Music: Ali As (aus BACKSPIN MAG #112)

Unlängst liftete der ein oder andere verhältnismäßig gut unterrichtete Deutschrapfreund leicht irritiert die Snapback, kratzte sich am Kopfe und versuchte zu verstehen: „EMWIMO?! Ehm? Wie? Wo? Ja, wie jetzt….“ Klingt in der Tat fast so, als würde man mit 2 Promille versuchen „Embryo“ zu sagen. Weit gefehlt! „EMWIMO“ steht für „Ey Mann, wo is mein Output?“ Das neuste Lebenszeichen eines Mannes, der mit seinen 33 Lenzen bereits zum erfahrenen Kreise Deutscher Rapper gehört: Ali A$. Wer sein Ohr mit Sekundenkleber auf der Schiene der hiesigen Rapkultur fixiert hat, plus überdies ein auf Elefantenbasis funktionierendes Gehirn sein Eigen nennt, sollte sich an diesen Namen noch erinnern. Vor etwa einem halben Jahrzehnt nämlich, gehörte besagter Mann, welcher sich damals noch mehr oder minder exklusiv der Suche nach der möglichst alleszerfickendsten Punchline verschrieben hatte, zum frisch gegründeten Deluxe-Records Camp um Snaga, Pillath, Manuellsen und Konsorten. Das Label allerdings wollte so recht nicht in Schwung kommen und eins führte zum anderen: der, man könnte leicht pathetisch fast „Niedergang“ sagen, ließ sich nicht aufhalten. Sämtliche Künstler waren plötzlich wieder ohne vertragliche Heimat. Auch der grundsympathische Ali. Blöd gelaufen. Zwei Möglichkeiten: Aufge- ben oder weitermachen, irgendwie weitermachen. Aufgabe? Keine Option! Is ́doch keine Mathearbeit hier! Zudem ist der Mann mit dem Dollarzeichen im Namen skilltechnisch auf einem Level, hätte er jedwedes Rückenkehren der Profession des Rappers auch nur in Betracht gezogen, man hätte nur ein Fazit ziehen dürfen: schlicht und ergreifend schade! Ergo: weitermachen! Und so nahm sich Ali den Leitsatz „Indi is the new Major“ zu Herzen, selbiges in die Hand, und ballerte ganz ohne labeltechnische Hilfe das eingangs erwähnte Mixtape „EMWIMO“ in die Peripherie des teutonischen Wortspuck- Komplexes. Als Sprachästhet bleibt nur ein fürwahr ehrlich gemeintes „Danke, Mann!“ in Richtung des spürbar nachgereiften Rappers zu entrichten. Wäre doch jammerschade gewesen, hätte der gebürtige Münchner Reimfetischist unter anderem folgende Weisheit mit ins Grab nehmen müssen: „Ich hör die Leute reden, über die neusten Themen/ Gesteuerte Wesen äußern Thesen, zum Steuerwesen/ Teure Wägen, teure Läden: teure Gegend/ Teure Spesen heute Leben 9 von 10 wien Häufchen Elend/ Verkäufe zählen. Euros fehlen/ Des Teufels Generäle wollen eure Seelen Freudentränen und Träume stehlen…“ihr seid ihn ́treu ergeben!“/ Hör ich den Säufer neben mir im Bus, die Leute gähnen…“ Bleibt nur zu hoffen, das Ali A$ diesmal einen glücklicheren Karriereweg einschlägt!

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