Music: Stubenhacker / Ferhat C. (aus BACKSPIN #115)

Ferhat C.

Die richtigen Kontakte sind das A und O im Game. Jeder, der auch nur die leiseste Ahnung von dieser Musikindustrie hat, weiß diese goldene Grundregel zu schätzen und bestenfalls auch zu nutzen.

Für eben diese Kontakte scheint Ferhat C. den richtigen Riecher zu haben. Die Feature-Liste seines Debütalbums, das den denkwürdigen Titel „Zieht ihn rein“ trägt, kann sich sehen lassen: Kürzlich erst den Vertrag beim Berliner Label Phonector Records unterschrieben, aber schon mit Massiv und Toni der Assi um die Ecke kommen. Zugegeben: Auf den ersten Blick nicht übel für das erste Lebenszeichen eines Künstlers.

Ursprünglich sollte außerdem Prince Kay One zu dieser illustren Runde dazustoßen und seinen Part zu „Zieht ihn rein“ beisteuern. Leider Gottes platzte dieser Deal jedoch, sodass das geplante Duett sich im Endeffekt zum Disstrack „Kenneth“ wandelte. Dass das eine Art Erfolgsgarant ist, wissen wir spätestens, seit „Leben und Tod des Kenneth Glöckler“ vertont wurde.

So ist auch Ferhat nun um eine Erfahrung und um eine erste Single-Auskopplung mit über 300.000 Klicks auf YouTube reicher. Hätte schlimmer kommen können, wenn wir ehrlich sind. Der Hang zur Selbstüberschätzung ist ja bekanntlich ein weitverbreitetes Phänomen in Rap-Deutschland – so darf man sich gut und gerne das Recht vorbehalten, anzuzweifeln, ob Ferhat C. denn nun tatsächlich so einzigartig klingt, wie er es versteht, sich anzupreisen.

Ursprünglich aus der türkischen Provinz Konya stammend, spricht (und rappt) er mit pfälzischem Dialekt. In der Tat noch nicht oft gehört, doch noch steht in den Sternen, ob das Fluch oder Segen darstellen wird. Die Vorschau der Themenauswahl, die Ferhat für sein Debütwerk getroffen hat, lassen die Hoffnung auf Individualität und kreative Meisterleistungen jedenfalls rasch in den Keller sinken: Liebe, Ghetto, Party.

Man darf sich dennoch überraschen lassen, was genau Ferhat C. dann ab September auf den Musikmarkt loslässt, bisher ist schließlich noch alles offen. Außerdem hat ja bekanntermaßen auch jeder mindestens eine Chance verdient, er muss sie nur zu nutzen wissen. In diesem Sinne: September 2014 – „Zieht ihn rein“. 

 Text: Lukas Ehemann

Stubenhacker

Ein unbekanntes Objekt ist auf dem BACKSPIN-Radar aufgetaucht, ein my- steriöses Wesen mit einem Telefon anstelle eines Gesichts. Es agiert in den tiefen Sphären des deutschen Hip-Hop, verdeckt im Untergrund, wo ihn nur Eingeweihte nden können. Doch wie ist diese Gestalt einzuordnen? Sind ihre Absichten friedlich?

Es stellte sich heraus, dass der sogenannte Stubenhacker in einem Geheim- labor in Hamburg erschaffen wurde. Er ist ein Hybridwesen, halb Mensch, halb Maschine, das sich zum Ziel gemacht hat, durch seine unkonventio- nellen Reimschemata die Menschheit mit einer audiovisuellen Party von deutschem Soul zu befreien. Er lebte lange unter der Gefangenschaft eines Zweigs der Major-Plattenindustrie. Jahrelang wurde er gepeinigt und musste Torturen an Mensch und Musik mitanhören.

Während dieser Zeit lernte er seine zukünftige Kompanie kennen. In sei- ner Nachbarzelle befand sich der außerirdische Bobby Maniac, der zuvor ein unbescholtenes Leben als singender Pizzafahrer in Winsen an der Luhe genießen konnte. Der rappende Hirnschaden Jim Pressing war ein weiteres Versuchskaninchen dieser ethikfreien Forschertruppe. Er hatte sein Leben be- reits hinter sich, wurde aber mithilfe der fortschrittlichen Medizin wieder zum Leben erweckt. Und zuletzt ist da noch der zeitreisende Routing von Sends. Ihn wollten sie mithilfe rechter Wahlkamp ieder dazu bringen, sein Wissen über die Technologie der Zukunft zu verraten. Er ist im ganzen Universum für seine Technik-Skills und sein außerordentliches Können an der Basspauke bekannt.

Eines Nachts gelang es dem Quintett, aus dem akustischen Folterkeller auszubrechen. Nun sucht es Schutz in der undurchsichtigen deutschen Rap- Szene. Dort erschuf es die „Telefonterror“-EP. Und da diese Geschichte oh- nehin wie ein Groschenroman klingt, hat sich der Cyborg den Kinder- und Jugendbuchillustrator Joachim Knappe ins Boot geholt, um die EP optisch wie ein John-Sinclair-Hörspielcover aussehen zu lassen. Einige sehenswerte Videos haben die Jungs ebenfalls schon zusammengeschraubt. Der Fäkali- enrapsong „Spiel mir das Lied vom Kot“, in dem der Rezipient Zeuge eines wahren Kot-Kunst-Projekts wird, ist ein beschissenes Beispiel dafür. Stuben- hacker wurde auf Kreativität programmiert, er macht Sachen anders als ande- re. Deshalb sind seine Stücke wie „Was Anderes“ auch etwas Besonderes. 

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