Nimo: „Ich dachte: Jetzt ist alles vorbei“

Er kam, er sah, er fickte.
385idéal-Schützling Nimo wird schon seit geraumer Zeit als einer der stärksten Newcomer auf der Deutschrap-Landkarte betrachtet. Nach seinem ersten Hype, den sein Debüt-Mixtape „Habeebeee“ generierte, folgte einen Pause. Böse Zungen behaupteten, seine Zeit wäre längst wieder vorbei und jene Pause hätte er sich nicht erlauben können.
Nimo aber lässt Fotzen reden und bringt ganz entspannt sein Debütalbum „Kiki“ an den Start. Während der Prelistening-Party zu „Kiki“ in Berlin haben wir uns zum Interview getroffen und über sein Debüt, Songs für seine ehemalige Rektorin und verschlafene Gerichtstermine gesprochen.

Dein erstes Album „Kiki“ steht in den Startlöchern. Was bedeutet der Albumtitel und wie kam er zustande?

Nimo: Das Wort bedeutet nicht, es gefällt mir einfach. Das ist eine Sache zwischen Memo, Soufian und mir, wir haben das Wort zu dritt ins Leben gerufen. Gönn dir das mal, Kiki. Das ist sowas wie Bös oder Stöf.

Gibt es eine Grundaussage, auf die du das Album herunterbrechen könntest?

Nimo: Ich hab es geschafft, man und es geht weiter.

Welche Thematiken behandelst du konkret und welche waren dir besonders wichtig?

Nimo: Ich wollte unbedingt einen Mix haben, sodass das Album nicht monoton klingt und nicht zu langweilig wird. Außerdem sollte es auch nicht zu deep werden.

Nicht zu deep? Ich habe das Gefühl, dass Rapper meist absichtlich noch deepe Songs einbauen, um dem Hörer einen tieferen Einblick zu gewähren.

Nimo: Ich habe noch Zeit, ich bin 21 Jahre alt. Was soll denn ein 21-jähriger jetzt über deepe Sachen rappen? Mir geht’s gut. Du musst andere Leute mit deiner Musik glücklich machen.

Welche Idee steckt hinter der Covergestaltung?

Nimo: Das Cover sollte einfach nur klassisch aussehen und ich finde, es hat geklappt. Klassisch und dezent.

Auch eine Deluxebox zum Album gibt es –

Nimo: Nennen wir es einfach Box, Deluxe klingt so übertrieben.

Okay, zu „Kiki“ existiert eine Box. Welche Gimmicks sind außer dem Album in der Box enthalten und wieso habt ihr euch für diese entschieden?

Nimo: Was ich hauptsächlich in der Box haben wollte, ist der Bucket Hat. Das ist mein Markenzeichen, wenn man es nennen will – ich trag eben gern Buckets. Außerdem kiffe ich und deshalb muss in meiner Box unbedingt ein Crusher sein und Longpapes, kein unnötiges T-Shirt oder sowas.

Lass uns mal über die Produktion des Albums sprechen, für welche Produzenten hast du dich entschieden?

Nimo: Die Produzenten waren SOTT, Oster, X-Plosive, Bazzazzian, Farhot, Veteran, Deniz the Producer, Pzy, Matveï, Lex Lugner, Zecko, Sti, Jugglerz und Lucry.

Ist das Album dementsprechend auch in mehreren Studios entstanden?

Nimo: Nein nein. Das ganze Album wurde im idéal-Studio aufgenommen. Die Produzenten haben mir die Beats geschickt und ich habe mir dann die gepickt, die ich haben wollte. Mein Manager hat mir diverse Beatpakete von Produzenten geschickt. Es ist ja normal, dass Produzenten ihre Beatpakete an Labels schicken. Die Rohauswahl der Beats hat etwa drei, vier Monate gedauert, ich habe mir Zeit gelassen.

