OK KID: „Wir sind vielleicht die Paradiesvögel in der Hip-Hop-Welt.“

Das letzte OK KID Album, welches schlichtweg den Namen der Band als Titel trug, liegt nun mehr knappe 3 Jahre zurück. Seitdem hat die dreiköpfige Band unzählige Konzerte sowie große Festivals und Stefan Raabs BuViSoCO bespielt, eine EP veröffentlicht und eben auch das Album „Zwei“ aufgenommen. Kurz vor Release hat sich BACKSPIN mit dem Gießener Trio getroffen und über Battlerap, Premiumboxen, die ewige „Kaffee warm“-Thematik und natürlich das Album selbst  gesprochen.

Ihr wurdet schon oft gefragt wie ihr eure Musik kategorisieren würdet. Auf „Zwei“ heißt es im ersten Song: „Dieser Junge war nicht TocoTronic. Digital war niemals besser als die Chronic.“ Warum genau ist „Chronic“ für euch besser als „Digital“?

Jonas: „Digital ist besser“ ist ja auch ein Album von Tocotronic und „This Boy is Tocotronic“ war ein Song. Raffi und ich sind ziemlich stark durch Deutschrap geprägt worden. Das Zitat was du angesprochen hast, ist so ein Representerding. Natürlich ist Hip-Hop für mich die wichtigste Prägung, die ich in meinem Leben hatte und Tocotronic fand man damals Scheiße. Mit 15 habe ich gewusst, wie deutsche Mucke cool klingt und das erste Mal als deutsche Mucke cool klang, war mit Rap. Ich konnte nie krass singen, aber hab Bock gehabt was zu schreiben. Darum habe ich mit 15 angefangen zu freestylen. Ich war nie so nerdmäßig nur auf Hip-Hop fixiert.

Dementsprechend stört es euch auch nicht, wenn ihr in die Pop-Ecke gestellt werdet.

Jonas: Wir haben das auf dem ersten Album sogar forciert. Wir konnten anscheinend damit auch provozieren, wenn wir sagen: „Wir machen Pop.“ Wenn man Pop macht, dann ist es auch cool, wenn man Ästhetik und Attitüde hat. Wenn das im Pop durch uns stattfindet, ist das doch cool.

Wir konnten anscheinend damit auch provozieren, wenn wir sagen: „Wir machen Pop.“

Im Rap wird ja oft die Frage gestellt, wie ein Song entsteht und ob zuerst Beat oder zuerst Text steht. Als Band stelle ich mir das deutlich schwerer vor. Wie ist das bei euch?

Moritz: Das ist ganz unterschiedlich. Normalerweise ist es so, dass Raffi oder ich eine Beatskizze mitbringen und sich daraus dann ein Text entwickelt. Jonas kriegt dann durch die Musik Zugang zu den Themen. Aber es ist echt unterschiedlich. Auf dem neuen Album hatten wir auch einen Text zu dem die Musik geschrieben werden musste.

Ist es für euch ein Unterschied einen raplastigeren Song wie „5tes Rad am Wagen“ oder ein poppigeren Song wie „U-Bahnstation“ zu schreiben?

Raffi: Vielleicht von der Struktur her. Sowas wie „5tes Rad am Wagen“ ist einfacher, weil es einfach nur ein Loop ist. Aber das muss dann halt ein Loop sein, der auch wirklich geil ist. Das ist genauso schwer wie ein geiles Arrangement zu machen. Beides ist nicht schwer und nicht leicht.

Ihr seid als Band stetig gewachsen. Irgendwann kam der BuViSoCo, ihr habt etliche Festivals und Konzerte gespielt und jetzt habt ihr auch ein Cover bei der „Intro“. Hättet ihr auch mit einem plötzlichen Hype leben können?

Jonas: Wir sind sogar dankbar, dass es nicht so gekommen ist. Ich glaube, dass es unserer Entwicklung schaden würde. Wir haben uns jetzt über drei Jahre was aufgebaut und das wächst kontinuierlich. Bei der jetzigen Tour ist das Publikum ist fast doppelt so groß wie bei dem letzten Album. Unsere Fans sind Leute, die haben uns nicht übers Radio, Plakate in der Stadt oder das Fernsehen kennen gelernt. Die haben uns einfach gefunden. Da sieht man einfach, dass das Leute sind, die an der Musik von uns interessiert sind und nicht nur zum Auftritt kommen, weil die einen Song aus dem Radio kennen.

