Music: DJ Vadim / Homeboy Sandman / Brother Ali (aus der BACKSPIN MAG #110)

„Das ist nicht nur ein neues Album, sondern ein neues Kapitel“, preist Brother Ali sein derweil viertes Studio-Album „Mourning in America and Dreaming in Color“ an. Kritisch setzt sich der Rhymsayers- Schützling auf seiner neuen Platte mit den Um- und Missständen in seinem Heimatland, der USA, auseinander.Seine erste Reise nach Mekka habe ihm die Augen geöffnet. Schon in seiner Jugend entschloss sich der damalige Jason Newman, zum Islam zu konvertieren, seiner christlichen Erziehung zum Trotze. In diesem Zuge änderte er schließlich auch seinen Vornamen zu Ali. Inspiriert hab ihn außerdem der Nah-Ost-Konflikt und die weltweite Occupy-Bewegung. Für Zweitgesagtes ist sich der Vater, der an Albinismus leidet, auch nicht zu Schade, auf die Straße zu gehen. Das führte letzten Juli auch dazu, dass er während einer Demonstration verhaftet wurde. Entstanden ist der Longplayer während seines selbstauferlegten Exils in Seattle. „So konnte ich mich vollständig auf diese Themen konzentrieren“, erzählt er uns. Zu den Themen zählen unter anderem die große Armut, die Kriegslust und die erschreckende Einstellung vieler Amerikaner zu Morden. Vor allem das Wort Heuchelei fällt mehrmals. Der dortige Patriotismus sei oft eine Erklärung, Grund nichts zu ändern und auch Deckmantel des dortigen Rassismus. Wobei vor allem der Antiislamismus allgegenwärtig sei. „Seit dem 11. September wird der Islam oft mit Terrorismus gleich gesetzt“, klagte Ali am anderen Ende der Telefonleitung. Die insgesamt vierzehn Anspielstationen sollen vernichtende, aber immer ehrlich gemeinte Kritik, gepaart mit einer ordentlichen Portion Hoffnung auf ein besseres Morgen bieten. „Die Menschen müssen Initiative ergreifen“, fordert er. Ein Obama alleine könne eben auch nicht viel in einem demokratischen Staat richten. Bezüglich Europa meint er, dass seit einigen Jahren eine deutliche Voramerikanisierung zu bemerken ist. „Erschreckend“, findet er diesen Wandel. „Europa hat seine ganz eigene Kultur und hatte auch immer seinen ganz eigenen Sound. Das soll auch so bleiben“, führt Brother Ali fort. Für die musikalische Untermalung zog er seinen Labelkollegen Jake One hinzu. Der produzierte auch schon für 50 Cent, T.I. und Wiz Kalifa. Unterstützung fand er außerdem bei dem angesehenen Autor und Professor Dr. Cornel West und Rapper/ Dichter Amir Sulaiman.

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Orginaler Pottboi! Ich liebe das 45er Areal, doch hass‘ mich nicht. Ich komm‘ vorerst nicht zurück zu dir.

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