Muso: “Die ganzen Rapper wollen einen Pop-Hit schreiben.”

Ganze drei Jahre mussten sich Muso-Fans gedulden, um einem Nachfolger von “Stracciatella Now” entgegenfiebern zu können. Nun ist es soweit, am 19. August wird “Amarena” erscheinen. Das Feuilleton zeigte sich damals überaus begeistert und ernannte unter anderem Muso zur neuen Rap-Generation. Warum er sich dennoch die Zeit nahm, um ein neues Album herauszubringen, wie Muso sich zur Szene – und zu Poetry Slam – positioniert, warum er keinen Gangstarap macht, ob er Vegetarier ist oder an Gott glaubt, beantwortet uns der mittlerweile in Heidelberg beheimatete Rapper im Interview.

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Was ist in den letzten drei Jahren zwischen “Stracciatella Now” und “Amarena” passiert? 

Also, als Allererstes: Gut Ding will Weile haben. Es ist viel persönlich und privat bei mir passiert, musikalisch ist auch viel passiert, wie man ja auch hört. Das ist immer schwierig, einen Zeitraum von drei Jahren in einem Satz zu fassen. Ich hab mir irgendwie auch so ein Basement, einen Punkt, ein Zuhause geschaffen. Ich musste ein paar Dinge in meinem Privatleben ordnen und auf die Reihe kriegen, das hatte für mich Priorität, da sind ein paar Sachen passiert.

Dann nehme ich eine Frage vorweg: aus welchen Gründen hat der Produzentenwechsel stattgefunden?

Es gibt extrem viele Musiker, gerade auch so in der Region wo ich wohne, Rhein-Neckar-Delta. Und mit dem Lorenz Schimpf, mit dem LO, habe ich schon zu Zeiten als wir das erste Album “Stracciatella Now” rausgebracht haben, live gespielt und ein paar Songs angefangen, da stand das halt noch in den Sternen, ob da noch ein neues Album kommt oder nicht. Aber meistens brauchst du dann auch so einen persönlichen Hang zu jemandem, man verbringt viel Zeit zusammen. Und der LO ist einfach ein unglaublich sweeter Mensch und ich hab gern Zeit mit ihm verbracht und dann waren wir halt auch öfters zusammen im Studio. Gar nicht so fokussiert darauf hinzuarbeiten ‘jetzt müssen wir ein Album machen!’, sondern da ist einfach Musik entstanden und dann kam das so nach und nach. Dann haben wir noch Gianni Brezzo mit an Bord geholt und dann hat das so Form angenommen, aber es ging halt echt ‘ne Weile. Man muss sich auch immer richtig aufstellen, man muss einen Plan entwickeln und man muss auch sehr viel Zeit und Geld investieren und das macht man halt nicht von heute auf morgen, das muss alles gut überlegt sein und der Sound muss halt vor allem stimmen. Vielleicht hätte ich so vor eineinhalb Jahren ein Album rausbringen können, aber ich bin halt auch dankbar, dass ich es nicht gemacht hab, weil wenn du mal Scheiße releast, es bleibt halt für immer im Netz und für immer in den Köpfen der Menschen. Ich seh es eh immer so: Qualität geht vor Quantität. Klar, man muss die Leute auch warm halten, aber die Zeit haben wir uns genommen.

“Vielleicht hätte ich so vor eineinhalb Jahren ein Album rausbringen können, aber ich bin halt auch dankbar, dass ich es nicht gemacht hab, weil wenn du mal Scheiße releast, es bleibt halt für immer im Netz und für immer in den Köpfen der Menschen.”

Wie passt die Leichtigkeit der Semantik von ‘Amarena’ zu den schweren Titeln wie “Therapie”, “Über Wunden” usw. auf deinem Album?

Hm. Ja, es ist eigentlich auch eine leichte Rechnung, weil jeder irgendwie an sich selber zweifelt, jeder ist sich manchmal auch nicht so sicher, nur das dann nach außen zu tragen ist halt schwer und das wollte ich damit machen. Und ich denk, die Leichtigkeit… jetzt muss ich mal kurz überlegen… Es beginnt immer mit irgendetwas Leichtem, mit einer Zeile beginnt dann der Song und dann versuche ich, da außenrum irgendwie textlich was daraus zu bauen. Aber eigentlich ist der Mut, oder wie ein Song beginnt, es ist immer was ganz einfaches. Von dem her ist es einerseits sehr verkopft, aber andererseits auch sehr intim und leicht. Ich weiß es nicht, ob’s… ja, schwierige Frage. Es ist halt, ‘Amarena’ ist so der Titel der einfach auch mitschwingt, wenn man das Album hört, wenn man’s kennt, glaube ich.

Wie kamst du denn auf den Titel?

Ich wollte auf jeden Fall ein warmes Gefühl mit dem Album vermitteln und auf den Titel bin ich gar nicht selber gekommen. Ich habe einen befreundeten Künstler, Patrick Herzog, und er ist halt mit dem Titel an’ Start gekommen. Ich hab ihn das erste Mal gehört und dann hab ich sofort gesagt “ja!”. Ist dann halt eher ne Bauchentscheidung.

Weil er dir vom Klang usw. gefallen hat, hast du gar nicht groß drüber nachgedacht?!

Ne, weil’s halt auch… weil’s warm, süß, rot, die Farbe der Liebe, das hat für mich halt irgendwie alles gestimmt, meine Assoziationen mit dem Album. Ich mein, das ist halt auch so ‘n Album, für jeden ist es anders. Man kann nicht sagen, ich baller da irgendwie straight was raus, es steht komplett für sich. Dadurch, dass viel zweifelnd ist, mach ich es dem Hörer manchmal auch nicht einfach, so wie ich rappe. Es liegt viel am Hörer selbst. Ich seh’s auch bei mir selbst, wenn ich das Album höre, mir geht’s immer anders, und es ist immer nach Gemüt, nach Tagesform, ich find’s immer anders irgendwie. Es fordert glaub ich auch viel vom Hörer. Es ist nicht so, irgendwie, ja, weißt du was ich mein?! Ist verdammt schwer zu erklären, mann.

“Dadurch, dass viel zweifelnd ist, mach ich es dem Hörer manchmal auch nicht einfach, so wie ich rappe.”

Das Cover schmückt die ‘Farbe des Universums’, was hat es damit auf sich?

Ja, Wissenschaftler haben versucht, die Farbe des Universums zu ermitteln. Später hat sich rausgestellt, dass sie aufgrund eines Datenfehlers die falsche Farbe ermittelt hatten, dann war’s halt die Farbe meines Albums.

Warum hast du das für dein Album gewählt?

Ist ‘ne gute Frage. Weil’s mir gefällt.

Über Features, Poetry Slam und wie seine Texte entstehen redet Muso auf Seite 2.

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Jana

Hi! Ich seziere gerne Raptexte, lasse meine Augen mit Freude auf Farbflecken an tristen Wänden verweilen, dies, das.

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