Music: A$ap Rocky (aus BACKSPIN Mag #113)

A$ap Rocky – Zwischen Schein und Sein

DER SCHÖNE MUTTERFICKER IST NICHT GUT DRAUF. ALS SICH A$AP ROCKy GERADE WÄHREND SEINER SHOW IM FREIZEITZENTRUM WEST (FZW) IN DORTMUND UNTERS PUBLIKUM MISCHTE, KLAUTE IHM EIN FAN DIE CAP, MARKE SUPREME, VOM KOPP. PROMPT UNTERBRACH ER DIE SHOW UND FORDERTE SEINE KAPPE ZURÜCK. ICH BIN IN DEUTSCHLAND, UM ZU FEIERN, NICHT UM ZU KÄMPFEN“, VERKÜNDETE ER, BEVOR ER FLUCHENDERWEISE VERLANGTE, NIEMANDEN GEHEN ZU LASSEN, SOLANGE ER SEINE CAP NICHT WIEDER HAT. DIE ÜBERWIEGEND AUS TEENAGERN BESTEHENDEN HEADS NAHMEN ES ZWAR RECHT GELASSEN. ABER DANN BRACH ER DAS KONZERT TATSÄCHLICH AB

Etwas später sitzt der 24-Jährige mit nacktem Oberkörper, einem Becher Irgendwas auf Eis in der einen Hand, zwei(!) iPhones in der anderen, im Backstage-Raum auf der Ecke eines Sofas. Das im Übrigen mit etlichen Caps versehen ist. Demonstrativ stellt er zur Schau, dass er eigentlich keinen Bock hat, jetzt auch noch ein zehnminütiges(!) Interview zu geben. Ein Umstand, der nach siebenstündiger Wartezeit allerdings fast auf Gegenseitigkeit beruht. Da hat seine Show, sofern man von Show sprechen kann, auch nicht mehr viel rausgerissen: Ein in Weiß gekleideter Flacko springt zu „Long Live A$AP“ auf die riesige mit weißem Tuch behangene Bühne und versucht, das Playback (kein Witz!) zu übertönen. Nach dem Eröffnungstrack steigt er auf einen kleinen Podest und lässt sich feiern, bevor der DJ auf sein Geheiß wieder die Play-Taste drückt. Später gesellt sich noch ein Back-up-MC zu ihnen auf die Bühne, was aber auch nichts besser macht. Als irgendwann ein Plastikbecher in einem Abstand von anderthalb Metern am Maestro vorbeifliegt, springt dieser stinksauer in die Menge, und aus dem eben noch fanatischen Frohlocken der Mädels in der ersten Reihe wird ein ängstliches Kreischen. A$AP pöbelt noch ein bisschen in Richtung des Übeltäters, dann geht die Mini-Playback-Show weiter – bis zu ihrem unsäglichen Ende.

Damit wir uns nicht falsch verstehen: A$AP Rocky ist der Shit. Aus dem Nichts heraus veröffentlicht er zunächst ein Mixtape – online, versteht sich – und ist sofort in aller Munde. Rappt auf bis dato ungehörte Beats von unbekannten Produzenten wie Ty Beats und Clams Casino, und prägt damit gleich ein neues Subgenre namens Cloud Rap mit. Schafft in den dazugehörigen Videos eine fantastische Zwischenwelt aus Straßenleben und Kosmopolitismus, klassischen Klischees und innovativen Trends. Kackt nebenbei auf alle New Yorker Rap-Konventionen und reibt dem geneigten Head schamlos seine komplette Rap-Sozialisation von den Diplomats und Wu-Tang über UGK und Three 6 Ma a bis zu Snoop und Bone unter die Nase. Bis er ein Mixtape später einen Drei-Millionen-Dollar-Deal bei Sony unterschreibt. Einziger Haken: Live funktioniert das alles nicht. Zumindest nicht so.

 

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Hanfosan

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