Muso: “Die ganzen Rapper wollen einen Pop-Hit schreiben.”

Auf “Amarena” finden sich Features mit Xavier Naidoo und Ali As, wie kam es dazu?

Xavier kam Nachts nach einem Gig in sein Studio, in dem auch mein Produzent LO ‘nen Raum hatte. Wir haben abgehangen und er hat spontan ein paar Zeilen auf einen Beat eingesungen. Daraus ist dann der Track “Egofilm” entstanden. Mit Ali bin ich schon länger in Kontakt, hatte auch schon ‘nen Part für seine Platte beisteuern dürfen. Bin sehr froh, dass er mit auf der Platte ist. Ich hab gerade auch Bock auf Features und Zusammenarbeit mit anderen Künstlern.

Dazu gleich meine nächste Frage: Gerard, MoTrip und Megaloh hast du auf deiner Facebook-Seite gepostet, ist da eventuell eine Zusammenarbeit geplant?

Das sind schon Leute, die ich sehr schätze und mit denen ich natürlich auch gerne mal ins Studio gehen würde.

Mit allen dreien?

Mit Gerard bin ich in Kontakt und mit Megaloh haben sich die Wege auch schon öfter mal bei Festivals gekreuzt. Mit den Orsons hatten wir beim Frauenfeld mal das Vergnügen jeweils ‘nen Part zu “Rosa, Blau oder Grün” beizusteuern. Das wurde leider nur nicht recordet. Beides super nette Typen, deren Arbeit ich wie gesagt sehr schätze. MoTrip wär natürlich auch killer. Ihn hab ich noch nie persönlich kennengelernt, aber am 27. August spiel ich in Köln auf einem Festival, bei dem er Headliner sein wird. Er ist auf jeden Fall ein Rapper, zu dem ich auch immer hochgeguckt hab, weil er halt auch textlich verdammt gut ist und für das steht, was ich von einem “Real Emcee“ erwarte. Das ist er total und, ja, wär ‘ne Ehre für mich, irgendwann mal mit MoTrip zu arbeiten.

Wie würdest du denn deinen Sound oder Vibe selbst beschreiben? Am Besten kurz und prägnant.

Vielleicht am ehesten mit zwei Kreisen. Einer ist so komplett abstrakt und der andere ist Pop-Musik. Und ich versuche halt, den Weg zu finden, wo die beiden Kreise sich überschneiden, eine Art Kompromiss. Irgendwie etwas Glattes, was aber trotzdem Tiefgang hat.

Das wäre ja jetzt abstrakte Pop-Musik. Wo ist da der Rap einzuordnen?

Rap, Pop-Musik, guck dir doch die ganzen Rapper an, die ihr wahrscheinlich auch interviewt, die wollen alle ‘nen Pop-Hit schreiben. Hip-Hop hat sich so ‘ne riesen Scheibe von der Pop-Musik abgeschnitten, aber andersrum halt auch, die Pop-Musik auch von Hip-Hop und alle wollen irgendwie ‘n Hit schreiben. Viele auch so ‘n Schema-F-Hit, ich mein, hört man ja voll.

Wie entstehen deine Texte?

Manchmal so mit einem guten Zweizeiler, auf den ich dann aufbaue. Manchmal fällt mir was ein auf der Toilette, viel mach ich auch so mit Sprachmemos, mit einem guten Zweizeiler meistens.

Auf der Toilette?

Nö, nicht nur auf der Toilette, aber es sind mir schon viele Sachen auf der Toilette eingefallen, ja. Oder wenn ich ‘n guten Beat hör, und dann komplett mein Hirn ausschalte, dann ist Platz im Kopf für die guten Ideen.

Wie kommt es, dass du trotz oder mit deiner Vergangenheit quasi das Gegenteil von Gangstarap machst?

