Musik: Raekwon (aus BACKSPIN Mag #117)

Verbal Intercourse mit Raekwon

Seit nunmehr zwei Dekaden füttert Corey Woods aka Raekwon the Chef seine Fans mit feinster Rap-Kost. Als ranghohes Mitglied des Wu-tang Clan schrieb er in den 90ern Hip-Hop-Geschichte. Sein Solodebüt „only built 4 cuban Linx…“ gilt als Meilenstein des Straßenrap. Während viele seiner Kollegen an Relevanz verloren, erarbeitete sich der MC mit den mafiösen Lyrics einen Status als respektierter Rap-Veteran. BACKSPIN sprach mit Raekwon über seine bewegte Karriere im Musikgeschäft und das neue Album „Fly international Luxurious Art“.

Raekwon, seit deinem ersten Soloalbum sind nun ungefähr 20 Jahre vergangen …

Das ist total verrückt, Alter. Wenn ich darüber nachdenke, kommt es mir gar nicht so lange vor. Ich fühle mich nicht so, als würde ich das schon 20 Jahre lang machen. Versteh mich nicht falsch, ich habe extrem viel Arbeit reingesteckt, um relevant zu bleiben. Das Gefühl dabei ist aber noch so frisch, als hätte ich erst vor zehn Jahren angefangen mit dem Rappen.

Du bist in New York Ende der 70er- und Anfang der 80er-Jahre aufgewachsen. Wie kamst du in Kontakt mit der Hip-Hop-Kultur?

Hip-Hop war überall. Es war egal, ob du in der Bronx warst oder so wie ich auf Staten Island. Die Kultur wuchs von Tag zu Tag. Es war eine Bewegung, ein regelrechter Trend. Wir hörten den ganzen Tag Musik von Run-DMC, Slick Rick oder KRS-One. Das waren die Leute, die mich dazu brachten, eigene Rap-Texte zu schreiben. Sie sprachen über den Wahnsinn im Ghetto, damit konnte ich mich identifizieren. Damals passierte viel Scheiße in meiner Gegend. Es gab fast täglich Schießereien. Ich habe versucht, das Beste daraus zu machen. Hip-Hop gab mir die Möglichkeit, von diesen Problemen zu erzählen. In den Texten konnte ich das auf kreative Weise verarbeiten und so für kurze Zeit dem Elend entfliehen. Ich hatte einfach Spaß mit meinen Jungs. Das habe ich daran geliebt.

Es heißt, dass du in dieser Zeit beinahe von U-God angeschossen wurdest, als ihr mit Waffen gespielt habt. Was war da los?

Wir haben als Teenager viel Scheiße gebaut, musst du wissen. Wir hingen an dem Tag bei Cappadonna ab. U-God hatte eine Knarre dabei und hat damit herumgefuchtelt. Er tat so, als wäre sie nicht geladen und wollte abdrücken. Ich habe ihm gesagt, er solle nicht auf mich zielen. Wie gesagt, es gab viele Schießereien in unseren Projects, da lernst du schnell, dass du mit Waffen vorsichtig sein musst. Er hat die Pistole auf das Zimmerfenster gerichtet. Glaub mir, wir waren alle geschockt, als das Fenster durch den Schuss zu Bruch ging.

Was hat euch damals motiviert, mit dem Rappen anzufangen?

Künstler wie Rakim oder Big Daddy Kane haben uns beeindruckt, weil sie bei den Hörern etwas ausgelöst haben. Sie hatten Einfluss auf die Leute. Wenn ich sie mit ihren Goldketten gesehen habe, hatte das einfach Style. Das wollten wir auch. Mit der Zeit haben wir die Sprache des Rap verstanden und konnten uns darin ausdrücken. Ich bin dafür einen harten Weg gegangen, habe jeden Tag geübt und all meine Energie reingesteckt. Ich wollte gehört werden und habe versucht, mir einen Namen zu machen.

 

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