Nanik: „Ich will nicht als Contest-Rapper abgestempelt werden“

Im Jahr 2015 tat das Label Chapter ONE sich mit dem Musikvertrieb Spinnup zusammen, um auf gemeinsame Mission zu gehen. Jene Mission lautete #Raptags und verfolgte das Ziel, durch einen Wettbewerb das größte Rap-Talent des Landes ausfindig zu machen.
Lange Rede, kurzer Sinn: Ende 2015 wurde Nanik zum Gewinner der ersten Ausgabe von #Raptags gekürt und gewann somit nicht nur jede Menge Aufmerksamkeit der Deutschrap-Medienlandschaft, sondern auch die Möglichkeit, sein Debütalbum unter optimalen Bedingungen aufzunehmen.
Dieses Album trägt den Titel „Ünal“ und steht ab heute in den Plattenregalen der Republik.
Wir haben Nanik zum Interview getroffen und mit ihm über die Entstehung seines Debütalbums, schmutziges Geld und #Raptags gesprochen.

Nanik, du bist der Gewinner von Raptags 2015. Lass uns mal einen Rückblick wagen: Wie bist du mit HipHop in Berührung gekommen?

Nanik: Ich habe Ende 2006 meinen ersten Text geschrieben, vorher hatte ich durch meine Familie viel Kontakt mit Musik. Mein Cousin hat mir irgendwann 2Pac vorgespielt. Das ist bei mir total hängen geblieben, dadurch habe ich angefangen, internationalen Rap zu hören. Mein Interesse für Deutschrap wurde erst in meiner Jugend geweckt. Das hat mit Aggro Berlin und Eko Fresh begonnen. Die Zeit als Eko sein „Hartz 4“ Album gedroppt hat, war auch die, als ich meine ersten Texte geschrieben habe. Freunde von mir haben sich im Jugendzentrum getroffen und dort immer gerappt. Irgendwann bin ich dazu gestoßen und wollte mitmachen. Als ich meinen ersten Text zuhause geschrieben habe, habe ich gemerkt, wie viel Spaß mir das macht und dass ich Texte total locker einfach runterschreiben kann – ich hatte nicht mal einen Beat, sondern mir einfach im Kopf einen Takt überlegt.

Stand es vor der Teilnahme an Raptags für dich schon einmal zur Debatte, hauptberuflich Musik zu machen?

Nanik: Auf jeden Fall! Seitdem ich Texte geschrieben habe, wollte ich es immer auf ein professionelles Level bringen. Damals hatte ich jedoch nicht die Möglichkeiten. Ich war da schon jemand, der gern mit optimaler Qualität arbeitet, aber Geld für gutes Equipment hat schlichtweg gefehlt. Aufgenommen haben wir die Songs trotzdem. Deshalb wollte ich damals aber keine Demos verschicken. Außerdem musste ich schon früh Geld nachhause bringen und ich wusste, die Optionen, das mit Rap zu schaffen, gibt es da, wo ich herkomme, einfach nicht. Auf Wunsch meiner Eltern habe ich also erst einmal meinen Abschluss gemacht und mir anschließend eine Ausbildung gesucht, damit ich sie unterstützen kann. Mit der Ausbildung habe ich das Fundament gelegt und jetzt versuche ich, mich im Rap zu etablieren.

Als Künstler ist es vermutlich immer eine kluge Entscheidung, einen Plan B parat zu haben.

Nanik: Ich war nie derjenige, der plötzlich alles hinschmeißen wollte, das konnte ich meinen Eltern einfach nicht antun. In meinen Kreisen gab es auch viele Leute, die mit kriminellen Dingen zu tun hätten. Das wäre auch eine Option gewesen, aber ich hätte kein schmutziges Geld nachhause bringen können – ich hätte meinen Eltern nie wieder in die Augen gucken können.
Deshalb habe ich mir vorgenommen, helal money zu machen (lacht).

Wie hat deine Familie deinen Sieg bei Raptags wahrgenommen?

