Music: Watsky (aus BACKSPIN MAG #112)

PoetrySlam und Rap passen nicht zusammen? Watsky beweist das Gegenteil: Bevor der Rapper, benannt nach seinem bürgerlichen Nachnamen, 2010 sein erstes Studio-Album veröffentlichte, war er an über 150 Universitäten der Vereinigten Staaten als Wortakrobat aufgetreten. „Seit ich 16 bin, schreibe ich für PoetrySlams und mache parallel dazu meine Musik“, sagt der 26-Jährige. Darin sei kein Widerspruch zu sehen, da er Musik bei den Slams genauso einsetzt wie Poesie in seiner Musik. Geboren und aufgewachsen in San Francisco, wurde Watsky musikalisch vor allem von der dortigen Hip-Hop-Szene beeinflusst, die er in zwei Lager unterteilt: Zum einen der Backpacker-Hip-Hop mit den Oldschool-Werten wie Living Legends und zum anderen der Radio-Rap rund um das Hyphy-Movement. Darüber hinaus gibt sich der Rapper als großer Fan von Outkast und Eminem, aber auch von europäischen MCs wie dem Franzosen MC Solar. Der Sohn einer Bibliothekarin und eines Psychotherapeuten wurde in seiner Jugend vor allem durch seinen Vater stark geprägt, der ihm, neben dem Hang zur Poesie, auch einige Lebensweisheiten mit auf den Weg gab. „Er hat mir früh beigebracht, auf meine eigenen Aktionen zu achten, bevor ich anderen Menschen etwas vorschreibe“, berichtet er. Während Watsky mit seinen Texten schon längere Zeit Erfolge feiert, trägt sein zweites Standbein Rap erst seit gut zwei Jahren erkennbare Früchte. Nach millionenfachen Klicks auf YouTube und einer ersten eigenen Europa-Tour erschien Mitte Juli sein drittes Album „Cardboard Castles“ auch in Deutschland. Er selbst bezeichnet die Scheibe als sein „erstes richtiges Album“, da es seinen ersten weltweiten Release darstellt. Musikalisch soll uns „eine Mischung aus Live- und Synthie-Elementen“ erwarten. „Ich liebe diesen organischen Klang, volle Musik und Arrangements, die sich entwickeln“, erklärt er. Um diesen Plan umsetzen zu können, hat der Rapper auf altbewährte Produzenten vertraut, mit denen er teilweise aufgewachsen ist. Was die Erwartungen angeht, macht sich Watsky keinen Druck. „Ich freue mich einfach, wenn es so viele Menschen wie möglich hören und wenn ich wieder nach Europa kommen kann“, gibt er sich demütig. Im Sommer ist das schon wieder der Fall, denn dann ist Watsky auf einzelnen europäischen Festivals wie dem Stuttgarter Hip-Hop-Open zu sehen. „Es ist einfach ein tolles Gefühl, wenn man der Crowd zurufen kann: Hey, wir sehen uns in sechs Wochen und nicht erst im nächsten Jahr“, freut sich der poetische MC.

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