MXM & Pavel – Vierviertel der Takt

Heute erscheint das neue Album von MXM und Pavel. „Vierviertel der Takt“ stellt dabei das vierte Release des Berliner Untergrund-Teams dar. Und so läuft MXM, wie schon auf den vorherigen Platten („Gaffatape“ – 2015, „Panzertape“ und „Dreiviertel der Kraft“ – Beide 2016) wieder wie gewohnt durch seinen Berliner Kiez, disst dabei ein paar Whack MC’s und flowt deutlich mehr als solide auf die Jazz-, Funk- und Samplelastigen Boombap Soundgebilde seines Homies Pavel. Mitgebracht haben die beiden Pöbel MC und Tiger104, die sich perfekt in das Gesamtbild einfügen. Womit die zwei auf dem vierzehn-Track starken neuem Langspieler Recht haben könnten: So ein eingespieltes Team gibt es kein zweites in Berlin.

Den Startschuss setzten die beiden Berliner im August 2015 mit ihrem „Gaffatape“. Während der erste Teil der Klebeband-Reihe ganz ohne Gastbeiträge auskommt, bringt das im Januar darauf folgende „Panzertape“ Features in Form von MC Bomber, Togeveen und Magic Man mit. Schon damals wird die Attitüde klar: Keinen Bock auf whacke Rapper, Kieztouristen oder Besserwisser, stattdessen Bock auf handgemachten Rap. Dass die Kombination der Beiden darauf schon perfekt funktioniert, lässt sich direkt erkennen. „Bei dem ganzen Schrott ein bisschen Hoffnung für Musik“.

Dreiviertel der Kraft / Vierviertel der Takt

Im November 2016 erschien dann das Debütalbum der beiden am Kollwitzplatz aufgewachsenen Berliner. „Dreiviertel der Kraft“ verliert sich weder, noch wirkt das Ganze nur im Ansatz erzwungen. Pavel liefert samplelastige Kopfnicker-Beats, während MXM seinen Alltag in Geschichten verpackt. Neben der Entsorgung von Whack MC’S, werden auch gesellschaftskritische Themen passend verpackt: Auf „Luxusprobleme“ wird die voranschreitende Gentrifizierung thematisiert, auf „Misserfolg des Dikators“ die Geschichte eines diktatorischen Schuldirektors erzählt. Was am Ende nie fehlt: Die Message. „Dreiviertel der Kraft“ hat außerdem ein klares Konzept. Oder wie Nietzsche mal gesagt hat:

„Ein Werk, das den Eindruck des Gesunden machen soll, darf höchstens mit Dreiviertel der Kraft seines Urhebers hervorgebracht sein. Ist er dagegen bis an seine äußerste Grenze gegangen, so regt das Werk den Betrachter auf und ängstigt ihn durch seine Spannung. Alle guten Dinge haben etwas Lässiges und liegen wie Kühe auf der Wiese“

Features kommen hier wieder in Form vom ebenfalls in P-Berg ansässigen MC Bomber, dem Nordberliner Shacke One und Nordin zum Einsatz.

„Dreiviertel der Kraft“ ist keineswegs eine Platte die sich aufdrängen, oder im Mittelpunkt stehen möchte. Das Ganze stellt viel mehr ein verdammt gutes Untergrund-Release dar. Mehr will es auch gar nicht sein. Dabei bleibt das Konzept schlüssig: Dreiviertel der Kraft verwenden, nichts zu überstrapazieren, damit die Mucke genau nach dem klingt, was sie ist.

„Dreiviertel der Kraft, damit das Werk am Ende `nen gesunden Eindruck macht.“

Fotos: Herr Wedding

„So ein eingespieltes Team gibt es kein zweites in Berlin“

„Vierviertel der Takt“ bringt immer noch dieselben Werte mit. Der Sound hat sich allerdings ein wenig weiterentwickelt: Während die beiden Vorgängertapes und das Debütalbum noch stärker raw funktionieren, klingt die neue Platte ein wenig runder. Klatschende Snares, Kopfnicker-Beats und ein dichteres Gesamtwerk füllen das Soundkonstrukt etwas mehr, ohne es überladen oder abgrenzend wirken zu lassen. Was dennoch gleich geblieben ist: MXM Pavel kennen ihren Kiez genau. Das wird mit der ersten Auskopplung deutlich:

Der Gastronom am Apparat / Es wird Delikat

Inhaltlich bewegt sich die neue Platte irgendwo zwischen Gesellschaftskritik und durchzechten Nächten in der Stammkneipe. Mit „Molle Molle Schnaps“ wird dazu schon mal die passende Trinkhymne geliefert. Neben Konsum widmet sich MXM auch anderen romantischen Themen: Beim Hören von „Camping“ wird einem das Pennen im Freien so sympathisch, dass man selber Bock bekommt das alte Zelt wieder herauszukramen. An Bock fehlt es den Beiden auch nicht, was auf dem gleichnamigen Outro ziemlich dick unterstrichen wird.

Ein weiteres Highlight bringt „Karren aus dem Dreck“, auch weil sich Pöbel MC von seiner besten Seite zeigt. Neben ihm steht auch Tiger104 auf der musikalischen Gästeliste.

MXM beweist auf ein Neues, dass er sein Fach versteht. Lines alá „Du machst Rap über Klamotten, ich wünsch’ dir Kleidermotten“ („Kein Wert“) oder „Klar – wenn ihr die Kosten tragt nehmen wir den Lightliner auch, aber wenn’s da keine Kiste Bier gibt reicht eine Couch“ („Wir nehmen alles mit“), machen nicht nur derbe Spaß, sondern liefern neben hiesigem Gute-Laune-Großraumdisko-Rap und dem, der es gerne sein würde, einfachen Homegrown-Hip-Hop, ohne dabei kitschig oder hängengeblieben zu wirken.

„Du sagst Rap bringt dir Millionen, ich bleib selbstständig und dope“ (Routine)

MXM & Pavel haben keinen Bock auf die nervige Musikindustrie oder Features außerhalb ihres Dunstkreises. Keinen Bock auf Playlist-fixierten Rap, Gentrifizierung oder Touris in ihrem Kiez. Genau deswegen machen die beiden genau das, was sie am Besten können: Rap, zu dem man mit dem Kopf nickt, der nicht erzwungen klingt und den Vibe einfach so transportiert wie er ist. Genau das ist den Beiden auf „Vierviertel der Takt“ wieder gelungen. 


„Mit Dreiviertel der Kraft – Vierviertel der Takt“

Wer MXM & Pavel Live sehen möchte, der kann am 22.12. im Musik & Frieden, Berlin vorbeischauen, wo die beiden ihr Releasekonzert geben.

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