Nanik: In der Vergangenheit haben sie sich irgendwann damit abgefunden, dass aus dem Kinderzimmer sehr viel Krach kommt. Sie haben mir ans Herz gelegt, mir erst einen richtigen Job zu suchen, aber ich habe ihnen immer gesagt, dass ich mein Geld irgendwann mit Rap verdienen möchte. Sie haben mitbekommen, dass ich bei Raptags teilnehme und als sie erfahren haben, dass ich ins Finale komme, haben sie das total fieberhaft verfolgt. Zuhause haben sie das im Livestream geguckt und die ganzen Nachbarn gerufen und sowas.

Ich glaube, als ich das Finale gewonnen habe, dachten sie, ich werde jetzt sofort ein krasser Star (lacht).

Ich habe dann erklärt, dass ich einen Contest gewonnen habe und das lediglich der erste Schritt war.

Die erste Assoziation, die viele haben, hören sie deinen Namen, ist vermutlich Raptags. Fühlst du dich auf den Contestsieg reduziert?

Nanik: Durch Raptags habe ich das ermöglicht bekommen, was ich aktuell tue. Ich möchte nur nicht, dass man mich als Contest-Rapper abstempelt. Ich habe mir Mühe gegeben, dass das auf dem Album klar wird. Vorher war ich auch nie solch ein Contest-Typ. Wegen des Images habe ich Contests früher gemieden. Dann habe ich mir aber Raptags und die Jury angeguckt und das schien mir alles sehr professionell.

Dein Debütalbum „Ünal“ erscheint am 03. März – wie ist es thematisch aufgestellt?

Nanik: Das Album ist rund geworden, allerdings wollte ich es von Anfang an vielfältig halten. Ich wollte nicht der Street-Typ sein, der nur vom Ticken rappt, das bin ich einfach nicht. Es geht viel um Loyalität, die Gang-Mentalität pushe ich ständig. Meine Jungs sind immer mit dabei und die möchte ich mit hochziehen. Außerdem thematisiere ich die Macht des Volkes und was ein einzelner Mensch bewirken kann, wenn er nur den Mut hat. Es wird auch das Thema Frauen behandelt, allerdings wird heutzutage überall nur noch über Bitches gerappt, das mache ich anders.

Fühlst du dich von dieser Umgangsform mit Frauen im Straßenrap gestört?


Nanik: Nein, gestört fühle ich mich nicht. Bitches bleiben Bitches. Aber es gibt eben auch Frauen mit Klasse, die du nicht als Bitch betiteln kannst. Bitches behandelt man wie Bitches, Frauen behandelt man wie Frauen.

Du hast vorhin erzählt, dass du tendenziell perfektionistisch veranlagt bist. Inwiefern hatte dein Perfektionismus Einfluss auf den Produktionsprozess von „Ünal“?

Nanik: An den Texten habe ich schon lange gefrickelt, das ist ja mein Part. Die Produzenten haben sich natürlich genauso reingehängt, ich vertraue denen da sehr. Natürlich gebe ich dazu mein Feedback dazu und versuche, überall dabei zu sein.

Dieses Album ist mein Baby und ich möchte jede Kick und jede Snare selbst hören.

Dann kann man schauen, ob man noch etwas verbessern kann.

Wie sieht deine Erwartungshaltung an dein Debütrelease aus?

Nanik: Natürlich wäre ein guter Verkauf optimal. Aber ich weiß eben auch, dass es mein Debütalbum ist. Ich habe bewusst keine großen Namen mit auf die Featureliste gepackt, weil es mein Ding ist. Sollte es nicht laufen, weiß ich, dass ich mich eben noch verbessern muss und noch mehr Energie in alle Bereiche investieren muss.

Das Jahr ist noch recht jung, welche Ziele hast du dir für 2017 gesteckt?

Nanik: Erst einmal soll das Album erscheinen. Danach wird man sehen, was sich ergibt. Ich möchte auf jeden Fall alles mögliche mitnehmen. Ich liebe Auftreten – ich möchte in den Medien stattfinden und überall präsent sein. Ich bin wirklich gespannt, wie das Album live ankommt. Die Leute sollen wissen, dass ich auch live abreiße.

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Ist mittlerweile seit 3 Jahren bei BACKSPIN und hat die Leitung der Online-Redaktion inne. All ihre Fans sind maskuline Jungs, jaja.

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