Pedaz – “Schwermetall”

Pedaz-Schwermetall-Cover

„Wat muss dat muss“ – seit Ende April steht Pedaz’ Debütalbum in den Plattenläden des Landes. Was nach einem Neueinsteiger im Rap-Business klingt, entpuppt sich als gestandene Größe des Ruhrgebiets – der Essener war bereits bei „Feuer über Deutschland 2“ gegen Mike Fiction zu sehen. Eines sei schon einmal vorweggenommen: Pedaz’ Haltung veränderte sich seither kaum, aber musikalisch fand er in seine Spur.

Wie ich bereits in unserem Backspin-Redaktionsspiegel schrieb, trifft der Albumtitel auf allen Ebenen zu. Die elektrische Gitarre als Hauptinstrument schrubbt auf Beats von Joshimixu und Abaz im schleppenden 82-88-BpM-Bereich schwerfällige Riffs. Es klingt, als hätten die tiefschwarzen Hände eines Kohlearbeiters von unter Tage Abdrücke am Gitarren-Hals hinterlassen. Auf eine kohärente Sound-Ästhetik legte der Rapper unüberhörbar großen Wert, allerdings lässt er dadurch vor allem für den Schlussteil jegliche Überraschungen außen vor. Folglich wirkt nach einer Stunde „Schwermetall“, der Mammut-Remix zu „Wie ein Mann“ mit inspirationsarmen Gästen wie Sido und MoTrip mehr wie Pflicht als Kür. Auch während der Zusammenarbeit mit RAF Camora zu „Vakuum“ wurden musikalische Kompromisse von beiden Seiten hörbar eingegangen. Glasklar, stellt man deren letzte Releases einmal gegenüber. Ein Debütalbum, das sich ohne Features allein auf die Stärken des Protagonisten konzentriert hätte, hätte Pedaz mehr Platz geboten, seine Persönlichkeit voll auszufahren.

Und diese Persönlichkeit ist maßgeblich geprägt von Kohletürmen, Schachten und Schichten – wer „Schwermetall“ genießen will, muss den Pott lieben. Die Mischung aus rohem Dialekt und ungeschliffenem Punchlinehumor („Bäcker wie Ben oder Boris“) sorgt vor allem in der ersten Viertelstunde Spielzeit für Aufsehen und Gelächter, flaut jedoch mangels Abwechslung schnell ab. Ein kunstvoller Umgang würde dem schwerfälligen Image mehr Schraffierungen verleihen, Pedaz aber bevorzugt die „Keine Faxen“-Tour. Diese offenbart sich auch in den Hooks, die eher nach vier melodischen, outgesourcten Bars klingen. Seine grundsympathische Malocher-Attitüde führte bereits zu einem stimmigen Kollabo-Album mit dem Würzburger Blut und Kasse. Allerdings werden sich womöglich nicht alle Fans von „100% Macher“ mit „Schwermetall“ anfreunden.

Als durchgängiges Battle-Album mit wenigen Ausbrüchen konzipiert, kämpft die Platte vor allem damit, sich nachhaltig in das Erinnerungsvermögen der Hörer zu fräsen. Pedaz’ „Schwermetall“ schließt zu alten Ruhr-Traditionen wie „Aus Liebe zum Spiel“ von Snaga und Pillath auf und damit ist dem Essener Rapper vor allem der regionale Erfolg garantiert.

The following two tabs change content below.
Seit 2014 Album-Kritiker an Bord der BACKSPIN, angeheuert als Reinkarnation Marcel Reich-Ranickis: „Ich kann nicht anders, ich muss einfach nörgeln“.
Hanfosan

Erzähl Digger, erzähl

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.