Vielleicht, weil ich die Seite dieses Lebens schon gesehen hab und ich find, und da schweif ich jetzt aber kurz ab, wegen “Gangster“ sein: ich finde, man sollte Marihuana auch legalisieren, nicht nur, damit die Leute keine Beschaffungskriminalität haben, sondern dass die Kids auch nicht mehr dazu kommen, die Scheiße zu verkaufen. Ich war auch nie ein Gangster, sondern immer der Rapper, der Denker in der Gruppe, ich war nie der Typ, der andern gern auf’s Maul gehauen hat oder so, und wenn, dann musste ich mich verstellen, um so den harten, ignoranten Menschen zu spielen. Und dann irgendwann merkst du dabei, dass das einfach nicht zu dir passt, man ist halt einfach nicht so. Ich weiß auch nicht, wahrscheinlich sind Menschen aggro, werden böse, weil sie einfach nicht viel Liebe bekommen haben in ihren prägenden Jahren in der Kindheit, vielleicht ist es deshalb so. Ich hab extrem viel Liebe erfahren von meiner Mutter, mein ganzes Leben lang. Und, wie gesagt, wenn man den ganzen Hustle mal erlebt hat, dann sieht man auch, dass es nicht so rosig ist, wie man denkt.

“Wahrscheinlich sind Menschen aggro, werden böse, weil sie einfach nicht viel Liebe bekommen haben in ihren prägenden Jahren in der Kindheit.”

Die Kombination von deinem Flow und deinen Texten erinnert mich ein bisschen an Poetry Slam mit Beats. Wie siehst du das und warst du früher vielleicht mal in diesen Gefilden aktiv?

Leider, ja.

Leider?

Ja, schon auch, leider ja. So ‘n bisschen Poetry-mäßig, das merke ich selbst, ja.

Warst du da auch aktiv?

Gar nicht, nie.

Aber ‘leider klingst du so’?

Was heißt leider. Es ist oft so, wenn du einfach Rap-Stilmittel weglässt, was ist es dann? Wenn man nicht mehr ‘Yo’ in jedem zweiten Satz sagt, dann ist es halt zwangsläufig Poetry-Slam-mäßig. Wovon ich aber schon auch Abstand halten würde, weil ich komm aus’m Hip-Hop, ich war nie irgendwie so ‘n belesener Poetry-Slam-Poet, das war ich nie.

Das passt gut zur nächsten Frage: Wie würdest du dich von der Szene abgrenzen und wo kannst du dich mit ihr identifizieren?

Also identifizieren 1000-prozentig. Weil, egal ob das jetzt Poetry-Ansätze bei mir hat oder nicht, ich arbeite ja da genauso viel dafür, ich fahr genauso mit’m Zug überall hin oder reiß mir genauso den Arsch dafür auf wie andere Künstler halt auch und ich glaub es erfordert schon mehr Arbeit als bei anderen Musik-Genres. Einfach, weil’s mehr Text ist, mehr Aufwand, mehr Inhalt vor allem, als in allen anderen Musik-Genres. Von dem her fühl ich das voll, fühl ich andere Rapper total. Ich kann das auch immer verstehen, dass Rapper ihre Egos haben, da will ich mich halt ‘n bissel raushalten, weil ich glaub, dass ein Ego einem oft im Weg steht. Aber fühlen kann ich jeden Rapper, weil in mir steckt immer noch der 12-jährige Muso, der beim Auto-VW-Haus Wagner in Waldshut mit ‘nem Mikorofon auf einen ‘Still Dre’-Beat gerappt hat, vor Kiddies mit Müttern mit Kinderwägen, nur weil ich Hip-Hop halt gefühlt hab, meine ganze Jugend durch, der bin ich immer noch, das steckt immer noch in mir. Ist halt die Frage, mit was man nach außen gehen will, was man den Leuten mitgeben will, was man denkt, was es noch nicht gibt. Ich will halt da hin gehen, was es noch nicht gibt, mein Alleinstellungsmerkmal sichern.

Woran Muso glaubt, ob er Vegetarier ist und wie seine Zukunftspläne aussehen steht auf Seite 3.

The following two tabs change content below.

Jana

Hi! Ich seziere gerne Raptexte, lasse meine Augen mit Freude auf Farbflecken an tristen Wänden verweilen, dies, das.

Seiten: 1 2 3

Hanfosan

Erzähl Digger, erzähl

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.