Name: Figub Brazlevic (aus BACKSPIN #118)

...eigentlich ja Mario, aber mein Gedanke war das unkonventionelle. Ich gehe gerne meinen eigenen Weg und das ist ja das, was Hip-Hop eigentlich will.

ALTER: 33

WOHNORT:  Berlin, seit Sieben Jahren in Moabit.Ich will es ja immer nicht wahrhaben, aber Berlin war unglaublich wichtig.

PRODUZIERT SEIT: 20 Jahren

EQUIPMENT: Computer seit 20 Jahren. Ich habe noch einen
MPC-Beat auf eine meiner Platten gepackt..

FAVORITE BREAKS: Ich kreiere meine eigenen Breaks. aber mein favorite Break, das noch nie richtig gesampelt wurde, ist ,,Voodoo Child“ von Jimmy Hendrix mit Mitch Mitchel auf der live-Version. da spielen sie das so krass bluesig.

FAVOURITE HIP-HOP-SONGS: „Samurai“ von Shurik’n, ,,O-zone“ von O.C. ,,Fu-gee-La“ von The Fugees und eigentlich ds ganze Album ,,Enta the stage“ von Black Moon.

FAVOURITE HIP-HOP-SONG YOU WISH YOU HAD PRODUCED: Wu-Tang- Clan: „Protect Yaneck“.

FAVOURITE NON-HIP-HOP-SONGS: Smooth Operator“ von sade und „Cool out“ von Leroy Hutson und Simply Red  hat auch einen halben Katalog, den ich feiere! DIie Instrumentierung ist für mich einfach unheimlich wichtig! 

FAVOURITE HIP-HOP-PRODUCER: The 45 King, Mar Sparks, Buckwild, Pete Rock, Mono Massive aus Wien ist unglaublich und auch Bluestaeb. Frenk Sinatra und Dexter beispielsweise sind auch krasse Produzenten . Aktuell gibt es ganz viele Nachwuchskünstler, ich gucke ehrlich gesagt fast nicht mehrüber den ganz großen Teich. Muss man auch einfach nicht mehr, wir machen in Europa gerade den fettesten Sound.

FAVOURITE NON-HIP-HOP-PRODUCER:  Keine.

AKTUELLE PRODUKTIONEN: Labelgründung „Krekpekrecords“ und ein Projekt mit einem jungen MC aus Schweden. Die erste Produktion rinrd kompletten Rap-albums und die dritte Beatmaker-Compilation ,,Audio Dope“ stehen an.

Wie bist du zum Produzieren gekommen? Wer hat dich dazu gebracht?

Durch meinen Freund Oli. Sein Künstlername ist Oli- vier Buscapé, er hatte schon früh mit dem Rappen begonnen. Ich habe zu dieser Zeit selbst auch schon Hip-Hop gehört. „Temples of Boom“ von Cypress Hill war eins der ersten Alben, die ich unbedingt haben wollte. Damals habe ich noch Techno produziert und eines Tages hat mich Oli gefragt, ob ich ihm einen Beat bauen kann und den fand er dann auf Anhieb cool. Auf diesen Beat durfte ich sogar einen Part mit ihm rappen, der Song hieß „Fantasie“. Wir waren so jung, ich war da 13 Jahre und wir hatten noch in diesem Jahr unseren ersten Live-Auftritt auf einer Fastnachtsparty vor 800 Leuten oder so. Damit hat es angefangen und ich war voll im Film. Ich hatte eben davor Hardcore-Techno gemacht und empfand Hip-Hop dann als so energetisch.

Wie würdest du deinen Style beschreiben und hat er sich über die Jahre verändert?

Mein Style ist unkonventionell in der Art und Wei- se, wie ich es mache. Vom Flavour her haben wir uns früher komischerweise geschämt, dabei hätten wir uns überhaupt nicht zu schämen müssen. Wir hätten schon viel früher Musik herausbringen sollen. Schon 2002, da war ich 19, da hatte ich schon Beats, bei denen mir klar war: „Das wird was!“ Ich habe sehr viele unterschiedliche Styles. Was ich mag, ist einfach jede Form von fetten Hip- Hop-Beats. Ob es die düsteren oder die funkigen Dinger sind: Ich finde, ich kriege sie alle irgendwie hin. Und ich entwickle mich immer weiter.

Glaubst du, dass dein Equipment eine große Rol- le dabei spielt, wie deine Beats klingen?

