Musik: Raekwon (aus BACKSPIN Mag #117)

Wurde RZA so auf dich aufmerksam, als er den Wu-Tang Clan gegründet hat?

Ich kannte RZA schon, als er anfing, seine ersten Tapes zu produzieren. Wir kamen aus der gleichen Nachbarschaft. Er wusste, dass ich Skills habe. Meine Stimme und mein Flow stachen hervor. Es gab noch mehr junge Rapper, die was drauf hatten. RZA hat das erkannt und uns zusammengebracht. Wir wollten unsere Gegend repräsentieren und der Welt zeigen, dass es uns gibt. Wir liebten Rap. Insofern war die Perspektive, selbst damit durchzustarten, perfekt für uns. Wir hatten nichts anderes. RZA hat uns die Türen geöffnet.

Stimmt es, dass RZA damals 100 Dollar von je- dem kassiert hat, der auf der ersten Single „Protect Ya Neck“ sein wollte?

Das stimmt. Wir hatten damals keine richtigen Jobs. Wir hingen am Block herum und haben dort unser Ding gemacht. 100 Dollar waren für uns eine Menge Kohle. Wir mussten beweisen, dass es uns wirklich ernst ist. Es war aber weniger als Investition gedacht, sondern vielmehr als Absicherung für RZA, damit er nicht auf den Studiokosten sitzen bleibt.

Das erste Wu-Tang-Album „Enter the Wu-Tang (36 Chambers)“ wird bis heute als eine der besten Rap-LPs aller Zeiten gefeiert. War euch damals bewusst, was für einen Einfluss eure Musik haben würde?

Uns war klar, dass wir Einiges erreichen können, wenn wir uns reinhängen. RZA wusste, dass wir dope sind. Es ging nur noch darum, ins Studio zu gehen und das zu beweisen. Er gab uns die gemeinsame Vision, etwas, woran wir glauben konnten. Wir haben uns mächtig ins Zeug gelegt. Rap hat uns zwar viel bedeutet, ich habe es aber eher realistisch gesehen. Es war eine Gelegenheit, den Hustle in meiner Hood für kurze Zeit hinter mir zu lassen. Ich wollte den Leuten zeigen, woher ich komme und Staten Island repräsentieren. Darauf kam es mir an.

Trotz des starken Bezugs zu deinem Viertel hast du auf deinem Debütalbum als erster Wu-Tang- Rapper mit Nas auch einen Feature-Gast, der nicht zum Clan gehört …

Daran hat sich auch bis heute nichts geändert. Auf meinem ersten Soloalbum „Only Built 4 Cuban Linx…“ habe ich natürlich meine Jungs vom Wu-Tang Clan gefeaturet. Gleichzeitig war ich aber auch Fan von anderen Rappern. Ich meine, ich bin immer Hip-Hop-Fan geblieben. In New York gab es viele Talente, Nas zum Beispiel. Er hatte sich schon ein Jahr vor uns einen Namen gemacht und neue Maßstäbe gesetzt. Mir war klar, dass ich was mit ihm machen möchte. Wir hingen viel miteinander herum. Als ich dann an meinem Album gearbeitet habe, musste ich ihn mit drauf holen. Ich habe ihn ins Studio eingeladen und wir nahmen „Verbal Intercourse“ auf.

Nicht zuletzt wegen dieses Tracks gilt „Only Built 4 Cuban Linx…“ als Klassiker. Würdest du zustimmen, wenn man sagt, dass du damit neue Maßstäbe für Mafia-Rap gesetzt hast?

Definitiv. Als ich das Album 1995 über Loud Records herausgebracht habe, gab es nicht allzu viele Leute, die über diese Dinge gesprochen haben, jedenfalls nicht so detailliert. Ich habe das Level angehoben. Ich habe den Leuten erklärt, wo die Drogen und die Gewalt in den Slums herkommen. Ich habe die Realität in meinem Umfeld abgebildet. Trotzdem konnte ich mich gleichzeitig künstlerisch ausdrücken. Die Musik ist wie ein Soundtrack zu dem Leben, das ich damals geführt habe.

 

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Razer

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