Wirft man einen Blick auf die vertretenen Featuregäste, sind die meisten Gäste aus deinem Umfeld: Beispielsweise sind Haftbefehl, Celo&Abdi, Hanybal und Olexesh vertreten.

Nimo: Aber es gibt auch Leute, die man nicht erwartet hätte wie Ufo361 oder Yung Hurn.

Ja, über die Namen bin ich auf jeden Fall gestolpert, als ich die Tracklist zum ersten Mal gesehen habe.

Nimo: Viele würden erwarten, dass ich jetzt mit komischen Features um die Ecke komme, weil ich bei Universal bin. Mit Leuten, die gar nicht zu mir passen würden.

Wessen Feedback ist dir besonders wichtig? Wer sind die ersten Leute, die die Entwürfe zu „Kiki“ zu hören bekommen haben?

Nimo: Soufian, Memo und die Jungs aus meiner Hood Leonberg. Einfach die Leute, mit denen ich mich am meisten umgebe. Das Feedback fiel sehr gut aus. Es gibt Leute, die Musik wie ich hören und Leute, die Musik anders wahrnehmen. So habe ich verschiedene Meinungen gehört. Viele sagen, das ganze Album ist krass, aber andere sagen auch, dass sie nur zwei Songs gekickt haben und der Rest eben nicht.

Du wirkst dennoch sehr zufrieden mit dem Album.

Nimo: Normal, das war nicht mein letztes Album.

Das ist mein erstes Album, man. Ich bin nicht Biggie, dass ich jetzt damit Platin gehe.

Man muss einfach realistisch bleiben und dafür, dass das mein erstes Album ist, bin ich sehr zufrieden. Es erscheint über Universal – weißt du, was ich meine? Die Beats und die Produzenten sind krass, die Videos werden krass, es ist einfach Bombe. Warum sollte ich nicht zufrieden sein?

Fällt dir spontan eine Randanekdote rund um das Album ein – gibt es etwas, das du so nicht erwartet hättest?

Nimo: Dass alles gut gelaufen ist (lacht). Das hätte ich nicht erwartet. Aber zwei Tage bevor meine Tour begonnen hat, hatte ich ein Gerichtsverfahren, das ich einfach verschlafen habe. Ich bin morgens aufgewacht, habe gecheckt, dass ich verschlafen habe und hatte unzählige Nachrichten auf meinem Handy. Der Richter wollte einen Haftbefehl erlassen, ich war völlig am Durchdrehen. Ich hatte solch einen riesigen Schock und dachte: Jetzt ist alles vorbei. Dann bin ich zu einem Kollegen gefahren und habe von dort alles geklärt und meinen Manager und meinen Anwalt angerufen. Drei Tage musste ich warten und dann hat der Anwalt glücklicherweise geklärt, dass ich auf Tour gehen konnte.

In diesen drei Tagen dachte ich mir: Du könntest der nächste Absolute werden und du hast es einfach verschlafen.

Stell dir mal vor, du musst in den Knast, dort fragen dich die anderen Insassen, wieso du dort bist und dann musst du sagen, weil du verschlafen hast. Mein Vater hätte nachts wach gelegen und sich gefragt, wieso sein Sohn nicht da ist. Das alles, weil ich verschlafen habe. Verstehst du, was ich meine? Was für eine Dummheit einfach alles hätte ficken können! Bis zu dem Zeitpunkt war alles so reibungslos verlaufen, dass ich mir gedacht habe, ich habe es gebraucht, mal wieder auf den Boden geholt zu werden.

Das klingt so, als sei dir das auf jeden Fall eine Lehre gewesen.

Nimo: Ich schwöre dir, ich will nie wieder eine Gerichtsverhandlung haben. Und falls ich doch noch eine haben sollte, werde ich die auf jeden Fall nicht verschlafen.

Lass uns lieber wieder über die Musik reden. Welcher ist dein persönlicher Lieblingstrack auf „Kiki“?

