung von Marketing- abteilungen angewiesen – und Breaking war nicht immer in. Gerade mit der Verantwortung, ein Plus zu generieren, um den Siegern die Reise nach Kopenhagen gewährleisten zu können, ist es ein gewisses Risiko, das man eingeht.

Wie viele Gruppen hatten sich angemeldet und wie viele kamen aus den Benelux-Ländern?

Mike von Ready to Rock, mit dem ich hauptsächlich den Vorentscheid geplant habe, hat einen super Job gemacht und unter anderem die Anmeldung betreut. Wir hatten am Ende 51 Crews, davon aber nur circa sechs aus Holland und Belgien. Da Holland eine starke Szene hat, sind dort eigene Kanäle und Netzwerke entstanden, und wir hatten das Gefühl, dass es schwer war, in diese einzudringen. Außerdem gibt es speziell in Holland viele internationale Events wie etwa das IBE. Es ist also offensichtlich nicht so attraktiv für die Crews aus den Benelux-Ländern, nach Deutschland zu kommen, um hier am Quali er für ein internationales Event teilzunehmen.

Mir ist aufgefallen, dass das Level der Gruppen relativ hoch war – und das bei so vielen Gruppen. Wie beurteilst du das?

Auf jeden Fall war es hoch. Das hat auch bei der Jury zu Diskussionen geführt. Ich denke, zum einen begünstigt das Drei-gegen-drei-System, dass sich die Leistungsträger aus einer Crew zusammen finden können. Zum anderen ist das Niveau in Deutschland flächendeckend gestiegen, und Floor Wars hat endlich mal wieder bundesweit alle aus den Löchern geholt. Sonst passierte das oft nur regional im Norden, Süden, Westen und Osten. Persönlich denke ich auch, dass die Einflüsse von außen stärker geworden sind und alle Bock haben, sich zu entwickeln. So laden die Jungs von den Def Style Rockers schon seit Jahren die Legende Poe One von der Style Elements Crew zu gut be- suchten Workshops ein. True Rokin Soul schaffen es ebenfalls, foundationrelevante Workshop-Leiter ranzuholen, und auch die starke Generation aus dem Ende der Neunziger gibt ihre Werte an die junge Generation weiter, die geschlossen beim Floor Wars Germany und Benelux vertreten war. Each One Teach One!

Wie seid ihr auf die internationale Jury gekommen, wer hat die Jury ausgewählt und was war entscheidend für eure Auswahl?

Die Jury ist in Abstimmung mit dem gesamten Team zustande gekommen. Ich war allerdings in der Verantwortung, Vorschläge zu machen. Grundsätzlich waren wir der Meinung, eine internationale Jury an den Start zu bringen, um eine gewisse Neutralität zu bieten. Selbstverständlich klappt das niemals, da sich immer jemand benachteiligt und nur selten bevorteilt fühlt. Wichtig war uns, eine Jury zusammenzustellen, die Raum für verschiedene Fokusse bietet wie zum Beispiel Power oder Foundation. Wir wollten Floor Wars nicht dazu missbrauchen, unsere eigene Vorstellung vom Tanz über die Jury abzubilden, sondern eher die Realität der Bewegungen in der Szene. Allerdings muss ich sagen, dass auch wir aus dieser Veranstaltung gelernt haben und in diesem Punkt noch einige Fragen offen bleiben. Generell finde ich, dass sich die Leute locker machen müssen. Es ist immer hart, eine lange Anreise in Kauf genommen zu haben, um dann nicht in die Battles zu kommen oder in den Battles früh auszuscheiden. Ich wünsche mir für die Zukunft, dass Crews weder wegen der Judges kommen noch wegbleiben. Sie sollten kommen, um das Ding an sich zu feiern, zu cyphern und alte Bekannte zu treffen.

Was persönlich ist dir wichtig bei einem Event dieser Größe?

Wir haben das Event in diesem Jahr zum ersten Mal ausgerichtet und uns zunächst auf das Wesentliche konzentriert. Das sind Kleinigkeiten, die für uns aber wichtig erscheinen. Es sollte genug Raum zum Austausch geben – also Platz für Cyphers, um die Energie aufrecht zu halten. Wir haben allen Tänzern ein Lunch-Paket und Wasser ausgehändigt. Wenn man sich gute Leistungen erhofft, muss man sich um eine gute Infrastruktur kümmern. Hier mal kurz ein Shout-out an das ganze Team für die intensive Unterstützung! Nicht zuletzt war uns Timing superwichtig! Bei einer so großen Anzahl von Crews geht viel Zeit für die Vorauswahl verloren. Wenn dann der Organisator nicht auf Trab ist, nervt das schnell.

War es dieses Jahr schwer, an Sponsoren ranzukommen?

Es gab keine Sponsoren! Das ist ein Sache, die wir für das nächste Jahr noch optimieren müssen. Ich denke, das generelle Problem mit Sponsoren

„Wichtig war uns, eine Jury zusammenzustellen, die Raum für verschiedene Fokusse bietet wie zum Beispiel Power oder Foundation.“

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