Ja, denn ich hatte kein Equipment beziehungs- weise kaum. Heute kann ich alles machen und bin vielleicht sogar zu faul, um manche Techniken oder etwas Neues auszuprobieren. Damals hatte ich einen alten Rechner und wenn ich ein falsches Sample geladen hatte, dann hat der Rechner mal 20 Minuten gebraucht, bis er das wiedergegeben oder eben gestoppt hat. Es ging einfach alles richtig langsam, manchmal bin ich skaten gegangen, während ich ein Sample geladen habe. Zu dieser Zeit war ich dann einfach sehr kreativ. Ich hatte wirklich nichts und ich dachte auch irgendwie, das ist alles nichts wert, deshalb habe ich so viel rausgeholt wie nur möglich. Das war auch mein Ansporn: „Ey, ich habe hier eigentlich nur einen Rechner, ich habe ‘ne Tastatur, ich habe ’ne Maus und Lautsprecher von Aldi – keep that shit!“ Anders lässt es sich nicht beschreiben.

Wie haben sich deine Produktionen im Laufe der Zeit weiterentwickelt? Gibt es bestimmte Routi- nen, die du immer machst, wenn du einen Beat baust?

Verändert haben sie sich dadurch, dass ich Wiederentdeckungen gemacht habe. Anstatt in die Zukunft bin ich in die Vergangenheit gereist und habe ein paar Platten und Situationen wieder für mich entdeckt. Ein Album war beispielsweise „Makin’ Moves“ von Kirk 1994, da war ich 17 Jahre und hatte von dieser Platte auch etwas gesamplet. Meine damalige Freundin hatte diese Platte mitgenommen, als sie mich verließ, und vor drei oder vier Jahren habe ich dann wieder Kontakt zu ihr aufgenommen, weil ich das Bedürfnis hatte, mal den Stress mit ihr zu klären. Irgendwie hatte ich jahrelang das Gefühl, ich habe bei ihr irgendwas vergessen – auch in Sachen Selbstwert. Sie hat mir dann zum Geburtstag genau diese CD wieder geschenkt und ich war wieder total hin und weg. „Man of Booom“ ist von diesem Album auch un- glaublich viel beeinflusst. Routinen gibt es, wenn überhaupt, nur in soweit, dass ich meine Beats oftmals gleich anfange. Ich suche mir meist erst mal mein Drum-Konstrukt zurecht und sehe zu, dass mir der Sound gefällt und ich gleich am Nicken bin. Nach 20 Jahren merkt man recht schnell, was man mag, und ich bin auch mehr Sound-Designer als nerdiger Beat-Typ.

Welche deiner Produktionen magst du selbst am liebsten und warum?

„Die Expedition“ mag ich extrem. Die Platte war irgendwie nach sechs Tagen ausverkauft, das war das Absurdeste, was ich bis dahin erlebt hatte. „Expedition“ ist schon auch die Platte, die am mei- sten Veränderung in mein Leben gebracht hat und die ich ohne zu skippen durchhören kann.

Denkst du, dass ein Street-Rapper eher einen an- deren Sound braucht als zum Beispiel ein Conscious-Rapper?

Nein, ich finde, es kommt darauf an, was ein Rapper vermitteln will. Bei ausdrucksstarken Songs, gerade im Deutschrap, wo die Lyrik auch mal sehr geschwollen ist, kann der Sound gerne übertrieben sein.

Wie wichtig ist es dir eigentlich, was ein Rapper oder Sänger auf deinen Beats sagt?

Das muss der MC für sich selbst wissen, ich schrei- be niemandem etwas vor. Und wer mich dafür kritisiert, dass ich mit so vielen Künstlern aus verschiedenen Ecken zusammenarbeite, dem muss ich sagen: „Okay, dann höre dir eben 99 Prozent der anderen Songs an.“ Die MCs müssen selbst wissen, was sie mit meinen Beats tun. Es gibt selten mal eine Situation, in der ich sage: „Überleg dir das bitte noch mal.“ Ich habe früh gelernt, damit umzugehen und Respekt dafür aufzubringen, dass MCs darüber rappen, worüber sie eben rappen.

Wie siehst du Hip-Hop heutzutage?

Es ist interessant, was Hip-Hop heute ist. Hip-Hop ist so groß! Ich habe mit Leuten aus der ganzen Welt zu tun und das ist für mich das Schönste. Auch dass ich mit vielen Female-MCs schon gearbeitet habe. Ich habe so viel Freude an Hip-Hop und zu vielen Legenden-Rappern einen guten Draht und konnte sogar vielen von denen noch Einiges zeigen. Ich bin gerne Szene-Klebstoff und bringe unglaublich gerne Leute zusammen, die nicht unbedingt etwas miteinander zu tun haben. Das ist für mich Hip-Hop.

