Music: Big Daddy Kane (aus BACKSPIN MAG #112)

Kane, du warst als Brooklynite Teil der legendären Juice Crew, die immer in Queens verortet war, wie kam es eigentlich dazu?

Biz Markie stellte mich den anderen Mitgliedern vor, und es war nie ein Problem zwischen uns we- gen der verschieden Viertel. Mann, damals ging es einfach nur ums Rappen, um dein Talent. Biz Markie selber habe ich übrigens auf einem Battle kennengelernt, auf dem ich ihm den Arsch versohlt habe. Aber auch das hat er mir nie übel genommen. Alles in allem war es eine wunderbare Zeit für mich und für Hip-Hop im Allgemeinen, denn damals brodelte es im gesamten Rotten Apple.

Im Jahr 2000 bist du von New York ins vergleichsweise beschauliche Raleigh gezogen, warum?

Ich suchte einfach nach einem Ort ohne den ganzen Lärm und diesen stressigen Großstadt- Vibe von New York. Also zog ich nach North Carolina ins beschauliche Raleigh, wo ich auf der Terrasse die Beine hochlegen und bei einem guten Rotwein einfach das Leben genießen kann.

Vor kurzem hat dich Jay-Z nach New York zur Eröffnung des Barclays Center geladen, wie hat es sich angefühlt, wieder in der Heimat auf der Bühne zu stehen?

Es war ein ganz besonderer Moment, nicht nur für mich, sondern für ganz Brooklyn. Ich meine, seit den Brooklyn Dodgers haben wir kein Sportsteam in der Hood. Und nun mitzuerleben, dass ein professionelles NBA-Team in Brooklyn sein Zuhause hat, ist für uns alle eine wunderschöne Sache. Es war ja nicht meine eigene Show, sondern Jay-Z hat mich auf die Bühne geholt, aber die Energie und die Liebe in dem Moment war unbeschreiblich. Das werde ich mein ganzes Leben lang in Erinnerung behalten.

Wie blickst du eigentlich auf die heutige New Yorker Rap-Szene?

Es gibt einige Rapper, die mir gefallen. Aber was mir generell oftmals fehlt, ist der eigene Style und die Freshness. Sicher werden immer wieder gute Alben produziert, nur zu meiner Zeit hatte jeder MC seine ganz eigene Herangehensweise, das fehlt mir heutzutage. Was ich mir aber gerne anhöre und anschaue, sind die wirklich guten Freestyle-Battles, die immer wieder in New York statt finden, schließlich ist das der Ursprung des ganzen, dort kommen wir her.

Vor kurzem hast du das Vintage-Soul-Album „Back To The Future“ unter dem Namen Las Supper mit der Hip-Hop-Fusion-Band Lifted Crew und dem Sänger Show Tyme veröffentlicht, wie habt ihr zusammen gefunden?

Die Beats des 80er-Hip-Hop basierten zum großen Teil ja auf Songs aus dieser Ära, also ist es zuallererst nichts völlig neues oder eine weit hergeholte Idee. Als dann Leute wie Just Blaze die Soulsamples zurückbrachten und er nicht nur die Instrumente sondern auch den Gesang in seine Beats integrierte, kam ich auf die Idee, so was mit einer Band umzusetzen. Als ich die Band spielen hörte, wusste ich sofort, dass ich nun die richtigen Künstler für meine Vision gefunden habe. Die meisten Musiker der Lifted Crew sind ja gerade mal Mitte 20, trotzdem haben sie genau diesen Vibe, den ich gesucht habe. Show Tymes Stimme wiederum ergänzt das Ganze und wir beide bringen zusammen den Aspekt des Entertainments, den die damaligen Künstler ja alle perfekt beherrschten, zurück auf die Bühne.

Du hast eine außergewöhnliche Karriere im Hip- Hop und wurdest zu einer lebenden Legende der Kultur. Gibt es vielleicht trotzdem irgendetwas, was du in der Retrospektive anders hättest machen wollen?

(denkt lange nach) Ich würde wirklich rein gar nichts daran ändern wollen – außer die finanziellen Angelegenheiten anders zu klären. Ich hatte eine wundervolle Karriere und sie hat mich zu so vielen Orten auf dieser Welt gebracht. Ich meine, wer hätte sich jemals erträumt, dass so ein dunkelhäutiger Typ wie ich eine Weiße klären kann, nur weil er auf Beats reimt und erzählt, was für ein geiler Typ er ist? Du musst verstehen, ich komme aus einer Zeit, in der so etwas undenkbar war. Aber sogar Madonna kam auf mich zu und wollte Fotos von mir machen. So viele andere Erlebnisse in meinem Leben lassen mich heute sehr zufrieden auf meine Musik-Karriere zurückblicken, und ich weiß es auch zu schätzen, dass jüngere Rapper wie Kendrick Lamar oder Eminem mein Vermächtnis anerkennen und weiter tragen.

