Nationale Preisverleihungen: Deutscher Rap auf dem Vormarsch

Jedes Jahr werden die besten beziehungsweise relevantesten Musiker mit Preisen ausgezeichnet. Inwiefern Rap in unserer gesellschaftlichen Mitte angekommen ist, lässt sich anhand der wichtigsten nationalen Preisverleihungen nachvollziehen. Denn diese werden mittlerweile Regelrecht überschwämmt mit Rap. Sei es der Echo, der Preis für Popkultur oder aber auch die 1LIVE Krone. Letztere findet bald wieder statt. Am 7. Dezember können einige Rapper erneut abräumen. Casper, Cro und Marteria sind jeweils zwei Mal nominiert. Mit vier Alben in der Auswahl ist Rap in der Kategorie „Bestes Album“ klar in der Überzahl. Wir haben uns die Entwicklung der letzten fünf, sechs Jahre angeschaut.

1LIVE Krone

Um mal Yassin zu zitieren, wie er andere Sprechgesangsartisten zitiert: „Sie sind nicht mehr aus ihr wegzudenken.“ Deutsche Rapper gehören mittlerweile zum Grundrepertoire des WDR-Preises. Das war nicht immer so: Denn bis 2010 konnte man das Gefühl bekommen, dass die einizgen deutschen Hip-Hop-Acts Die Fantastischen Vier und Fettes Brot seien. Nachdem Marteria mit seinem Album „Zum Glück in die Zukunft“ deutschen Hip-Hop wieder ins Rampenlicht rückte, war es Casper, der 2011 alle Mauern einriss und mit „Xoxo“ kurzerhand den Preis für das beste Album abräumte. Bei der darauffolgenden Krone wurden Frittenbude zum besten Plan-B-Act und Cros „Easy“ zur besten Single gewählt. Seither sind mindestens drei Preise pro Jahr an Rapper gegangen. Mitunter ein Grund dafür ist die eigene Kategorie, die Hip-Hop seit 2014 inne hat. Damit hat man die Kategorie „Bester Plan-B-Act“ ersetzt, in der Künstler außerhalb der klassischen Popindustrie die Chance auf einen Preis hatten. Dieses Jahr sind die Beginner, Casper und Marteria zum besten Live-Act nominiert. Dominiert wird die Kategorie des besten Albums: Casper, Cro, Marteria und Rin treten hier für Deutschrap an. Für den besten Hip-Hop-Act stehen Bausa, Cro, Kontra K, Raf Camora, Savas & Sido sowie Sxtn zur Wahl. Den Rap-Moment der ganzen Veranstaltung konnten wir 2014 erleben, als Kollegah und Sido gemeinsam mit Jan Delay und Marteria auf der Bühne stand.

Preis für Popkultur

Neben der 1LIVE Krone gibt es seit 2016 auch den Preis für Popkultur, bei dem auch Rap seinen Platz gefunden hat und man direkt das Gefühl bekommt, dass das Genre mit seinen Vertretern ernstgenommen wird . So waren im ersten Jahr fünf Rapper beziehungsweise Crews in sieben Kategorien nominiert und nahmen drei Preise mit nach Hause. Alleine K.I.Z. konnten in sechs mal auf den ersten Platz gewählt werden. Sie sind in den Kategorien „Lieblingsband“, „Lieblingslied“, „Lieblingsvideo“, „beeindruckendste Live-Show“, „Spannendste Idee/ Kampagne“ und „Lieblingsalbum“ angetreten, durften aber keinen Preis mitnehmen. Deichkind hingegen konnten sich über den Preis für die beeindruckendste Live-Show freuen. Sonstige Errungenschaften deutscher Rap-Künstler: Casper trat auf, „Lang lebe der Tod“ wurde zum „Lieblingslied“ und „Ahnma“ von den Beginnern zum „Lieblingsvideo“ gewählt. In diesem Jahr war die Rap-Präsenz dann noch höher. Mit Marteria, Mine & Fatoni und Zugezogen Maskulin gab es gleich drei Auftritte und in der Kategorie „Lieblingsproduzent“ waren vier von fünf Nominierte aus dem Rapbereich , von denen sich aber keiner den Titel sichern konnte: Farhot (hat von Cheftket bis Haftbefehl fast schon alles produziert), Markus Ganter (hat an den letzten beiden Casper-Alben mitgearbeitet), Moses Schneider (unter anderem für Dendemann und K.I.Z. tätig) und The Krauts (haben die letzten drei Marteria-Werke produziert). Gewinner der Veranstaltung waren die Beginner, die mit „Advanced Chemistry“ das „Lieblingsalbum“ beisteuerten, Marteria als „Lieblingskünstler“ und „Lang lebe der Tod“ darf sich als „Lieblingsvideo“ 2016 bezeichnen.

Echoverleihung

Über den künstlerischen Aspekt eines Werkes sagt der Echo wohl nicht viel aus. Der Preis vom Bundesverband der Musikindustrie funktioniert nach dem Motto „aus mehr noch mehr machen“. Denn die Interpreten werden anhand von Verkaufszahlen nominiert, sodass die Vertreter der Industrie ihren Schützlingen noch mehr Aufmerksamkeit bieten können, während sie den Schein wahren wollen, Helene Fischer oder Frei.Wild hätten aufgrund ihrer großartigen Musik gewonnen. Um es nochmal in Yassins/ Wu-Tangs Worten zu sagen: „Kohle regiert alles um mich herum.“ Für mehr Infos rund um die Organisation und Preisvergabe könnt ihr den Artikel vom Musikexpress lesen. Seitdem die Veranstalter verstanden haben, dass der totgesagte Rap vor Lebensfreude strotzt, schmückt man sich auch gerne mit Vertretern dieses Genres. 2017 traten beispielsweise KC Rebell und Summer Cem gemeinsam mit Adel Tawil und die Beginner mit Gzuz und Gentleman auf. Letztere wurden auch fünf mal nominiert und durften mit ihrem Album „Advanced Chemistry“ gleich zwei Preise mit nach Hause nehmen. Zusätzlich wurden die „Quotenrebellen“ der Antilopen Gang für den Kritikerpreis zur Wahl gestellt. Dass Kollegah mit „King“ und „Zuhältertape 4“ zweimal in Folge die Kategorie „Hip-Hop/ Urban“ dominierte, überrascht anhand seiner Verkaufs- und Streamingrekorde wohl niemanden. Einziger Lichtblick der Veranstaltung war lediglich der Besuch der 187 Straßenbande 2016, welche sich herrlich authentisch und frei von jeglichen Konventionen präsentierten. So bleibt uns an Preisen, die etwas über Qualität aussagen können, lediglich die 1LIVE Krone und unsere neue Hoffnung Preis für Popkultur.

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