Unsere Fans sind Leute, die haben uns nicht übers Radio, Plakate in der Stadt oder das Fernsehen kennen gelernt. Die haben uns einfach gefunden.

Raffi: Das muss ja auch voll Scheiße sein, wenn du die Band bist mit dem einen Song. Dann spielst du ein ganzes Konzert und weißt dabei aber insgeheim, dass die alle nur auf den einen Song am Ende warten. Bei uns macht das als Band viel mehr Bock, wenn du siehst, dass es unterschiedliche Stimmungen gibt, die aber irgendwie alle beim Publikum ankommen.

Moritz: Was man auch merkt, ist, dass die Leute krass am Start sind. Die sind krass treu. Die haben uns ausgesucht und supporten uns auf allen Ebenen. Das ist geil zu sehen.

Auf der letzten EP hieß es noch „OK KID – kurz vorm Hit links abgebogen“. Wie sieht’s mittlerweile mit den Hits und dem eigenen Anspruch aus? Wird das Spagat zwischen Anspruch und nicht anbiederndem Radiofame mit der Popularität größer?

Jonas: Ich glaube, dass wenn wir beim ersten Album eine andere Motivation gehabt hätten, hätte man das vielleicht erfolgreicher machen können, indem wir noch hier und da in eine Fernsehshow gegangen wären oder hier und da eine andere Band supportet hätten. Darauf hatten wir aber keine Lust. Wir haben das also auch mit kontrolliert, inwieweit wir stattfinden. Wenn wir jetzt krass auf Popstar gemacht und Fotos von ausverkauften Konzerten gepostet hätten, hätte das auch die Fans anders geprägt. Ich glaube unsere Fans sind ein bisschen ein Spiegelbild von uns selbst oder zumindest so wie wir früher waren. Unsere Fans sind auch Leute mit denen man nach der Show gerne mal einen trinken möchte. Solange das so bleibt, kann es auch wachsen.

Unsere Fans sind auch Leute mit denen man nach der Show gerne mal einen trinken möchte. Solange das so bleibt, kann es auch wachsen.

Raffi: Ich glaube auch, dass wir populärer werden, weil wir nicht auf Biegen und Brechen den Hit machen müssen. Das finden die Leute gut. Wenn du den Radiohit dann hast und dich dann veränderst und gibst, wie du eigentlich nicht bist, dann kannst du – meiner Ansicht nach – für eine kurze Zeit relativ viele Fans haben. Die kaufen vielleicht dein Album, aber die sind nicht gut für die Show. Du willst ja vor Fans spielen, die alles schätzen was du machst.

Auf dem neuen Album gibt’s den dritten Teil zu „Kaffee warm“, dabei steckt da ja noch viel mehr dahinter: Nimmt man noch „Geh nicht“ von Jona:s und „Es ist wieder Februar“ dazu, sind es schon fünf Teile und auch sonst gibt es immer wieder Verweise auf die Thematik.

Jonas: Ich glaube ihr seid die ersten, die das mit „Geh nicht“ bringen. Im ersten Teil von „Kaffee Warm“ ist auch die Line drin: „Geh nicht, geht weiter“. Die bezieht sich darauf. Es ist immer exakt das gleiche Thema, aber der Blickwinkel ändert sich mit der Zeit. Im Pressetext steht ja auch drin, dass wir immer dann gute Songs schreiben können, wenn sich für uns was verändert hat. Die Entwicklung von uns selbst lässt sich auch ganz gut an den Songs ablesen. „Geh nicht“ war ja fast schon devot. „Kaffee warm“ war einfach wie ein Ohnmachtsgefühl. Von „Februar (Kaffee warm 2)“ zu „Kaffee warm 3“ wird diese Zeile „Ich will nicht, dass du weißt, das ich nicht weiß was ich will“ umgedreht und zu „Ich will nur das du weißt, dass ich weiß was ich will“. Das ist von einer ganz schwachen Position aus, zu einer ganz starken, selbstbestimmenden Position hin. Das ist eigentlich cool, dass man sieht: So hat man früher darüber gedacht und so ist es heute. „Februar“ ist noch mal was anderes. „Kaffee warm 2“ spielt im Februar. Daraus ist das entstanden. „Kaffee warm“ ist eigentlich…vielleicht beendet.

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Hallo Deutschrap, ich bin ab jetzt fest bei BACKSPIN. Gewöhn dich an mein Gesicht - ich bin gekommen um zu bleiben.

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