Momentan ist ja dieser Achtziger-Style in der Musik und der Mode wieder sehr angesagt, wie fühlt sich das für dich, der diese Zeit ja mit geprägt hat, an?

Hmm, das ist so eine Sache. Auf der einen Seite war es schon immer so, dass Dinge aufgegriffen wurden, diese ganze Throwback- oder Retro- Geschichte ist ja nichts Neues. Mein eigener Vater hat in den 60er Jahren einen High Top getragen und wir haben das dann übernommen. Mein Vater hat mir auch erzählt, dass Ray Charles damals zu seinen Jungs Homeboy sagte. Was wir in unseren Slang übernommen haben, ist also keine Neuerfindung gewesen. Dinge werden wieder aufgegriffen, nur was auf der anderen Seite dabei wichtig ist, ist dass man es dann auch auf das nächste Level hievt. Mein Stil-Element der schnellen Silben- ketten habe ich zum Beispiel vom Scat-Jazz-Gesang übernommen. Die Idee, einen jungen Jay-Z mit auf Tour zu nehmen und ihn während meiner Show auftreten zu lassen, bekam ich z. B. durch Ann Peebles. Sie hatte immer andere Künstler dabei, die das Publikum unterhalten haben, während sie sich umkleidete. Als ich das sah, dachte ich mir, so was muss ich auch machen. Wir haben damals ja ständig unsere Outfits gewechselt, also ließ ich Jay während meiner Umkleidepause rappen. Wer weiß, was aus ihm geworden wäre, hätte ich das nicht von Ann übernommen? Nach- dem LL Cool J oder ich den Ladys erzählt haben, wie y wir sind, hat Biggie das zum Beispiel auf ein ganz anderes Level gebracht. Dieser hässliche, fette Nigga hat es nur durch seinen Style geschafft, dass die Weiber bei ihm Schlange standen! Danach dachte jeder fette Nigga in New York, dass er sich nur ein bisschen Versace überzuwerfen braucht und schon ist er ein Player. Das konntest du in den Clubs wirklich beobachten. (Gelächter) Aber so läuft es nicht. Du kannst nicht einfach nur etwas kopieren, du musst es auf das nächste Level bringen – und genau das wird meiner Meinung nach heutzutage vernachlässigt.

Wenn du unter allen Produzenten und Rappern der Welt auswählen könntest, mit wem würdest du gerne zusammen arbeiten?

Also auf Produzentenseite wäre auf jeden Fall Just Blaze meine erste Wahl, bei den Rappern (Er hält inne, nimmt einen Schluck von seinem Moët und überlegt lange, Anm. d. Red.) kann ich das nicht bestimmt sagen. Zum einen würde ich wirklich gerne mit Common zusammenarbeiten. Wir würden dann, wie kann ich es nennen, so eine „Love for Hip-Hop“-Scheibe aufnehmen. Aber zum anderen würde ich zu gerne mit MC Lyte zusammenarbeiten. Wir könnten dann ein richtiges Mann- Frau-Duett-Rap-Album abliefern, so was gab es ja im Hip-Hop noch nicht bisher. Nur MC Lyte kann ja richtig hart spitten, wir würden das dann also auf ein Gangsta-Level bringen. Ich denke, das wäre etwas ganz Neues – und so ist MC Lyte meine erste Wahl.

Du hast vor kurzem mit Premo den Song „28 Bars Of Kane“ veröffentlicht, es gibt Gerüchte über ein ganzes Kollabo-Album von euch beiden, ist da was dran?

Das ist kein Gerücht, es wird passieren. Jetzt bin ich noch auf meiner „Las Supper“-Tour, aber wenn das geschafft ist, werde ich mich mit Premo einschließen und an dem Album arbeiten. Wir haben ja schon vier Songs aufgenommen und Premo ist einer meiner absoluten Lieblingsproduzenten neben Just Blaze. Ich weiß noch nicht, ob wir es schaffen werden, das Album noch dieses Jahr zu releasen, aber bis Oktober sollten wir mit den Aufnahmen fertig sein. Es wird also nicht allzu lange dauern, bis auch ihr hier in Europa neues Material von mir hören oder wieder eine meiner Shows besuchen könnt.

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