Nimo: „Irgendwann“ ist mein Lieblingstrack. Du kannst den Track aus verschiedenen Perspektiven sehen. Ich habe ihn außerdem in einem Zug runtergeschrieben, das war wie bei „Nie wieder“. Das war einfach das, was ich gefühlt habe. Während ich „Irgendwann“ geschrieben habe, habe ich bereits das Video vor meinem inneren Auge gesehen. Wenn ich den Track heute jemandem zeige, sage ich den Leuten erst, was sie sich visuell dazu vorstellen sollen.
Außerdem kann der Song so viele Leute betreffen, es geht einfach um dich und deine Lage. Das kann einen Arbeiter betreffen, einen Jungen im Krankenhaus oder jemandem, dem in seiner Situation einfach alles zu viel ist. Warum hat denn auch „Nie wieder“ so viele Leute getroffen? Weil der Song etwas thematisiert, das sie anspricht. Sie haben mit Kleinigkeiten angefangen, ihre Eltern haben ihnen kein Geld gegeben und sie haben Dummheiten gemacht. Das war kein Clubsong, aber Leute haben es gefeiert.

Kannst du dich auch auf eine Lieblings-Line beschränken?

Nimo: „Ihr solltet lieber besser eure Kids erziehen, ich hab mit dem ganzen Scheiß nix zu tun, ich will nur meine Geschichte erzählen“ aus „Warum hasst ihr mich“.

Du möchtest selbst kein Vorbild für deine Fans sein?

Nimo: Genau, weil ich selbst noch ein Kind bin. Du solltest dir mich nicht als Vorbild nehmen und allgemein solltest du keinen Künstler aufgrund seines Charakters als Vorbild nehmen. Du kannst ihn musikalisch als Vorbild nehmen, denn deshalb ist er bekannt. Wenn er sich mit seinem Charakter engagiert, beispielsweise ein Institut gründet, dann kannst du das feiern. Du darfst keinen Rapper nachahmen. Man muss dringend den Unterschied zwischen Musik und Charakter sehen. Ich bin zwar ein guter Mensch, aber ich bin auch verrückt. Deshalb möchte ich auf gar keinen Fall verantworten, wenn Menschen es mir gleich tun.

Die Debatte, ob Rapper sich automatisch ihrer Vorbildfunktion annehmen müssen, existiert ja schon ewig.

Nimo: Die Leute sollen einfach ihre Kinder erziehen und aufhören, mir Nachrichten auf Facebook zu schreiben, dass irgendjemand wegen mir angefangen hat zu kiffen. Das passiert so unfassbar oft.

Als mein Vater herausgefunden hat, dass ich kiffe, hat er auch nicht Snoop Dogg dafür verantwortlich gemacht.

Such den Fehler bei dir selbst – auch gut erzogene Kinder kiffen, aber pass doch einfach auf dein Kind auf.

Wie entgegnest du solchen Nachrichten? Erklärst du deine Sichtweise?

Nimo: Ich erkläre meine Sichtweise auf „Warum hasst ihr mich“.

Was ist der konkrete Kaufanreiz von „Kiki“? Warum sollte man unbedingt in die Läden gehen und sich „Kiki“ kaufen?

Nimo: Es gibt keinen konkreten Kaufanreiz. Es gibt im Vorfeld ja Videos, Hörproben und Interviews. Du kannst dir so ein Bild des Künstlers machen und wenn es dir gefällt, das Album kaufen und hast es für dich.

Können wir schon über die Zukunft sprechen? Was steht nach Release an, wie geht das Jahr 2017 für dich weiter?

Nimo: Dieses Jahr gehe ich auf Tour, dieses Jahr spiele ich auf Festivals, dieses Jahr will ich auch auf jeden Fall noch lange reisen.

Weiter geht’s auf Seite 2.

The following two tabs change content below.
Ist mittlerweile seit 3 Jahren bei BACKSPIN und hat die Leitung der Online-Redaktion inne. All ihre Fans sind maskuline Jungs, jaja.

Seiten: 1 2

Erzähl Digger, erzähl

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.