Woran arbeitest du gerade? Was kommt Neues von dir?

In erster Linie haben wir gerade ein neues Label gegründet: Krekpek Records. Momentan arbeite ich an einem Projekt mit Christmas, einem jungen MC aus Schweden. Ein unglaublich guter Musiker mit einer krassen Lebensgeschichte. Dazu ist er aber auch ein unglaublich positiver Mensch – ein Ninja. Mit ihm haben wir jetzt ein Album aufgenommen. Außerdem habe ich jetzt mein erstes komplettes deutsches Rap-Album mit John Known aus Ham- burg produziert. Und es steht die dritte Beatmaker- Compilation „Audio Dope“ an, die bringen wir demnächst auch auf Vinyl raus. Und noch viele, viele Einzelproduktionen.

Wenn du heute einen Remix machen dürftest, ob Hip-Hop oder nicht, welchen Titel würdest du wählen?

Wenn ich Einzelspuren kriegen könnte, dann wäre es, glaube ich, etwas von The Doors, wahrscheinlich „Riders on the Storm“. Oder auch etwas von Prince oder Genesis.

Welche anderen Musikstile reizen dich und warum? Und hältst du Rap für eine eher limitierte Musikrichtung?

Klar, alles. Jazz, Funk, Soul. Und ich denke, Rap ist die weltgrößte Musikrichtung mittlerweile. Auch wenn Jazz oder Musikinstrumente noch immer „lauter sprechen“ als eine Stimme. Es hat auf je- den Fall seine krasse Berechtigung. Wenn die Leute noch ein bisschen mehr Funkiness reinbringen würden, sodass vielleicht auch ältere Leute daran Spaß haben – das fehlt noch ein bisschen. Mir fehlt tatsächlich der Funk!

Welchen Anteil haben Producer an dieser anhaltenden Hip-Hop-Erfolgsblase in den letzten Jahren in Deutschland?
Ich sage mal, am meisten Anteil an diesem Erfolg haben die Videomacher. Es ist unglaublich wichtig für Künstler, mit ihren Videos zu punkten, die wenigsten Leute hören sich noch ganze Alben durch. Man gibt sich als Künstler so viel Mühe, aber man müsste an sich sein ganzes Album verfilmen. Aber diese Kohle haben Underground- MCs nun mal nicht. Ich sage mal so, es läuft zwar krass und Vinyl verkauft sich gerade unglaublich gut und wir können uns gerade alle nicht wirklich beschweren, aber irgendwo fehlt eine Sache: die jungen Leute! Ich habe früher in vielen Grund- und Hauptschulen Hip-Hop-Workshops veranstaltet. Ich finde, man muss mit den Kids viel mehr machen und es wäre schön, wenn positiverer Rap oder positivere Musik mal wieder ein bisschen mehr Erfolg hat.

Man sagt, du wärst inspiriert von den 1990ern, malst aber dein ganz eigenes Soundbild. Wie stehst du zu der Thematik „Deutschrap als Kopie“?

„Deutschrap als Kopie“ gab es nie wirklich. Nicht mal die Stiebers klangen wie Ami-Rap, auch nicht Main Concept. Das hat für mich alles nie wirklich nach Amerika geklungen. Die Samples oder die Art und Weise, wie man es gemacht hat, haben natürlich danach geklungen. Man hat sich eben inspirieren lassen. Wir wären ja bescheuert, wenn wir unseren „eigenen Hip-Hop“ erfinden. Wie würde der denn bitte klingen in Deutschland?! Viele haben angefangen, auf Englisch zu Rappen, weil die Amis hier in Deutschland stationiert waren, oder wie bei uns im Süden die Franzosen. Das war einfach logisch. Ich finde es gut, dass es sich so weiterentwickelt hat und Deutschrap irgendwann gekommen ist. Was ich mittlerweile einfach sehr wichtig finde, ist der europäische Rap. Wir versuchen uns gerade zusammenzuschließen zu der ersten europäischen Rap-Crew, wir haben hier einen riesigen Markt und so viele verschiedene gute MCs. Wir wollen versuchen, hier ein Sprachrohr und ein Movement zu werden. Es gab schon immer interessante Sachen, aber ich denke, jetzt können wir mal ein Zeichen setzen. B

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