Musik: Raekwon (aus BACKSPIN Mag #117)

Hast du aus der Enttäuschung darüber dann dein eigenes Label IceH2O Records gegründet?

Yeah. Zu diesem Zeitpunkt stand IceH2O schon in den Startlöchern. Die Strukturen waren aber noch nicht vorhanden. Durch die Probleme mit den Plattenlabels ist mir klar geworden, dass ich es selbst machen muss. Der Punkt war erreicht, wo ich komplett independent sein wollte. Es war ein logischer Schritt, meine eigene Marke zu etablieren. Du musst dich musikalisch weiterentwickeln, aber genauso deine Fähigkeiten als Geschäftsmann. Das habe ich 2009 mit „Only Built 4 Cuban Linx… Pt. II“ getan. Das Album habe ich im Alleingang gestemmt. Der Weg war steinig und hart, aber ich bin froh darüber, dass ich ihn gegangen bin. Das Album war ein großer Erfolg. Finanziell hat es sich definitiv gelohnt, diesen Schritt zu gehen.

Die letzten beiden Alben des Wu-Tang Clan haben durchwachsene Kritiken bekommen. Du hast selbst Kritik an den Produktionen von RZA geübt. Habt ihr mittlerweile alles geklärt?

Die Sachen, die geklärt werden mussten, haben wir geklärt. Wu-Tang ist meine Familie, weißt du. Da gibt es hin und wieder Uneinigkeit. Wichtig ist, dass darüber gesprochen wird. Das haben wir getan.

Man könnte auch den Eindruck bekommen, die Kritik an den letzten Wu-Tang-LPs hat dich noch mehr angespornt, deine Solokarriere voranzutreiben. Woher nimmst du die Energie?

Ich habe das große Glück, das zu machen, was ich liebe. Ich habe meine Leidenschaft für

Hip-Hop nie verloren. Es gibt so viele gute Musiker, mit denen ich noch arbeiten möchte, um die Musik besser zu machen. Ich stecke mir hohe Ziele, um das Bestmögliche zu erreichen. Darum bin ich nach wie vor ambitioniert und hungrig. Wenn Leute sagen, dass man mit dem Alter an Power verliert, dann ist das totaler Bullshit. Ich vergleiche mich eher mit einem guten Wein, der mit der Zeit reift und immer besser schmeckt.

Wie hat sich deine Herangehensweise an Songs für „F.I.L.A.“ verändert im Vergleich zu deinem Debütalbum?

Heute ist es etwas bunter geworden. Wenn du in einer Gruppe bist, dann kannst du oft nur einen bestimmten Style fahren. Der Wu-Tang Clan steht für einen dunklen, dreckigen Sound mit cineastischen Lyrics. Versteh mich bitte nicht falsch, ich liebe das. Auf meiner neuen Platte konnte ich aber endlich meine Vielseitigkeit zeigen. Natürlich wollte ich nicht zu sehr in eine völlig andere Richtung gehen. Die Fans kennen ja meinen Style und wollen den hören. Gleichzeitig bin ich aber eben auch ein Künstler, der den Leuten zeigen möchte, dass er sich immer noch weiterentwickelt. Ich habe keinen Bock drauf, immer das Gleiche zu machen. Deshalb hat das Album zwar einen gewissen 90er-Flavour, aber es zeigt dir, dass ich mit der Zeit gehe.

 

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Razer

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