Performance: B-Boying in Indien (aus der BACKSPIN MAG #110)

 

AmB, Bunny, seit wann gibt es B- Boying in Indien und wie ist es hierher gekommen?

Bunny: Seit etwa 2005 gibt es so etwas wie eine Szene. Richtig aufmerksam auf B- Boying bin ich geworden durch das Musik Video „Its Like That“ von Run DMC, in dem Crazy Kujo aus L.A und andere B-Boys tanzen. Später habe ich auch viel im Internet gesehen.

AmB: Ich wurde auch durch Musikvideos auf MTV inspiriert, noch mehr aber von Bunny und Simon, als ich sie das erste Mal tanzen sah. Da stand für mich fest: Das will ich auch lernen.

Es ist anscheinend sehr schwer, in Indien gute Trainingsspots zu finden. Ich habe viele Tänzer auf Wiesen oder Straßen trainieren gesehen. Welche Möglichkeiten gibt es noch?

Bunny: Oh ja, es ist wirklich schwer, einen Trainingsraum zu finden. Meistens trainieren wir bei einem von uns zu Hause oder oben auf dem Dach. Darüber hinaus gibt es viele Gärten und Bahnhöfe, an denen wir manchmal tanzen.

Wie seht ihr den Rest der indischen Hip-Hop-Szene?

AmB: Die Szene ist in den letzten drei Jahren extrem gewachsen, ganz besonders im Tanzbereich. Aber auch die Graffiti-Szene ist größer geworden, man sieht immer mehr Bilder in den Straßen, und dazu eine Menge Tags. Auf Jams trifft man immer häufiger MCs und Beatboxer, die freestylen und auch auftreten. Nur gute Hip-Hop-DJs findet man schwer.

Was ist eure größte Inspiration? Was verleiht euch die Kraft, unter diesen Umständen jeden Tag weiterzumachen?

Bunny: Ich wollte schon immer etwas machen, das nicht jeder kann oder macht. Als ich angefangen habe, hatte ich nie jemanden breaken gesehen, höchstens im Fernsehen. Inspiriert hat mich Hip-Hop – nachdem ich mich mehr mit der Geschichte auseinandergesetzt habe und der Herkunft, und wie es Leute verbindet. Es gibt so viele gute B-Boys auf der Welt, das ist genug Inspiration für mich.

AmB: Meine größte Inspiration sind Bunny und meine Crew. Ich bin das einzige Mädchen, und ich kenne auch sonst nicht viele B-Girls in Indien. Mein Traum ist es, irgend- wann mal nach Amerika zu fliegen und die Hop-Hop-Kultur dort kennenzulernen. Was wisst ihr über die deutsche B- Boy-Szene?

Bunny: B-Boying gibt es schon verdammt lange in Deutschland, das ist, was ich mitbekommen habe. Es gibt einige verdammt gute und bekannte Crews wie die Flying Steps oder Battle Squad. Dazu gibt es mit dem Battle Of The Year eine der Größten B- Boy-Veranstaltungen auf der ganzen Welt. Akim Walter aka Zeb Roc Ski war einer der ersten in Indien, die uns was über die Kultur und die Kunst erzählten und andere Tänzer für Workshops hierher brachten.

Vor wenigen Monaten war Crazy Legs in Indien, um Workshops zu geben. Wie waren eure Eindrücke von dem, was er vermittelt hat?

AmB: Es war wirklich sehr schön, ihn hier bei uns in Indien zu haben. Es war sehr interessant, von einem der Pioniere zu hören, wie er die Sachen sieht und die Kultur beschreibt.

Bunny: Als ich das erste Mal davon hörte, dass Crazy Legs nach Indien kommen sollte, dachte ich, das sei ein Scherz. Ich habe es nicht glauben können. Erst als ich in der Zeitung gelesen habe, dass er wirklich kommt, konnte ich es glauben. Es war die beste Möglichkeit, einige Fakten zu erfahren und Fragen aus erster Hand beantwortet zu bekommen. Ich denke, sein Besuch hat die Szene hier noch einmal gut gepusht. Ihr habt bereits einige Veranstaltungen organisiert und bietet regelmäßig Workshops an. Was ist eurer Meinung nach das Wichtigste, um die Szene hier weiter voranzubringen?

Bunny: Wir haben ein Event ins Leben gerufen, das wir „Cypherholic“ nennen. Bei diesem Event geht es uns in erster Linie darum, Tänzer zusammen zu bringen und eine gute Zeit zusammen zu haben. Natürlich wollen wir auch Leuten, die nichts mit der Kultur zu tun haben, zeigen, was wir machen. Ich denke Battles, sind der Schlüssel für eine wachsende Szene. Gerade den jüngeren Tänzern macht es am meisten Spaß, sich in Battles zu messen.

Amb: Es gibt jetzt gerade mal seit ca. 5 Jahren eine Art Szene, ich denke es dauert noch ein bisschen bis die Leute erst mal verstehen, worum es eigentlich geht.

Kann es eurer Meinung nach auch in Bollywood Platz für B-Boys geben?

Bunny: Auf jeden Fall! Es gibt bereits einige Filme, in denen gebreakt wird – auch wenn es eigentlich überhaupt nicht passt. Wir haben auch schon in einigen Werbe- clips mitgetanzt. Das Interesse gibt es also sicherlich. R16 und Battle of the Year haben schon in Indien stattgefunden. Denkt ihr, Indien ist bereit dafür?

Bunny: Einerseits bieten die großen Wettbewerbe eine Plattform für B-Boys und lassen sie härter trainieren, um das nächste Level zu erreichen. Anderseits führt es dazu, dass die Leute eher Gas geben, um Dritte zu beeindrucken, als mit Spaß ihr Ding durch zu ziehen. Wenn du mich fragst, denke ich persönlich, dass es noch zu früh ist. Wir befinden uns noch in einem Entwicklungsprozess, die Leute wollen Spaß auf Jams und Partys, und es gibt auch noch nicht die richtige Musikszene hier. Dabei ist die Musik das Wichtigste.

Was wünscht Ihr euch in der Zukunft für die indische B-Boy Szene?

Bunny: Als B-Boy würde ich es mir wünschen, mein Land auch mit den besten Tänzern der Welt zu vertreten. Ich wünsche mir auch, dass alles in die richtige Richtung wächst und wir viel mit dem Rest der Welt teilen können.

AmB: Ich hoffe, dass wir als Szene weiter wachsen und etwas beisteuern können mit dem, was wir machen. Dass die Leute uns respektieren für das, was wir tun und dass wir uns mit dem Rest der Welt austauschen können.

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Orginaler Pottboi! Ich liebe das 45er Areal, doch hass‘ mich nicht. Ich komm‘ vorerst nicht zurück zu dir.

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