Muso: “Die ganzen Rapper wollen einen Pop-Hit schreiben.”

Du sagst in einem Interview von 2013 mit Niko von BACKSPIN, dass Rap für dich Sozialkritik ist, ein Auflehnen von Randgruppen gegen das System. Wo siehst du das bei dir umgesetzt?

Ähm… Hm… Rap ist irgendwie auch ein Weg, den man einschlägt. Diesen Weg hab ich mit 12 eingeschlagen, das hat halt mein Leben verändert, in dem Sinne, dass ich viel verarbeitet hab, viel geschrieben, viel nachgedacht. Es ist ein Weg zu mir selbst gewesen, weil ich mich nie in jungen Jahren so viel mit mir selber auseinandergesetzt hätte, wenn ich keine Texte geschrieben hätte, nie. Von dem her ändert es alles, Hip-Hop, Rap, wenn man es selber macht, exzessiv, das ändert den Menschen, das verändert alles einfach. Man ist viel reflektierter durch’s Texte schreiben.

“Man ist viel reflektierter durch’s Texte schreiben.”

Bei Erich von Hiphop.de hast du dich vehement gegen das Schlachten von Tieren ausgesprochen. Bist du Vegetarier?

Ne. Ich versuch halt voll bewusst Fleisch zu essen, klar, wie’s jeder macht. Kein Fleisch mehr aus dem Supermarkt zu holen, sofern’s der Geldbeutel zulässt und einfach nicht maßlos zu leben, was Fleisch betrifft. Was in Deutschland ja schon auch oft der Fall ist, es ist keine Mahlzeit wenn da kein Fleisch auf’m Tisch ist, das musste ich mir auch erst mal aus dem Kopf hämmern, so Sachen halt. Seltener, aber dafür auch zu wissen woher das Fleisch kommt, das ist schon wichtig.

Die Chimperator-Seite bezeichnet dich als Antithese. Zu welcher Ausgangsbehauptung stellst du die Antithese dar?

Vielleicht dieses Hip-Hop-Ding, mit Ellenbogen sich selbst hypen, ‘Ich bin der Derbste, Ich! Ich! Ich!  Ich bin der Geilste!”, das ist halt bei mir gar nicht so. Das ist bei mir komplett das Gegenteil. Vielleicht dazu eine Antithese.

In dem Track “Über Wunden” redest du von ‘dem Typ da oben’ und ‘dem Typ da unten’. Da drängt sich natürlich die religiöse Analogie auf. Glaubst du an Gott?

Ich glaube an zwei Pole, an das Gute und an das Böse.

Aber die sind ‘oben’ und ‘unten’?

Joa, oben, unten, links, rechts, keine Ahnung. Kommt drauf an, wo man auf der Welt ist, oben, unten, weißte, kommt immer ganz drauf an, wo man ist. Ich glaub da schon an irgendwas, ja, glaub ich schon. Ich glaub an zwei Pole, dass die jeder Mensch in sich trägt.

Und in dem Track redest du dann über diese zwei Pole?

Quasi, ja. Voll.

In dem Song “1001 Morgen” sagst du: “hatte gehofft, dass ich bekannt werd”. Aus der Vergangenheitsform schließe ich, dass dem nicht mehr so ist?

Das war so ‘ne Zeile, das hab ich meine ganze Jugend irgendwie gehabt, ‘ich will Rapstar werden’, beim Geburtstagskerzen ausblasen gewünscht, ich will so ein richtig erfolgreicher Rapper werden, das ist halt ‘n Jugendtraum gewesen, wie halt jeder seine Träume hat. Heute seh ich das alles realistischer und weiß, dass einen sowas halt auch oft zerstören kann. Einfach ein bisschen vorsichtiger und realistischer bin ich geworden.

Wodurch?

Dass ich halt auch schon mal sehr in der Öffentlichkeit stand und gemerkt hab, dass das Game nicht nur Sonnenseiten hat, sondern halt auch Schattenseiten und dass es vielleicht auch nicht für Jedermann ist. Und dass ich mich nicht irgendwelchen Leuten anbiedern will, sondern ich will’s für die Leute machen, die es lieben und für die Menschen, mit denen ich mich auch wohl fühle auf Konzerten. Ich bin schon auch dankbar, wenn gute Resonanz kommt und wenn’s viele Klicks hat und alles. Von dem her, das wäre ja ‘ne Lüge wenn ich sagen würde das wäre nicht so. Aber ab wann ist man bekannt? Du musst Hunger haben. Nach deinem letzten Song denkst du dann halt an den nächsten Song, man darf den Hunger halt nie verlieren. Und wann ist man berühmt? Wann sagt man so: “Jetzt bin ich berühmt!”, weißt du, das sind alles so fließende Übergänge in irgendwas. Entweder ist man ‘on’ oder halt ‘off’. Und ja, ich war jetzt lange ‘off’, es gibt trotzdem noch viele Leute, die dran glauben. Aber dieses ‘One-Hit-Wonder’, in den Medien kurz mal so stattfinden, das ist nicht das wonach ich strebe.

Was willst du mit deiner Musik erreichen, allgemein und bei deinen Hörern?

Eins mit denen zu sein. Ein Gefühl der Intimität, zu sagen: “Hey, ihr seid nicht alleine!” und ehrlich zu sein.

Und was willst du allgemein mit deiner Musik erreichen?

Gute Frage. Es soll sich halt eingrooven, ich will meine Musik machen, und zu jedem Projekt gehört auch so ganz viel, was dazugehört und ich will halt kontinuierlich einfach meine Musik machen. Weil ich gemerkt habe, wenn ich sie nicht mache, bin ich nicht glücklich und dann fehlt was, ich will einfach Musik  machen und sie an die richtigen Leute bringen, kontinuierlich und auch ‘on’ bleiben.

Was sind deine Pläne für die Zukunft, steht eine Tour an? Müssen deine Fans wieder drei Jahre auf das nächste Album warten?

Nein, auf keinen Fall. Ich hab auf jeden Fall viele Songs in der Pipeline und ganz viele Ideen, so richtig viele Ideen. Was ich wahrscheinlich nicht gehabt hätte, wenn ich jetzt vor zwei Jahren ein Album gedroppt hätte, dann würde ich wieder so vor nichts stehen, aber ich hab schon auch irgendwie so meinen musikalischen Masterplan im Kopf, so ‘n bisschen auch wo’s hingeht.

…der wie aussieht?

Ich glaube, es steckt noch viel Potenzial in mir und man muss dranbleiben um das auch komplett auszuschöpfen. Und ich will mein komplettes Potenzial ausschöpfen, musikalisch. Das ist, was ich mir erhoffe mit der Mucke. Wie das dann aussehen und wie es sich anhören wird, davon werdet ihr euch hoffentlich sehr bald selbst ein Bild machen können.

Wir bedanken uns bei Muso für das Gespräch.

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