Music: 40 Reuber/ Musiye (aus BACKSPIN Mag #113)

40 Reuber

Laut einer arabischen Sage bezwang Ali Baba nach und nach 40 Räuber. Ähnlich hohe Ziele haben sich wohl auch G-Lu und SKX gesetzt. Wie ist es sonst zu erklären, dass sie ihr Essener Label 40 Reuber Records genannt haben? Wobei dies natürlich auch als eine Art Anspielung auf die Zusammenarbeit von G-Lu und Coolio verstanden werden könnte. Das wohl bekannteste Mitglied der 40 Thevz lernte G-Lu 2004 kennen und es entstanden zum Beispiel Tracks wie „Gangsta Walk“ und „Dip it“. Außerdem zelebrierten sie in mehr als 32 Ländern gemeinsame Konzerte. 2010 gründete der Afro- Italiener G-Lu zunächst das Label 40 Ladroni Records mit Hauptsitz in Rom und nur ein Jahr später, zusammen mit SKX, 40 Reuber Records, beheimatet im Ruhrpott. SKX begann seine Rap-Laufbahn vor allem mit dem Basteln von Beats am heimischen Computer.

Aber einmal an der Rapwelt geschnuppert, ist er sofort auf den Zug aufgesprungen und zeichnet sich seit dem durch seine raue Stimme und die überwiegend deepen Tracks aus, was ihm Zusammenarbeiten mit Künstlern wie Capkekz und Valezka ermöglichte. Nach einer Premiere bei den Kollegen von hiphop.de veröffentlichten sie dann noch im selben Jahr, unter anderem mit Eko Fresh, den Deutschland-Remix zu „Vita Mia“. Nur ein paar Monate später releasten sie einen Free Download als „Lost Mixtapes“. Die darauf beinhalteten Songs sind innerhalb der letzten zehn Jahre entstanden und dokumentieren die Geschichte von G-Lu, SKX und ihrem gemeinsamen Baby 40 Reuber Records. Aktuell steht bei ihnen, neben der Arbeit an Sunny Ges neuen Projekten, aber hauptsächlich die Veröffentlichung ihrer zweiten Single „Big Business“, aus dem Debütalbum „Street Supa Gheddo“, am 15. Oktober im Vordergrund. Damit wollen sie sich der deutschen Szene vorstellen und endgültig beweisen, dass „Rap und Gesang zusammen gehören wie Rock n‘ Roll“. Schließlich hat ja jeder die Chance auf einen Platz im Game verdient, der von Produktion, über Videodreh und Schnitt alles selber in die Hand nimmt, oder nicht?

Text: Lena Voss

Musiye

Aus anfänglicher Ahnungslosigkeit wurde hier relativ schnell Neugierde. Und so hieß es erst einmal ab zu Google und gucken, was da so kommt, wenn man Musiye eingibt.

Und es muss festgehalten werden: Das Label hat ziemlich gute Arbeit geleistet, das Netz ist, zumindest bis jetzt, so gut wie leer, wenn es um den Jungen vom Bodensee geht. Aber das wird sich wohl ziemlich schnell ändern, denn Musiye kann wirklich mehr als das, was sich bis dato im World Wide Web so abzeichnet. 1989 in Friedrichshafen geboren, Auftritte in mehreren Jugendhäusern und anschließend Verweise von etlichen Schulen kassiert. Aber welcher Rapper war schon ein Musterschüler? Irgendwann entstanden schließlich die ersten Tapes, die glücklicherweise ihren Weg in die Hände von Jaysus fanden. Der beschloss dann wohl so etwas wie ‘Friedrichshafener Jungs müssen zusammen halten‘ und nahm Musiye mit auf die Bühnen Deutschlands. Später signte er ihn dann sogar bei seinem Label Macht Rap, welches er 2008 zusammen mit seinem Bruder Costa gründete und das mittlerweile bei Warner Music unter Vertrag steht.

Jetzt, wo die Türen der Rapwelt endgültig wieder aufgebrochen worden sind, kann man das ja auch gleich mal nutzen. Und so releast Musiye noch diesen Herbst seine Debüt EP „Sean Gyle“. Wie es in dieser neueingeleiteten Rapära so üblich zu sein scheint, bedient auch er sich direkt mal an mehreren Musikstilen und erfindet damit zwar nicht gerade das Rad neu, aber das muss er ja auch nicht. Lyrisch erinnert Musiye sowohl an die sozialkritischen Rapper der momentanen Berliner Sparte, als auch an die locker leichten Texte aus Stuttgart – eben da, wo sein aktuelles Label auch beheimatet ist. Wer jetzt also Lust hat, sich anzuhören, wie deutscher Rap mit Übersee-Einflüssen a lá Drake, The Weeknd oder Kendrick Lamar klingt, sollte gespannt in Richtung Baden- Württemberg blicken. Die Jungs von da scheinen ja momentan eh ganz ordentlich abzuliefern.

Text: Lena Voss

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